Geförderte Projekte

Übersicht der bislang geförderten Projektvorhaben

Teilnehmende im Gespräch

Foto: Anna Schroll
Teilnehmende im Gespräch

Geförderte Projekte 2025

  • Diversity in Print (Elisabeth Bethge)

    Titel

    Diversity in Print: Wie Diversität Innovationspotenziale freisetzt und institutionelle Strukturen prägt

    Zugehörigkeit

    Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, Lehrstuhl für Strategisches & Internationales Management

    Zusammenfassung

    Gender- und Diversitätsdimensionen in der wissenschaftlichen Publikationskultur.

    Welche Themen schaffen es in wissenschaftliche Zeitschriften und wer entscheidet darüber? Diversity in Print ist ein geplantes Forschungsprojekt, das dieser Frage nachgeht, indem es untersucht, wie die Zusammensetzung von Redaktionsteams mit Blick auf Geschlecht und regionale Herkunft die Themenwahl, die Sichtbarkeit unterschiedlicher Perspektiven und die Fairness im Begutachtungsprozess prägt. Da Zeitschriften darüber mitentscheiden, welches Wissen sichtbar wird, könnten geringere Vielfalt Debatten verengen, Chancen ungleich verteilen und Vertrauen schwächen.

    Die aktuelle Förderung dient der Vorbereitung eines breit angelegten Projekts. Im Mittelpunkt steht die Auswertung von Metadaten zu rund 1200 Fachzeitschriften. Erhoben werden frei zugängliche Informationen zu Editorial Boards, ihrer regionalen Verortung und disziplinären Tradition, zu thematischen Profilen sowie zu Transparenz und Open Science. Diese Daten werden extrahiert, qualitätsgesichert, harmonisiert und in vergleichbare Indikatoren überführt. Auf dieser Grundlage können im Folgeprojekt Hypothesen zu den Zusammenhängen zwischen Diversität in Redaktionen, thematischer Breite und Merkmalen des Begutachtungsprozesses empirisch geprüft werden.

    Graphic Abstractpdf, 2 mb

  • Denken unter Druck: neuronale Profile bei mentaler Höchstleistung (Ilona Croy/Manja Marz)

    Titel

    Denken unter Druck: neuronale Profile bei mentaler Höchstleistung im Go-Spiel

    Zugehörigkeit

    Klinische Psychologie, Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften

    Bioinformatik für Hochdurchsatzverfahren, Fakultät für Mathematik und Informatik

    Zusammenfassung

    Während sich im physischen Spitzensport geschlechtsspezifische Leistungsunterschiede bei Ultralangzeitbelastungen zunehmend angleichen, bestehen in kognitiven Hochleistungsdisziplinen wie dem Go-Spiel Unterschiede: Frauen erreichen hier bislang seltener Weltspitzenniveau. Die Ursachen sind unklar, da kognitive Grundfunktionen kaum geschlechtsspezifische Differenzen zeigen.

    Diese Pilotstudie untersucht erstmals, ob Männer und Frauen bei langfristiger geistiger Höchstleistung unterschiedliche neuronale Aktivierungsmuster und Kompensationsstrategien zeigen. Dabei werden während mehrstündiger Go-Partien von jeweils mehrere Spitzen-Spielerinnen und -Spielern kontinuierlich Sauerstoffoxigenierungsmuster im Gehirn (fNIRS) erfasst und mittels KI-Analysen mit Spielverlauf und Entscheidungsstrategien verknüpft. Ziel ist es, interindividuelle Unterschiede in der Abrufbarkeit neuronaler Reserven und der Regeneration nach kognitiver Belastung zu identifizieren. Die Ergebnisse könnten neue Impulse für geschlechtssensible Leistungsförderung in Bereichen mit hoher mentaler Beanspruchung – etwa Chirurgie oder Luftfahrt – liefern.

  • Puberty X Culture (Nora Fehmer)

    Titel

    Puberty X Culture – Geschlechtsspezifische Einflussfaktoren auf die psychosoziale Entwicklung von Mädchen im Europäischen vs. Afrikanischen Kontext

    Zugehörigkeit

    Institut für Psychologie, Arbeitsbereich Jugendforschung

    Zusammenfassung

    Weibliche Jugendliche erleben die körperlichen und psychosozialen Veränderungen der Pubertät anders als männliche Gleichaltrige – und sind deutlich häufiger von Belastungen wie depressiven Symptomen, Angst- oder Essstörungen betroffen. Kulturelle Schönheitsideale und mediale Normen verstärken diese Herausforderungen zusätzlich. Das Projekt untersucht, welche individuellen, sozialen und kulturellen Einflussfaktoren im Kontext von Europa vs. Afrika eine gesunde Entwicklung während der Pubertät fördern oder beeinträchtigen.

