Beide zielen aufs Netz

Leopold Winkler (Fußballer) und Constance Fischer (IT-Administratorin)

Kreisrund zugeschnittene Porträtfotos von Leopold Winkler (l.) und Constance Fischer (r.) auf dunkelgrünem bzw. lila Hintergrund, die sich in der Mitte leicht überschneiden.

Foto: Robyn Steffen
Kreisrund zugeschnittene Porträtfotos von Leopold Winkler (l.) und Constance Fischer (r.) auf dunkelgrünem bzw. lila Hintergrund, die sich in der Mitte leicht überschneiden.

Was verbindet einen Nachwuchsfußballer, der von der perfekten Grätsche träumt, und eine IT-Mitarbeiterin, die von gelösten Serverproblemen schwärmt? Mehr als man denkt. Leopold Winkler und Constance Fischer treffen ihr Ziel auf ganz unterschiedlichen Feldern und doch mit derselben Genugtuung, wenn der Punkt sitzt. Ein Gespräch über Disziplin, Hilfsbereitschaft und darüber, was eine Universitätsstadt im Innersten zusammenhält.

Wie beginnt ein Tag, an dem alles läuft?

Leopold Winkler: Das beginnt bei mir meistens schon einen Tag vorher, am Abend. Da schreibe ich mir schon mal alles auf, was ich am nächsten Tag machen will. Und dann, an dem Tag, an dem alles laufen sollte, wird früh aufgestanden, früh erst mal fertig gemacht – und anschließend ganz wichtig: erst mal ein Kaffee. Der darf nicht fehlen. Und dann kommt es drauf an, was ansteht. Am besten natürlich eine Runde Sport, also laufen gehen oder ins Fitnessstudio. Das wäre top.

Constance Fischer: Es fängt damit an, dass ich in die Innenstadt fahre. Ich lebe hier in Jena, also ist es nur eine zehnminütige Fahrt mit der Straßenbahn. Und ich sehe viele Menschen, die ich kenne, von der Uni und auch nicht von der Uni, auf meiner Fahrt. Wir grüßen uns, und dann geht es weiter ins Büro. Wenn das Telefon dann in den ersten fünf Minuten nicht klingelt, dann wird es ein guter Tag.

Jena gilt als Stadt der kurzen Wege. Welchen Ort erreichst du blind und was verbindest du damit?

Leopold Winkler: Da würde ich auf jeden Fall meine Schule sagen, das Sportgymnasium. Ich bin dort neun Jahre zur Schule gegangen und habe den Weg jeden Tag bewältigt. Ich habe daran sehr schöne Erinnerungen – in der Stunde, aber auch in den Mittagspausen habe ich mit meinen Freunden ganz viel Zeit verbracht, viel gelacht und schöne Momente erlebt. Das war auf jeden Fall eine coole Zeit.

Constance Fischer: Jetzt, wo wir aus dem Hauptgebäude ausgezogen sind – ich war früher im Hauptgebäude – könnte ich wohl von überall aus blind dorthin finden. Wir sind inzwischen auf die andere Straßenseite in die neuen Gebäude umgezogen, und ich erkunde immer noch, wie man am besten hinkommt, weil man nicht direkt zu unserem Gebäude gehen kann, man muss herumgehen. Also probiere ich ab und zu etwas Neues aus. Blind würde ich aber sagen: das Hauptgebäude, weil ich von dort früher zu Klienten gegangen bin und wieder zurück. Es ist so etwas wie meine Homebase.

Gibt es einen Ort, bei dem du denkst: Das ist einzigartig in Jena?

Leopold Winkler: Ich würde schon sagen, das Paradies. Das ist mitten in Jena der grüne Fleck – wirklich wunderschön, dass man hier so viel Natur mitten in der Stadt hat. Damit verbunden auch die Oberaue mit den ganz vielen Fußballplätzen und dem Stadion als Herzstück, dem Ernst-Abbe-Sportfeld. Das ist auf jeden Fall der Ort, mit dem ich am meisten verbinde und der wirklich sehr heraussticht.

