ChinaKooP: Kompetenzen stärken für Kooperationen mit China
China-Kompetenz-Plattform für Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Thüringen
Grafik: Liana Franke
Chinas Volkswirtschaft ist im vergangenen Jahrzehnt stark gewachsen. Damit nimmt China als internationaler Impulsgeber und Handels- sowie Kooperationspartner für Forschung und Innovation einen wichtigen Platz in der Welt ein. Zugleich rückt China aufgrund innen- und geopolitischer Entwicklungen und als systemischer Wettbewerber immer stärker in den Fokus kritischer Aufmerksamkeit.
In dieser Vielschichtigkeit muss China als Kooperationspartner an den Hochschulen und Forschungseinrichtungen, die bisher wissenschaftlich über ein großes Themenspektrum mit chinesischen Partnern kooperierten, neu bewertet werden. Mit der Richtlinie zur Förderung des regionalen Ausbaus der China-Kompetenz in der Wissenschaft will die Bundesregierung dieses ambivalente Verhältnis in der Zusammenarbeit aufgreifen. Die China-Kompetenz deutscher Akteure zu erhöhen ist eine „wesentliche Grundlage für erfolgreiche wissenschaftliche und wirtschaftliche Kooperationen mit chinesischen Partnern auf Augenhöhe […]. Kooperation mit China muss sich an Standards und Zielen des deutschen bzw. europäischen Wissenschaftssystems orientieren, gleichzeitig aber die besonderen Gegebenheiten und Anforderungen in China […] kennen. Dies erfordert eine umfassende Informiertheit für ein bewusstes Handeln der Akteure im deutschen Forschungs- und Innovationssystem.“[1] Auch in der China-Strategie der Bundesregierung ist die Vermittlung von China-Kompetenz ein zentrales Thema.
Förderzeitraum
Die Friedrich-Schiller-Universität Jena wird mit rund 500.000 Euro vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert, um in Zusammenarbeit mit Thüringer Hochschulen und Netzwerkpartnern das Projekt „China-Kompetenz-Plattform für Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Thüringen“ umzusetzen.
Eine Finanzierung ist bis zum 31.12.2026 zugesagt und gesichert.
Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt
Foto: Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt
Das Netzwerk
Daher werden im Rahmen der Fördermaßnahme "Regio-China" zwölf ausgewählte Standorte der deutschen Forschungs- und Bildungslandschaft vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) unterstützt, um ihre China-Kompetenz regional durch Austausch mit anderen Institutionen zu vertiefen, zu erweitern, neue Formate zu entwerfen und sich zu vernetzen.
Insbesondere für Hochtechnologiestandorte wie z.B. Jena mit ihren vielfältigen Beziehungen zu China ist es relevant, für einen differenzierten Umgang mit China zu sensibilisieren, bei Anbahnung und Ausgestaltung von Kooperationen klare Leitlinien in Einklang mit ethisch-akademischen Grundsätzen zu formulieren und für deren rechtssichere und nachhaltige Ausgestaltung zu qualifizieren. Zentrale Elemente dieses Projektes sind daher ein Qualifizierungs- und Zertifikatsprogramm für China-Kompetenz sowie die Erarbeitung einer China-Strategie, die u.a. Fragen zum Schutz geistigen Eigentums in der Zusammenarbeit sowie zum Umgang mit Dual-Use Technologien oder Gütern beantwortet.
Zudem wird der Austausch innerhalb der Region und national gestärkt. In diesem Rahmen trägt das Vorhaben dazu bei, vorhandene Wissens- und Kompetenzlücken zu schließen und eine Profilbildung über eine differenzierte Zusammenarbeit mit China voranzutreiben.
Zielgruppen
Die Zielgruppen sind Mitarbeitende der Verwaltung, Forschende und wissenschaftlicher Nachwuchs, Studierende, Lehrende sowie universitäre Gründungsinteressierte.
Breitenwirkung der Maßnahmen
Grafik: Kathleen Rudolph
Maßnahmenkatalog
Das Vorhaben setzt sich aus acht Arbeitspaketen zusammen.
Governance, Management und Monitoring Das Koordinationsbüro an der Universität Jena ist als Anlaufstelle mit ausgewiesener China-Expertise für die Umsetzung der Maßnahmen und Zielerreichung verantwortlich. Ein internes und ein externes Expertengremium unterstützt mit fachlicher Expertise und hat eine Monitoringfunktion inne.
Etablierung einer China-Kompetenz-Plattform Über ein „Flying-Office-Konzept“ wird dezentral und unabhängig vom Sitz der Anlaufstelle die Netzwerkbildung, Wissensvermittlung und der Austausch mit den Akteuren der Region umgesetzt. Der Aufbau eines nachhaltigen Wissensspeichers zur Dokumentation und Weitergabe von Ergebnissen sowie Good Practice Beispielen ist ein zentraler Baustein des Vorhabens.