    Eingebettet in das interdisziplinäre Langzeitprojekt Puberty X Culture unter der Leitung von apl. Prof. Dr. Karina Weichold und begleitet von der Gastwissenschaftlerin Dr. Sheriffa Mahama (Ghana) werden qualitative und quantitative Daten aus Deutschland und Ghana ausgewertet, um geschlechtsspezifische Unterschiede im Erleben der Pubertät herauszuarbeiten. Im Besonderen werden neben der Analyse offener Fragebogenantworten Fokusgruppen mit Mädchen durchgeführt und ausgewertet, um zentrale Themen und Bedürfnisse im Kontext sozialer Interaktionen vertieft zu untersuchen.

    Ziel ist es, ein umfassendes Verständnis der Entwicklungsmechanismen hin zu Fehlanpassung bzw. Gesundheit bei weiblichen Jugendlichen zu gewinnen und daraus evidenzbasierte, geschlechtssensible Präventions- und Interventionsansätze abzuleiten. Damit kann das Projekt einen wichtigen Beitrag zur Vermeidung von Belastungen und Störungen bzw. zur Förderung der psychosozialen Gesundheit von Mädchen in der Pubertät leisten, um so eine differenzierte, geschlechtersensible Jugendforschung weiterzuentwickeln.

  • Geschlecht und empathische Akkuratheit (Julia Freitag)

    Titel

    Die Bedeutung von Geschlecht für empathische Akkuratheit

    Zugehörigkeit

    Institut für Psychologie, Lehrstuhl für Entwicklungspsychologie

    Zusammenfassung

    Wie gelingt es Menschen, den emotionalen Zustand ihres Gegenübers zutreffend einzuschätzen – und welche Rolle spielt dabei das Geschlecht? Diese Fragen stehen im Zentrum unseres Projekts. Wir betrachten sowohl das biologische Geschlecht der einschätzenden Person als auch derjenigen, deren Emotion eingeschätzt wird, da beide Seiten empathische Urteile beeinflussen können. Für die Seite der Einschätzenden ist bekannt, dass sich motivationale Aspekte im Hinblick auf das zutreffende Verstehen anderer je nach Geschlecht unterscheiden können. Zugleich zeigen Befunde, dass die Zuschreibung von Emotionen auch durch geschlechtsbezogene Stereotype auf Seiten der Eingeschätzten geprägt sein kann. Unser Ziel ist es, diese wechselseitigen Prozesse in einem einheitlichen theoretischen Rahmen zu untersuchen, der beide Perspektiven integriert. Als Lehrstuhl für Entwicklungspsychologie berücksichtigen wir zudem mögliche Altersunterschiede, die sich etwa durch motivationale, sensorische oder generationenspezifische Faktoren ergeben können.

  • Geschlechtsabhängige Regulation von MORG1 (Jonas Ihle)

    Titel 

    Geschlechtsabhängige Regulation von MORG1 in Bezug auf Alter, Diabetes und Kastration

    Zugehörigkeit

    Nephrologisches Forschungslabor / AG Löffler, Klinik für Innere Medizin III, Universitätsklinikum Jena

    Zusammenfassung

    Chronische Nierenerkrankungen (CKD) zeigen deutliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen – sowohl in Häufigkeit, Verlauf als auch im Zugang zur Behandlung. Besonders bei der diabetischen Nephropathie (DN), einer häufigen Folge des Typ-2-Diabetes und weltweit führenden Ursache für Nierenversagen im Endstadium, spielen Geschlecht und Alter eine wichtige Rolle. Frauen haben eine höhere CKD-Prävalenz, werden aber seltener diagnostiziert oder behandelt, obwohl sie vergleichbare Risikofaktoren aufweisen.

    Das Projekt untersucht den molekularen Einfluss des Proteins MORG1 (Mitogen-activated protein kinase organizer 1), das in zentrale Signalwege der Entzündungs- und Fibroseentstehung eingebunden ist. Frühere Arbeiten zeigten, dass eine verringerte MORG1-Expression die Nierenschädigung bei Diabetes deutlich abschwächt. Aufbauend darauf analysiert das Vorhaben, wie Geschlecht, Alter und Sexualhormone die MORG1-Expression und die Nierenfunktion beeinflussen.

