Anna Seghers Preis 2026

Mapuche-Dichterin und Imaginamics-Fellow Daniela Catrileo erhält Anna-Seghers-Preis 2026

Der diesjährige Anna-Seghers-Preis wurde am 06.06.2026 an die renommierte Mapuche-Dichterin, Performance-Künstlerin und feministische Aktivistin Daniela Catrileo vergeben.
Anna Seghers Preis 2026
Foto: Privat

Der diesjährige Anna-Seghers-Preis wurde am 06.06.2026 an die renommierte Mapuche-Dichterin, Performance-Künstlerin und feministische Aktivistin Daniela Catrileo vergeben. Noch im Januar 2026 war Catrileo Gast von "Imaginamics" und hat im Umkreis der Working Group zu (de)kolonialem Imaginieren Studierenden wie der interessierten Öffentlichkeit zahlreiche Lesungen und Vorträge zu social imagining und ästhetischem Widerstand bzw. zum strategischen Neuerfinden der kulturellen Identität der Mapuche angeboten. Einer der Höhepunkte der Veranstaltungsreihe war eine zweisprachige Lesung mit Diskussion zum Thema "Revuelta de cuerpos / Aufstände der Körper", die als Transferleistung von "Imaginamics" in die Stadt im Kulturzentrum des Iberoamérica e.V. veranstaltet wurde.

Die Laudatio während des feierlichen Festakts in der Berliner Akademie der Künste hob v.a. die Poetik der Hybridität und Unreinheit der Dichterin hervor, die ihren indigenen Familiennamen Catrileo als "verletzter Fluss" übersetzt. Der Fluss als unendliche Bewegung, kontinuierliches Geräusch und heterogener Lebensraum, aber auch Grab zahlreicher Opfer der Pinochet-Diktatur, Wasser als symbolisches Element der Reinheit und Verschmutzung, gleichzeitig Naht und Narbe, Gegenmittel und Spur der Verletzung sind denn auch zentrale Inhalte eines Schreibens, das sich als Medium und Praxis sozialen Imaginierens versteht, um zur Heilung der 'kolonialen Wunde' eines unsichtbar gemachten indigenen Volkes beizutragen und eine Zukunftsperspektive interkulturellen Zusammenlebens zu eröffnen. So heißt es etwa in ihrem ersten Lyrikband von 2016, Der verletzte Fluss:

"Es gibt keine Reinheit / kein Eigenheim / in / der Bewegung des Wassers // ----------------- / den Schnitt / bewohnen // den Mund verboten / die Zunge und Sprache gebrochen".

Und später im selben Band:

"In der Spur des Stigmas: geboren / aus Wut / aus Armut / aus Vergessen / wie Moos am Uferrand".

Der mit je 12.500 Euro dotierte Anna Seghers-Preis geht jedes Jahr jeweils an eine Autorin oder einen Autor aus dem deutschen Sprachraum sowie aus Lateinamerika, dem Kulturraum von Anna Seghers' Exil. Die Preisträger:innen sollen wie einst Anna Seghers den Anspruch vertreten, mit den Mitteln der Kunst zu einer gerechteren, menschlicheren Gesellschaft beizutragen. Dieses Jahr ging der Preis an Daniela Catrileo und an die deutsche Autorin Sonja M. Schultz.