Beide schaffen Resonanz
Przemysław Bobrowski (Jenaer Philharmoniker) und Hartmut Rosa (Soziologe)
Kreisrund zugeschnittene Porträtfotos von Przemysław Bobrowski (l.) und Hartmut Rosa auf dunkelgrünem bzw. lila Hintergrund, die sich in der Mitte leicht überschneiden
Foto: Robyn Steffen
Was verbindet einen Soziologen, der Resonanz als Grundbedingung guten Lebens begreift, und einen Philharmoniker, für den Musik die schönste Materie der Welt ist? Mehr als man denkt. Hartmut Rosa und Przemysław Bobrowski wissen beide, dass der kürzeste Weg manchmal der ist, der einen zur Ruhe bringt – und dass Verbindung nur entsteht, wo man sich wirklich einlässt. Ein Gespräch über Berge und Bürokratie, über das Volkshaus als Treffpunkt der Welten und darüber, was Wissenschaft und Kunst in einer Universitätsstadt gemeinsam bewegen können.
Welcher kurze Weg hat dir zuletzt eine große Lösung oder einen schönen Moment beschert?
Hartmut Rosa: Das Paradies ist in Jena immer nur wenige hundert Meter entfernt – es ist ein Ort, an dem alle Resonanzachsen aufgehen können: Es ist der Ort der sozialen Begegnung von jung und alt, von akademisch und nicht-akademisch, von sportlich und nicht-sportlich – es ist der Ort der Natur, es ist der Ort der Musik, es ist der Ort des Nachthimmels: Wo die Resonanzachsen sich kreuzen. Ich habe das erst an Pfingsten erfahren dürfen.
Przemysław Bobrowski: Ich bin leidenschaftlicher Bergsteiger. Manchmal ist der kürzeste Weg, einfach in die Berge zu gehen und aufzuhören, alles zu analysieren.
Philharmoniker und Soziologe – Gibt es einen Ort in Jena, an dem ihr euch zufällig begegnen könntet und euch das vielleicht gar nicht wundern würde?
Hartmut Rosa: Das Volkshaus heißt nicht zufällig Volkshaus – es ist nur einen Steinwurf vom Institut für Soziologie entfernt, und wir hatten dort viele große Veranstaltungen. Und die wiederum gehen nicht ohne Musik. Musik – Gesellschaft – Soziologie: Diese drei gehören zusammen, und das Volkshaus steht sinnbildlich dafür.
Przemysław Bobrowski: Jena ist einzigartig und sehr lebendig. Auch die Natur um die Stadt ist sehr einladend. Wir könnten uns bestimmt beim Wandern an der Studentenrutsche treffen.
Worin bist du richtig gut und worauf bist du vielleicht ein bisschen stolz?
Hartmut Rosa: Wenn ich am jüngsten Tag gefragt werde, was ich Gutes getan habe, werde ich nicht meine Bücher oder meine Forschungen nennen – sondern meine Arbeit mit jungen Menschen an der Universität und auf SchülerAkademien. Einmal haben wir ein Theaterstück der SchülerAkademie in die Aula der Universität gebracht, um die FSU zu feiern: Da kamen die Welten zusammen, darauf bin ich stolz, ein bisschen…
Przemysław Bobrowski: Ich bin stolz, dass ich Teil der Jenaer Philharmonie sein darf. Mein Hobby ist mein Beruf. Ich beschäftige mich mit der schönsten Materie der Welt – der Musik.
Wann reißt die Resonanz, und wie holst du sie zurück?
Hartmut Rosa: Die Resonanz reißt immer dann, wenn die Bürokratie ins Spiel kommt. Anträge schreiben, Gutachten anfertigen, Berichte formulieren, Formulare ausfüllen. Da stirbt alles Leben ab. Es kehrt zurück, wenn ich schreibend denken darf – oder wenn im Seminarraum die Diskussion in Fahrt kommt.
Przemysław Bobrowski: Ich verstehe mich als Teil von etwas Größerem. Es ist das Orchester, die Gesellschaft, die Menschheit … Wenn man das nicht aus dem Auge verliert, dann soll die Resonanz erhalten bleiben.
Wenn Jena als Exzellenzuniversität ausgewählt wird, dann gewinnen alle. Was wünscht ihr euch für die Zukunft dieser Verbindung zwischen Stadt und Uni?
Hartmut Rosa: Ich wünsche mir so sehr, dass die Uni sich als organischer, lebendiger Teil der Stadt begreift – und die Stadt die Universität als Ort der Energie, des Lebens, der Inspiration, der Erneuerung wahrnimmt.
Przemysław Bobrowski: Wissenschaft und Kunst sollten das Stadtbild prägen. Genau das macht Jena weltoffen und spannend.
Ich bin Teil der Universitätsstadt Jena, weil…
Hartmut Rosa: …ich schon früh in meinem akademischen Leben erfahren durfte, dass Jena eine Universitätsstadt wirklich ist: Die Uni ist ins städtische Leben integriert, die Bürger und Bürgerinnen nehmen Anteil an dem, was wir tun, und mehr noch: Sie sind Teil dessen, was wir tun – und wir Universitären sind Teil des städtischen Lebens.
Przemysław Bobrowski: …ich mich mit der innovativen und toleranten Gesellschaft verbunden fühle.