    Ziel ist es, geschlechtsspezifische Unterschiede in den Krankheitsmechanismen der DN auf molekularer Ebene zu verstehen und daraus langfristig neue, individualisierte Therapieansätze abzuleiten.

  • Sexarbeit im evangelisch-ethischen Diskurs (Sarah Jäger)

    Titel

    Kartierungen des evangelisch-ethischen Diskursfeldes zur Sexarbeit – Historisch-hermeneutische und empirische Analysen

    Zugehörigkeit

    Theologische Fakultät, Juniorprofessur für Systematische Theologie/Ethik

    Zusammenfassung

    Dieses interdisziplinäre Forschungsprojekt untersucht die Diskurse innerhalb der evangelischen Ethik zur Thematik der Sexarbeit und strebt eine umfassende Analyse ihrer historischen und gegenwärtigen Behandlung in kirchlichen sowie theologischen Kontexten an.

    Zentrale Forschungsfragen beschäftigen sich mit der Diskussion und Normierung von Sexarbeit in der evangelischen Ethik. Wie werden Normalisierungsprozesse um Geschlecht, Sexualität und Ethik innerhalb dieser Diskurse gehandhabt? Das Projekt zielt darauf ab, die ambivalenten und oft widersprüchlichen Narrative der evangelischen Sexual-, Familien- und Geschlechterethik zu erforschen und zu kartieren, um die dahinterliegenden Diskursstrukturen sichtbar zu machen.

    Die Ergebnisse sollen eine Grundlage für zukünftige theologisch-ethische Normalisierungsdiskurse schaffen, mit dem Ziel, bestehenden Marginalisierungs- und Stereotypisierungsmustern entgegenzuwirken. Projektziel ist die Erforschung und Kartierung der Diskurse zur Sexarbeit in der evangelischen Ethik sowie die Entwicklung von Ansätzen zur ethischen Normalisierung unter Berücksichtigung der Erfahrungen von Betroffenen.

    Die Förderung von „Gender in Focus“ wurde zur Unterstützung der Projekterarbeitung, insbesondere der Sichtung englischsprachiger Literatur durch eine studentische Hilfskraft, beantragt.

  • Geschlechter, Sexualitäten, Beziehungsformen im Neuen Testament (Ursula Ulrike Kaiser)

    Titel

    In aller Vielfalt. Geschlechter, Sexualitäten, Beziehungsformen im Neuen Testament und seinen Kontexten

    Zugehörigkeit

    Theologische Fakultät, Lehrstuhl für Neues Testament

    Zusammenfassung

    Die Wahrnehmungen von Geschlecht(ern) und Sexualtität(en) sowie damit verbundener Lebensformen sind gesellschaftlich nach wie vor auch von religiösen Prämissen geprägt. Aktuell lässt sich eine zunehmend konservative Tendenz im Diskurs (sowohl in den Kirchen als auch in der theologischen Fachwissenschaft) wahrnehmen, innerhalb dessen u.a. mit Hilfe biblischer Texte Heteronormativität als die dem Christusglauben gemäße Haltung propagiert wird. Einer solchen Inanspruchnahme neutestamentlicher Schriften tritt der durch Mittel für eine Open-Access-Publikation von „Gender in Focus“ geförderte Sammelband entgegen. 14 deutsche und US-amerikanische Theologinnen stellen hier – u.a. mit Hilfe eines intersektionalen methodischen Ansatzes – die komplexe Verwobenheit der biblischen Texte mit der antiken Kultur und Gesellschaft heraus. Sichtbar werden auf diese Weise vielfältige Positionen zu Geschlechtern, Sexualitäten und Beziehungsformen, die die Diskussionen im entstehenden Christentum prägten. Themen des Buches sind Ehe und andere eheähnliche Beziehungen, Ehescheidung, kulturell bedingte asymmetrische Geschlechterverhältnisse, Konzeptionen von Geschlecht und Fortpflanzung aufgrund philosophisch-medizinischer Prämissen, gegenkulturelle Ansätze einer Ehefreiheit, Körperkonzepte überhaupt und Visionen einer Aufhebung der Geschlechterdifferenz in eschatologischer Perspektive. Die Antragstellerin Ursula Ulrike Kaiser ist Beiträgerin und Mitherausgeberin des Bandes.

    Neben der Publikation als gedrucktes Buch soll die Verfügbarkeit durch eine Open-Access-Publikation (CC BY 4.0) bewusst den in der theologischen Wissenschaft nach wir vor dominierenden männlichen Zitierkartellen entgegenwirken.

