Kreisrund zugeschnittene Porträtfotos von Benjamin Knobloch (l.) und Inmaculada Pérez auf dunkelgrünem bzw. lila Hintergrund, die sich in der Mitte leicht überschneiden.

Beide lieben Teilchen

Inmaculada Pérez (Physikerin) und Benjamin Knobloch (Bäckerei-Fachverkäufer)
Kreisrund zugeschnittene Porträtfotos von Benjamin Knobloch (l.) und Inmaculada Pérez auf dunkelgrünem bzw. lila Hintergrund, die sich in der Mitte leicht überschneiden.
Foto: Robyn Steffen

Eine forscht an winzigen Teilchen, der andere zaubert sie täglich auf den Teller. Inmaculada Pérez und Benjamin Knobloch wissen, dass Präzision nicht ausreicht und dass das Schönste oft erst nach vielen Anläufen gelingt. Ein Gespräch über Geduld, Perfektionismus und die Frage, was Jena für Menschen aus aller Welt so besonders macht.

Was ist die wichtigste Zutat, damit du gut in den Tag kommst?

Inmaculada Pérez: Gut schlafen. Ein guter Schlaf.

Benjamin Knobloch: Hundert Prozent Kaffee. Das klingt natürlich ein bisschen klischeehaft, wenn man im Kaffeehaus arbeitet. Aber ohne Kaffee komme ich wirklich nicht richtig in Gang. Und ich mache das auch gerne: ein bisschen Barista spielen, ein bisschen was in den Schaum malen, das macht Spaß.

Wie sieht euer idealer Sonntagsspaziergang aus?

Inmaculada Pérez: Auf jeden Fall rund um den Paradiespark. Ich mag die Natur sehr – die kleinen Vögel beobachten, einen Dachs entdecken, eine Katze auf der Straße. Ich mag Tiere einfach.

Benjamin Knobloch: Ich wohne in einem ruhigen, schönen Viertel – Jena Nord. Dort gibt es den Heiligenberg. Und in Jena ist es wirklich nicht schwer: Man geht zehn Minuten in irgendeine Richtung, und schon ist man draußen in der Natur. Das ist mein Spot. Berg, Bäume, leichter Wind, schöne Aussicht. Mehr brauche ich nicht.

Was findet ihr an Jena exzellent?

Inmaculada Pérez: Die Menschen. Ich mag es sehr, durch die Stadt zu laufen und zu sehen, dass die Menschen hier aus aller Welt kommen. Wir alle leben hier zusammen und respektieren einander. Auf so kleinem Raum gibt es so viel Raum zum Lernen und Entdecken der Welt.

Benjamin Knobloch: Was ich an Jena sehr mag, ist, dass hier so viele verschiedene Lebenswelten aufeinandertreffen. Man begegnet wirklich den unterschiedlichsten Menschen. Ich komme ursprünglich aus einer Kleinstadt bei Dresden und es ist immer wieder eine Überraschung, wen man hier so kennenlernt. Das ist eine ganz besondere Erfahrung.

Wie viel Energie und Präzision braucht es, bis das perfekte Teilchen gelingt – im Labor wie hier im Kaffeehaus? 

Inmaculada Pérez: Sehr viel – wirklich sehr viel. Es kann Wochen dauern, manchmal sogar einen Monat, bis etwas genau dort funktioniert, wo es funktionieren muss. Das kostet enorm viel Energie. Und die kleinen Anpassungen sind das Erstaunlichste: Du hast keine Ahnung, wie winzig ein Fehler sein kann und trotzdem alles zum Scheitern bringt. Dann fängt man von vorne an. Aber beim ersten Mal ist es am schwersten. Beim zweiten Mal kennst du den Weg schon und kommst schneller ans Ziel.

Benjamin Knobloch: Ich glaube, da hat jeder seinen ganz eigenen Anspruch. Natürlich geht man mit einem gewissen Perfektionismus ran. Es muss ja auch schön auf dem Teller aussehen. Das Auge isst mit.

Wenn Jena als Exzellenzuniversität ausgewählt wird – was wünschst du dir für die Zukunft dieser Verbindung zwischen Stadt und Universität?

Inmaculada Pérez: Mein Wunsch ist, dass die Universität weiterhin für die Stadt da ist – und dass die Stadt weiterhin stolz auf ihre Universität ist. Ich glaube, das ist eine wunderschöne Beziehung zwischen diesen beiden Institutionen. Jena ist ein besserer Ort dank seiner Universität. Und diese Universität ist sehr menschlich, nahbar und zugänglich, weil wir dieses Gefühl von Gemeinschaft und Zugehörigkeit zur Stadt bewahren. Wenn wir Förderung bekommen, forschen wir – aber wir forschen auch für die Menschen. Wir gehören zum selben Ort. Das ist Jena.

Benjamin Knobloch: Für mich persönlich – an diesem Ort hier – wünsche ich mir, dass der Austausch zwischen beiden Welten weiterhin auch in unserem Kaffeehaus stattfindet und ich daran teilhaben kann. Ich lerne hier schon jetzt sehr viele interessante Menschen kennen, von Studierenden bis zu Professor:innen. Und ich glaube, ich kann davon gar nicht genug bekommen. Also: gerne mehr davon.

Ich bin Teil der Universitätsstadt Jena, weil…

Inmaculada Pérez: Ich bin Teil der Universität Jena – zuerst als Studentin und jetzt als Promovierende. Ich verbringe meine Zeit hier im Labor und versuche, gute Ergebnisse zu erzielen.

Benjamin Knobloch: Ich bin Teil der Universitätsstadt Jena, weil ich Jena seinen Kaffee mache.