Universidad de Buenos Aires

Wintersemester 2025/2026

Buenos Aires

Foto: Barbara Zandoval, Unsplash
Buenos Aires

Liv, Master Soziologie

Im August 2025 trat ich mein Auslandssemester an der Universidad de Buenos Aires (UBA) an. Die folgenden Monate waren eine unvergessliche, schöne und zugleich teilweise anstrengende Zeit. Ein paar meiner Eindrücke und Erfahrungen:

Bewerbungsprozess und Vorbereitungen vor dem Aufenthalt

Zunächst bewarb ich mich bis 15. Januar über das International Office um einen Auslandssemesterplatz. Nach der Zusage und dem Unterzeichnen der Annahmeerklärung folgte die Nominierung an der UBA. Für diesen Schritt musste ich erneut Unterlagen wie eine Kopie meines Reisepasses, meinen Lebenslauf, meinen Bachelorabschluss sowie eine Studienbescheinigung der Universität Jena an die Koordinatorin der UBA senden und angeben, für welche Semester ich kommen würde.
Von der Universidad de Buenos Aires wurde anschließend die sogenannte „Precarga de Datos“ ausgestellt, ein Dokument, das für die Beantragung des Visums notwendig ist.

Visum

Auf der Website des argentinischen Konsulats in Berlin ist ein Merkblatt verfügbar, das erläutert, welche Unterlagen für welche Visumsdauer notwendig sind. Ende Juni reichte ich meine vollständigen Unterlagen als PDF-Dateien per E-Mail beim Konsulat ein und bat um einen Termin, den ich für Mitte Juli erhielt.
Beim Termin selbst kam es jedoch zu einem Problem: In der oben erwähnten „Precarga de Datos“ wird seitens der UBA vermerkt, von wann bis wann man eingeschrieben sein wird. Leider war in meiner Precarga de Datos angegeben, ich sei für zwei Semester dort, also insgesamt elf Monate. Die Anforderungen für ein Visum von mehr als sechs Monaten sind jedoch umfangreicher als die für ein Visum von maximal sechs Monaten.
Das Konsulat teilte mir mit, dass es an die Angaben der Precarga gebunden sei und dass ich demnach gerade ein Visum für mehr als sechs Monate beantragen würde. Ich probierte zwar zu erklären, dass ich nur sechs Monate da bleiben würde, dies ließ sich jedoch nicht ändern. Ich vereinbarte daraufhin einen neuen Termin und bat die Koordinatorin der UBA um eine Korrektur des Zeitraums. Am 30. Juli - sieben Tage vor Abreise - hielt ich dann mein Visum in den Händen. Ich würde auf jeden Fall raten, sich frühzeitig mit dem Visum auseinanderzusetzen, um ausreichend Zeit zu haben, gegebenenfalls fehlende oder fehlerhafte Unterlagen nachzureichen.
Wichtig ist außerdem, frühzeitig zu prüfen, wie lange der Reisepass noch gültig ist, da dieser für Visazwecke häufig über den Aufenthalt hinaus gültig sein muss.
Ich hatte das Glück, dass eine weitere Person der Uni Jena nach Buenos Aires für das Auslandssemester fuhr. Somit konnten wir uns gegenseitig bei Fragen und Unklarheiten helfen und haben uns darüber hinaus in der Zeit sehr gut angefreundet.