    Der Sammelband ist verfügbar unter: https://www.mohrsiebeck.com/buch/in-aller-vielfalt-9783161705816/Externer Link 

  • Politische Handlungsräume von Fürstinnen von 1150–1500 (Malena Ratzke)

    Titel

    Laterale Führung im liminalen Raum. Politische Handlungsräume von Fürstinnen in der deutschsprachigen Literatur und Chronistik (1150–1500)

    Zugehörigkeit

    Institut für Germanistische Literaturwissenschaft, Philosophische Fakultät

    Zusammenfassung

    Ziel des Vorhabens ist eine neue Perspektive auf einen wenig berücksichtigten Typus politischen Handelns in der deutschsprachigen Literatur vor 1500. 

    Das Projekt geht aus von der Beobachtung, dass literarische Frauenfiguren weit größere Lizenzen nutzen, als Frauen nach zeitgenössischen Normen üblicherweise zugestanden wird. Die deutschsprachige Literatur und Geschichtsschreibung kennt durchaus einflussreiche, strategisch agierende Frauenfiguren: Häufig sind sie als Mutter, Ehefrau oder Beraterin mit den Herrschaftsträgern verbunden, sie verfügen aber nicht über formale Herrschaftsbefugnisse und agieren daher in einem sozialen und politischen Zwischenraum. Zur Beschreibung dieser Form des Strategiehandelns lässt sich das organisationssoziologische Konzept der lateralen Führung historisieren, das Führung in Situationen ohne formal definierte Weisungsbefugnisse erfasst. 

    Das Projekt betrachtet zum einen, wie die Texte die Handlungsspielräume von lateralen Führungspersonen gestalten. Zum anderen untersucht es, welche Vorstellungen von sozialer oder politischer Ordnung (unter Berücksichtigung von Gender, Rang u. a. Identitätsdimensionen) greifbar werden. Da von einem gemischtgeschlechtlichen Publikum auszugehen ist, wird drittens betrachtet, welche Deutungen in der intermedialen Überlieferung der Texte sowie in Rezeptionszeugnissen greifbar werden.

    Der Fonds fördert einen Open-Access-Zuschuss, einen Workshop und eine studentische Assistenz für die Vorbereitung eines Drittmittelantrags Drittmittelantrags (Bericht zum Workshop unter https://www.uni-jena.de/393162/frauenfiguren-als-laterale-fuehrungspersonen).

  • Fließende (Un)Gleichheit: Erwerbsverläufe von Ingenieurinnen (Laura Künzel)

    Titel

    Fließende (Un)Gleichheit: Erwerbsverläufe von Ingenieurinnen der Wasserinfrastruktur zwischen Tradition und Transformation

    Zugehörigkeit

    Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften, Institut für Soziologie (Allgemeine und Theoretische Soziologie)

    Zusammenfassung

    Das Forschungsprojekt untersucht, wie Geschlechterungleichheiten in technischen Berufen entstehen, fortbestehen oder transformiert werden – am Beispiel der Wasserinfrastruktur. Im Mittelpunkt steht die Frage, inwiefern Arbeits- und Entscheidungsprozesse in diesem zentralen Infrastrukturbereich Räume der (Re-)Produktion von Geschlechterverhältnissen darstellen. Anhand qualitativer Interviews mit Ingenieurinnen werden Erfahrungen von Teilhabe, Anerkennung und Einflussnahme sowie Herausforderungen wie Vereinbarkeit von Sorgearbeit und Beruf analysiert.

    Theoretisch verknüpft das Projekt Ansätze der Arbeits-, Technik- und Umweltsoziologie mit feministischer Organisations- und Infrastrukturforschung. Geschlecht wird dabei als strukturierendes Prinzip technischer Organisationen verstanden – orientiert an den Konzepten der Gendered Organization Studies und der feministischen Technikforschung. Die Perspektive der Female Employee Voice erlaubt es, Dynamiken von Sichtbarkeit, Gehör und Einflussnahme in männlich dominierten Kontexten sichtbar zu machen.

    Das Projekt leistet einen doppelten Beitrag: Es schließt theoretische Lücken zwischen Geschlechter-, Technik- und Umweltforschung und bietet empirisch fundierte Einblicke in ein bislang wenig untersuchtes Berufsfeld. Damit trägt es zum Verständnis bei, wie Fragen von Gender, Technik und ökologischer Transformation miteinander verflochten sein können.

