Kreisrund zugeschnittene Porträtfotos von Anja Le Maire (l.) und Julia Asbrand auf dunkelgrünem bzw. lila Hintergrund, die sich in der Mitte leicht überschneiden

Beide helfen, wenn's brennt

Anja Le Maire (Feuerwehrfrau) und Julia Asbrand (Psychologin)
Kreisrund zugeschnittene Porträtfotos von Anja Le Maire (l.) und Julia Asbrand auf dunkelgrünem bzw. lila Hintergrund, die sich in der Mitte leicht überschneiden
Foto: Robyn Steffen

Wenn es brennt, zählt jede Sekunde – und jede Entscheidung davor. Anja Le Maire arbeitet bei der Jenaer Feuerwehr, Julia Asbrand erforscht psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Beide denken in Einsätzen und Prävention, beide wissen: Die wichtigste Hilfe kommt oft, bevor die Krise eintrifft. Ein Gespräch über Ruhe, Verantwortung und das, was Jena als Universitätsstadt zusammenhält.

Wie beginnt ein Tag, an dem für euch alles läuft?

Anja Le Maire: Der beginnt mit schönem Wetter, weil ich meistens mit dem Fahrrad zur Arbeit fahre. Wenn dann schon die Sonne scheint und ich trocken hier ankomme, fängt der Tag schon mal richtig gut an. Dann gibt es den ersten Kaffee und dann kann es losgehen. Dann bin ich einsatzbereit.

Julia Asbrand: Ein Tag, an dem alles läuft, beginnt nicht mit Arbeit, sondern mit Sport. Danach eine schöne Dusche und dann ein Kaffee auf der Arbeit.

Wo überschneiden sich eure Lebenswelten?

Anja Le Maire: Als Feuerwehr kommen unsere Einsatzkräfte häufig an ihre seelischen Grenzen oder erleben belastende Einsätze. Wir nehmen dann gerne die Hilfe von Psycholog:innen in Anspruch, damit die Einsatzkräfte das Erlebte gut verarbeiten können, einsatzbereit bleiben und nicht erkranken.

Julia Asbrand: Wir forschen zu globalen Krisen und zur psychischen Gesundheit, vor allem zur psychischen Belastung von Kindern und Jugendlichen. Das heißt, wir haben es mit Situationen zu tun, wo es brennt und wo Hilfestellung gefragt ist – wo man Feuer löschen muss. Die Feuerwehr ist ja auch präventiv tätig und versucht, Brände zu vermeiden. Genau das versuchen wir mit unserer Forschung auch: die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen so zu stärken, dass gar keine größeren Feuer mehr ausbrechen. 

Wann habt ihr zuletzt gespürt, dass Stadt und Uni gemeinsam etwas schaffen, was alleine keiner könnte?

Anja Le Maire: »Was alleine keiner könnte« würde ich vielleicht nicht so pauschal sagen. Aber die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Uni erlebe ich immer dann, wenn die Uni neue Gebäude baut oder Projekte umsetzt, bei denen Baumaßnahmen eine Rolle spielen. Dann geben wir vom Fachdienst Feuerwehr unseren Input aus brandschutztechnischer Sicht und helfen damit, die Gebäude nicht nur schön, sondern auch brandsicher zu machen.

Julia Asbrand: In Jena ist es vor allem diese enge Verbindung aus Uni, Industrie und Stadt. Das sind die kurzen Wege: Innerhalb kürzester Zeit lernt man sehr viele Menschen kennen, die an einem Strang ziehen. Dieses Gefühl von Gemeinschaft ist in Jena besonders stark – und daraus entsteht schlussendlich Exzellenz.

Wie bewahrt ihr die Ruhe, um im entscheidenden Moment die richtige Hilfe leisten zu können?

Anja Le Maire: Das ist eine gute Frage, die ich gar nicht so einfach beantworten kann. Wenn wir ein solches Ereignis haben, versuche ich mich voll darauf zu konzentrieren und finde dadurch die Ruhe, die es braucht, um eine Lösung zu finden. Anders kann ich es nicht erklären.

Julia Asbrand: Wir haben immer wieder Krisensituationen. Sei es in der Forschung, wenn etwas überhaupt nicht funktioniert, oder in Therapiesituationen, wenn ein Kind in einer akuten Krise ist. Das Wichtigste ist eine gute Ausbildung: Wenn man weiß, was zu tun ist, kann man sich in der Situation ganz auf sein Gegenüber konzentrieren und mit kühlem Kopf Entscheidungen treffen. 

Wenn Jena als Exzellenzuniversität ausgewählt wird – was wünschst du dir für die Zukunft dieser Verbindung zwischen Stadt und Uni?

Anja Le Maire: Ich wünsche mir, dass der Universitätsstandort Jena weiter wächst und seine Bedeutung in der deutschen Hochschullandschaft ausbaut. Ganz einfach, weil die Stadt davon lebt, dass hier viele Studierende sind und intensive Forschung betrieben wird. Aus der Uni heraus entstehen immer wieder kleine Unternehmen, was den Standort wirtschaftlich stärkt. Deshalb wünsche ich mir, dass die Uni auf ihrem erfolgreichen Weg weiter macht und wir als Universitätsstadt dadurch noch attraktiver werden. Oder bleiben, denn wir sind es ja schon. Wenn man Jena erlebt, merkt man, dass es eine recht junge Stadt ist: durch die Studierenden, das studentische Leben, eine spürbare Weltoffenheit. Das soll bleiben und weiter wachsen.

Julia Asbrand: Ich würde mir wünschen, dass wir es schaffen, noch mehr als nur Jena in unsere exzellente Forschung einzubeziehen – das ganze Land Thüringen, die gesamte Bundesrepublik und die internationale Forschungsgemeinschaft. Das heißt: Jena auf einer internationalen Landkarte für exzellente Forschung zu verankern und gleichzeitig sicherzustellen, dass die Menschen hier in der Umgebung wissen, warum die Forschung in Jena exzellent ist und wie sie selbst daran teilhaben können.

Ich bin Teil der Universitätsstadt Jena, weil…

Anja Le Maire: Hier ist mein Lebensmittelpunkt. Ich fühle mich hier sehr wohl, habe eine Arbeit, die mich ausfüllt, und eine Stadt, die mir einfach gut gefällt und lebenswert ist.

Julia Asbrand: Ich bin Teil der Universitätsstadt Jena, weil ich psychologische Forschung für Familien in und um Jena machen möchte, um die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen langfristig zu verbessern.