Constance Fischer: Ich glaube, das Paradies, wenn man dort in den Park geht. Ich war dieses Jahr noch nicht dort, das vermisse ich schon. Wenn man dort hingeht, ist das Jena. Für mich jedenfalls.

Worin bist du richtig gut und worauf bist du vielleicht ein bisschen stolz?

Leopold Winkler: Ja, ich würde schon sagen, im Fußball bin ich ganz gut. Und dazu auch das, was der Fußball mit sich bringt: dass man durch den Leistungssport recht diszipliniert und recht ehrgeizig wird. Ich würde auch sagen, ich bin ganz gut in der Schule – dass ich das beides so verbunden habe und da auch ganz gute Ergebnisse hinbekommen habe, trotz Leistungssport, dass das auch schulisch läuft.

Constance Fischer: Die Art, wie ich mit Menschen umgehe. Ich bin ein Menschenmensch. Nicht viele IT-Leute sind Menschenmenschen – das ist zumindest das Klischee – aber ich rede gerne mit Leuten, ich mag den Austausch mit Menschen.

Wann ist das schönste Gefühl, wenn bei dir etwas „ins Netz geht“?

Leopold Winkler: Auf den Fußball bezogen vor allem das, wenn man ein Tor schießt. Ich spiele zwar defensiv, aber das ist natürlich top. Oder, wenn man an das Defensive denkt: vor allem, wenn man eine erfolgreiche Grätsche macht oder einen Sieg mit der Mannschaft feiert. Das ist natürlich auch ein sehr schöner Moment.

Constance Fischer: Oh, ja. Wenn ein Kunde anruft und total aufgebracht ist, weil das Gerät nicht funktioniert oder die E-Mails sich nicht öffnen lassen, oder so etwas. Und dann hilft man und löst das Problem. Das ist einfach fantastisch.

Wenn Jena als Exzellenzuniversität ausgewählt wird, dann gewinnen alle. Was wünscht ihr euch für die Zukunft dieser Verbindung zwischen Stadt und Uni?

Leopold Winkler: Ja, dass die Zusammenarbeit auf jeden Fall noch intensiviert wird, dass beide Seiten ein bisschen mehr davon profitieren. Und vielleicht, was ich durch den Nachwuchssport auch ein bisschen mitgenommen habe: dass man dieses Leistungsprinzip noch ein bisschen mehr einbaut und beim Sport vielleicht ein bisschen mehr mit Förderprogrammen arbeitet oder noch ein bisschen mehr Talent dazugewinnt. Und damit können dann ja auch die Stadt und die Uni mit dem Talent und den Arbeitskräften davon profitieren.

Constance Fischer: Weißt du, was wirklich schön wäre? Die Universität veranstaltet jedes Jahr das Sommerfest – für mich fühlt es sich eigentlich immer wie ein Frühlingsfest an, weil es noch nicht so heiß ist. Es wäre wirklich schön, dort mehr Menschen zu sehen, mehr Leute aus der Stadt, nicht nur Uni-Leute. Ich glaube, das wäre richtig cool: mehr von den ganz normalen Menschen bei solchen Veranstaltungen zu sehen. Ich glaube, das würde der Beziehung auch sehr helfen. Denn dann würden sie es nicht mehr als “diese Uni-Leute” sehen, sie sind ja auch eingeladen und können kommen und es genießen.

Ich bin Teil der Universitätsstadt Jena, weil…

Leopold Winkler: … ich hier geboren bin, mein ganzes Leben Fußball beim FCC gespielt habe und Jenenser bin.

Constance Fischer: … ich hier lebe, hier arbeite, hier spiele. Ich liebe diese Stadt wirklich, das tue ich, und ich mag die Menschen. Ich treffe Menschen und sie sind einfach so nett. Die meisten Menschen, die ich hier in der Stadt treffe, sind wirklich sehr nett, und man hört ja manchmal negative Dinge, so etwas wie „Die Deutschen … die haben keinen Sinn für Humor“. Ich glaube nicht, dass das stimmt, überhaupt nicht. Diese Klischees, die habe ich hier nicht gefunden. Ich habe hier sechs sehr glückliche Jahre verbracht.