Erfassung der Bedarfe in der China-Kompetenz Um den Anforderungen und Bedarfen gerecht zu werden, werden durch Umfragen und Interviews IST-Stand und die Bedarfe erhoben, um passgenau Qualifizierungs- und Informationsangebote für die Zielgruppen des Vorhabens zu entwickeln.
Potentiale und Good Practice Potentiale und Anwendungsfälle werden insbesondere in Fachbereichen mit besonderer Bedeutung für die Profilbildung (Optik/Photonik, Nachhaltigkeit/Energiespeicher, u.a.) bzw. dort, wo ein hohes Interaktionslevel mit chinesischen Partnern besteht, analysiert. Die Etablierung offener Dialogformate wie auch geschlossener Beratungsformate, die auch kritische Themen aufgreifen, dienen dazu im Dialog Verständnis und Grenzen für verschiedene Denk- und Vorgehensweisen zu schaffen.
Befähigung und Qualifizierung Modulare Qualifizierungsbausteine zur Entwicklung von China-Kompetenz werden entwickelt und über einen Train-the-Trainer-Ansatz an die Netzwerkpartner weitergegeben. Ein Querschnittsangebot richtet sich an alle Zielgruppen. Es soll für China sensibilisieren und ein Grundwissen zu Landeskunde, Sprache, Kultur und Entwicklungen im Bereich Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft sowie die ethische und interkulturelle Dimension der Zusammenarbeit vermitteln. Zielgruppenspezifische Qualifizierungsangebote werden (weiter-)entwickelt und auf die in der Umfrage eruierten Anforderungen und Bedürfnisse zugeschnitten. Insbesondere der wissenschaftliche Nachwuchs wird für die Notwendigkeit des Erwerbs von China-Kompetenz sensibilisiert, qualifiziert und vernetzt.
Erarbeitung einer China-Strategie Auf institutioneller Ebene werden eine China-Strategie, sowie Leitlinien und Prüfprozesse zur formalen Gestaltung von Kooperationen etabliert. Interessierte Institutionen der Region werden dabei unterstützt, eine China-Strategie zu erarbeiten und umzusetzen.
Vernetzung und Transfer in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik Die Netzwerkpartner bringen sich in den nationalen und internationalen Diskurs in Fokusbereichen ein. Sie stehen mit dem Verbund der China-Zentren und über Angebote der Wissenschaftsallianzen in intensivem Austausch. Die Qualifizierungsformate werden institutionell im Fortbildungsprogramm für Mitarbeitende bzw. in Curricula einzelner Fächer verankert. Zudem wird über Lehrende und Absolvent:innen die Vermittlung von China-Kompetenz in Institutionen und Unternehmen der Region umgesetzt.
Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation Über diverse Kanäle werden Informationsangebote zu China veröffentlicht. Es wird zielgruppenspezifisch für das Thema sensibilisiert und ergebnisorientiert sowie für die Öffentlichkeit publiziert.
Work packages and goals
Foto: Kathleen Rudolph
Projektteam
Projektleitung: Dr. Claudia Hillinger, Leiterin Internationales Büro
Projektkoordination: Linus Schlüter
Projektassistenz: Kerstin von Nordheim
Steuerungsgremium Universität Jena
Graduierten-Akademie: Dr. Alexander Schwarzkopf
Servicezentrum Forschung und Transfer: Valerie Daldrup, Dr. Oliver Pänke
Büro des Vizepräsidenten für Forschung: Dr. Karoline Oelsner
Hochschulkommunikation: Katja Bär
Lehrstuhl für Interkulturelle Wirtschaftskommunikation: Prof. Dr. Christoph Vatter
Professur für Sozialgeographie: Jun.-Prof. Dr. Simon Runkel
Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik: Prof. Dr. Andreas Freytag
Externes Beratungsgremium
Dr. Sigrun Abels: Sinologin und Leiterin des China Center for Cultural Studies on Science and Technology in China (China Center), Technische Universität Berlin
Prof. Dr. Hans Gebhardt: Seniorprofessor für Humangeographie (emeritiert) mit Spezialisierung auf China
Jochen Kuck: Jurist und Experte im Bereich Exportkontrolle u.a. im akademischen Kontext und Kooperationen mit China, Forschungszentrum Jülich
Claudia Wessling: Journalistin, Asienexpertin und Leiterin des Bereichs Kommunikation und Publikationen, Mercator Institute for China Studies (MERICS)
Prof. Dr. Xun Luo: Professor für Interkulturelle Kommunikation und Wirtschaft, Justus-Liebig-Universität Gießen