Wohnen

 Ich habe mehrere Websites erkundet, um ein Zimmer zu finden, und habe letztlich über Airbnb etwas gefunden. Meine Wohnung lag in Monserrat, in der Nähe des Obelisco. Die Unterkunft war zwar schön - in Buenos Aires gibt es sehr viel schöne Altbauten - jedoch gab es einige Punkte, die mich auf Dauer etwas störten. Deswegen habe ich mich dazu entschlossen, nach einem anderen Zimmer Ausschau zu halten. Unter anderem war die Lage zwar ganz gut angebunden, da es sich um das historische Stadtzentrum handelt, aber dadurch war es tagsüber sehr voll und laut. Abends hingegen war meine Straße wie leergefegt.
Die übrigen Zimmer in der Wohnung wurden ebenfalls untervermietet, und ich hatte zunächst gehofft, dass mehrere Personen dort über einen längeren Zeitraum wohnen würden. Tatsächlich gab es jedoch viel Fluktuation unter den Mitbewohner*innen. Hinzu kam, dass - wie in den meisten Wohnungen in Buenos Aires - die Fenster einfach verglast sind und die Stadt sehr laut ist. Bei dem Bus, der morgens durch meine Straße fuhr, hatte man das Gefühl, er würde durch das Zimmer fahren.
Außerdem fanden die meisten Abendprogrammpunkte eher in Recoleta, Palermo oder San Telmo statt, weswegen ich ab Oktober in eine neue Unterkunft in Palermo gezogen bin.
Zur Sicherheit: Ich habe mich insgesamt sehr sicher gefühlt und würde sagen, vor allem im Vergleich zu anderen südamerikanischen Städten ist Buenos Aires relativ sicher. Aber meine Freund*innen, die alle dort schon einige Jahre lebten, hatten mir häufig geraten, lieber nicht allein nachts die Öffis zu nehmen und alleine lange Strecken zu laufen. Meistens war ich nach Möglichkeit mit Freund*innen unterwegs oder habe auch mal ein Uber genommen, je nach Strecke. Ich denke, dass man erst vor Ort ein Gefühl dafür entwickelt, wie sicher man sich fühlt und was man machen kann/will.

Uni-Organisation und -Alltag an der UBA

Ich absolvierte mein Auslandssemester im Masterstudiengang Soziologie. Meinem Eindruck nach gibt es große Unterschiede in der Organisation und der Erfahrung des Auslandsstudiums zwischen Bachelor- und Masterstudium.

Vor Abreise sollten wir, meine Freundin aus Jena und ich, schonmal Kurse belegen, wobei diese erst sehr kurz vor Semesterbeginn online einsehbar waren. Leider wurde mir zu keinem Zeitpunkt mitgeteilt, ob und wann es eine Frist für die An- und Abmeldung der Kurse gibt. Kurz vor meiner Abreise konnte ich noch Kurse umwählen, und als ich erneut in den ersten zwei Wochen etwas ändern wollte, teilte mir die Koordinatorin mit, dass dies nicht mehr möglich sei. Das stellte mich vor ein kleines Problem, denn: Das Semester ist nochmal in zwei Hälften gegliedert. Somit gehen einige Kurse von August bis Oktober und andere von Oktober bis Dezember. Ich hatte somit Angst, für die zweite Hälfte des Semesters zu wenig Kurse zu haben. Ich konnte mich aber glücklicherweise noch in Doktoranden-Seminare anmelden, da die Frist für diese etwas später war
und ich mir die Kurse auch in Jena anrechnen lassen konnte.

Das Ankommen an der UBA gestaltet sich sehr unterschiedlich, je nachdem, ob man eben im Bachelor oder im Master ist. Ich habe von einigen Bachelor Studierenden, die auch ein Auslandssemester an der UBA absolviert haben, erfahren, dass es Veranstaltungen und Einführungstage für die Internationalen Studierenden gab. Dies war nicht der Fall für Master- Studierende, weswegen meine Freundin aus Jena und ich anfangs das Gefühl hatten, sehr auf uns alleine gestellt zu sein. Als die Seminare losgingen, fanden wir schnell Anschluss an andere Studis.

Ich würde den Uni-Alltag an der UBA als anders zu dem Uni-Alltag in Jena beschreiben. Dies liegt unter anderem daran, dass der staatliche Bachelor-Abschluss, oder auch Licenciatura, vier bis sechs Jahre dauert. Damit können viele nach Abschluss schon in die Berufswelt einsteigen. Der Master, der, wie in Deutschland auch, ein bis zwei Jahre dauert, ist eher eine Ergänzung als eine Notwendigkeit. Entsprechend war der Altersdurchschnitt in den Seminaren höher als in Deutschland. Nicht selten waren meine Kommilitonen schon Eltern, vollberufstätig oder älter als die Dozierenden.
Die Kurse sind meistens 4 Stunden Blöcke, die einmal wöchentlich stattfinden. Viele der Masterkurse lagen zudem auf den Abend oder Wochenende. Jedoch nicht alle. Die Atmosphäre in den Seminaren war sehr gesellig, offen und es fand in einigen Kursen eher ein Dialog zwischen den Lehrenden und den Studierenden statt. Häufig wurde ein Mate-Becher mitgebracht, der während der Sitzung herumgereicht wurde.
Ich war begeistert sowohl von den Dozierenden als auch inhaltlich von den Kursen. Gerade für das Fach Soziologie war der Besuch der UBA eine große Bereicherung. Über die Kursinhalte hinaus konnte ich im Studienalltag viel über die komplexe Geschichte und politische Lage Argentiniens lernen. So war das aktuelle politische Geschehen fast immer Gesprächsthema in den Kursen und in den Pausen. Außerdem ist die UBA direkt betroffen von der Wirtschafts- und Sozialpolitik Mileis. Während meines Aufenthaltes kam es beispielsweise zu einem Streik, nachdem Milei ein Veto gegen ein Gesetz für die Finanzierung staatlicher Unis eingelegt hatte. Die gesamte Universität, sowohl Studierende als auch Belegschaft, haben sich in diesen Tagen mobilisiert. Auch ich habe mich an der Demonstration beteiligt und war ergriffen von der Masse und der breiten Solidarität, die sich in der Hauptstadt geballt hat.

Bedauerlich war, dass zwei meiner vier Kurse online stattfanden. Gerade zu Beginn ist dies ungünstig, da man neue Kontakte knüpfen möchte. Dennoch hatte ich das Glück, gemeinsam mit meiner Freundin aus Jena schnell eine Freundesgruppe aufzubauen.

Leben außerhalb der Universität

Die Stadt hat durch ihre Größe und ihre Vielfalt viel zu bieten: von Museen über Konzerte bis hin zu Ausstellungen. Ich war überrascht, wie viel von dem kulturellen Freizeitangebot sehr günstig oder gar kostenlos war. In den sogenannten „Centros Culturales“ finden immer wieder Veranstaltungen wie beispielsweise kostenlose Konzerte statt. Es gibt ein umfangreiches Angebot an Sport- oder Tanzkursen außerhalb der Uni. Wenn man sich für Fußball begeistert, lohnt es sich ein Spiel von Boca oder River zu besuchen, wobei es etwas kompliziert und teuer ist an Tickets zu kommen. Zudem gibt es zahlreiche Orte und Bars für LGBTQI+, beispielsweise Tribu in San Telmo oder Feliza in Recoleta.
Allgemein würde ich sagen, man findet seine Orte, seine Aktivitäten, auf die man Lust hat. Das ÖPNV-Netz ist relativ gut ausgebaut und sehr günstig. Eine Fahrt mit der Bahn (Subte) oder mit dem Bus kostet unter 70 Cent. Andere Lebenshaltungskosten sind enorm angestiegen in den vergangenen zwei Jahren, wobei sich die Inflation während meines Aufenthaltes etwas abgeschwächt hat. Grundsätzlich würde ich sagen, sind die Lebenshaltungskosten geringer als in Deutschland aber nicht viel. Beziehungsweise kommt es etwas auf die Art der Ausgaben an. Wohn- und Lebensmittelpreise liegen inzwischen fast auf europäischem Niveau, Importe sind teilweise teurer als in Deutschland, während Dienstleistungen vergleichsweise günstig sind. Dabei ist zu bedenken, dass ich mein „Einkommen“ aus Deutschland bezogen habe. Das Lohnniveau in Argentinien ist deutlich niedriger, weshalb diese Preise für viele Menschen vor Ort eine enorme Belastung darstellen. In einigen Stadtteilen ist entsprechend auch viel Obdachlosigkeit sichtbar.

Argentinien ist ein sehr großes Land und bietet neben Buenos Aires viele sehenswerte Orte. Wenn Zeit und Budget es erlauben, lohnt es sich, innerhalb des Landes oder der Region zu reisen. Beliebte Ziele sind unter anderem Bariloche, Patagonien, Iguazú-Wasserfälle, Mendoza, Salta und Jujuy oder ein Ausflug mit dem Boot nach Uruguay.

Wenn Fragen offen sind, könnt ihr mich gerne über das International Office kontaktieren:)