  • Werkzeuge und Praxis queerer Geschichtsschreibung (Lisa-Marie Oelmayer)

    Titel

    Werkzeuge und Praxis queerer Geschichtsschreibung im regionalen Raum

    Zugehörigkeit

    Lehrstuhl für Geschlechtergeschichte, Historisches Institut, Philosophische Fakultät

    Zusammenfassung

    Ziel des Workshops ist die Vermittlung von Ansätzen zu historischer Forschung jenseits heteronormativer Paradigmen. Queer Theory hat in den letzten Jahren wichtige Impulse zur Revision etablierter Annahmen über Quellenwert und historiografische Repräsentation geliefert. Queere Geschichte wird dabei nicht mehr nur als Ergänzung bestehender Narrative verstanden, sondern als epistemisches Projekt, das die Grundannahmen historischerForschung systematisch infrage stellt. Der Workshop will diese neue Perspektive nicht nur theoretisch diskutieren, sondern auch konkret auf ihre methodische und forschungspraktische Anwendbarkeit in der regionalgeschichtlichen (Quellen-) Arbeit hin überprüfen.
    Die Relevanz einer solchen Reflexion ergibt sich nicht zuletzt aus aktuellen Forschungs- und erinnerungspolitischen Auseinandersetzungen: Queere Geschichte(n) gewinnen an Raum, allerdings oft innerhalb eng umrissener erinnerungskultureller oder identitätspolitischer Formate. Der Workshop verfolgt demgegenüber das Ziel, queere Geschichtsschreibung nicht nur als additive Praxis, sondern als kritische Intervention in bestehende historische Ordnungssysteme zu begreifen, gerade in Feldern wie der Regionalgeschichte, die bisher nur vereinzelt queertheoretisch reflektiert wurden.

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  • Wenn die Frau erbt: Geschlecht, Erbschaften und Paarpraxis (Robin K. Saalfeld)

    Titel

    Wenn die Frau erbt: Geschlecht, Erbschaften und Paarpraxis

    Zugehörigkeit

    Institut für Soziologie, Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften, Friedrich-Schiller-Universität Jena; SFB/TRR 294 "Strukturwandel des Eigentums", Teilprojekt B06 "Eigentumsungleichheiten im Privaten".

    Zusammenfassung

    Das Projekt untersucht wie heterosexuelle Paare mit Eigentumsasymmetrien umgehen, wenn die Frau über mehr geerbtes oder geschenktes Vermögen verfügt als ihr männlicher Partner. Leitfragen sind: (1) Welche kommunikativen, normativen und alltagspraktischen Bearbeitungen entstehen im Paar, wenn patrimoniale Erwartungshorizonte, so bspw. das kulturelle Skript des männlichen Erbträgers, irritiert werden? (2) Welche Folgen haben diese Aushandlungen für Eigentumsansprüche, Autonomie, Gleichheit und Verantwortungszuschreibungen im Paarhaushalt? Empirische Grundlage bilden 48 leitfadengestützte Paarinterviews aus dem SFB/TRR 294 (TP B06), aus denen jene Fälle vertieft analysiert werden, in denen Eigentumstransfers zugunsten der Frau vorliegen. Methodisch arbeitet das Vorhaben qualitativ-rekonstruktiv (Dokumentarische Methode; ergänzend Grounded Theory). Analytisch werden doing genderdoing couple und doing property mit dem Konzept patrimonialer Ordnungen verknüpft. Ziel ist es, vergeschlechtlichte Deutungen, Normalisierungspraktiken und latente Regulative sichtbar zu machen, die den innerpartnerschaftlichen Umgang mit Vermögensungleichheiten strukturieren, um damit Eigentum als relationale, soziale Praxis in Paarbeziehungen zu profilieren.

  • Youth Gender Distress: Perspektiven auf Geschlechtsdysphorie (Florian Zepf)

    Titel

    Podcast-Reihe "Youth Gender Distress: Perspektiven auf Geschlechtsdysphorie bei Kindern und Jugendlichen"

    Zugehörigkeit

    Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychosomatik und -psychotherapie, Medizinische Fakultät

    Zusammenfassung

    Die Thematik einer Geschlechtsdysphorie im Kindes- und Jugendalter hat in den letzten Jahren vermehrt Aufmerksamkeit in Fachkreisen wie auch in der Öffentlichkeit gefunden. Mit Blick auf die Vulnerabilität betroffener minderjähriger Personen, aber auch im Hinblick auf eine ggf. begleitende Psychopathologie steht das Gebiet der Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie vor besonderen Herausforderungen. Eine wichtige Frage zum Beispiel ist, was mit dem Begriff "Gender" im Kindes- und Jugendalter genau gemeint ist, und wie sich dieser Terminus bzw. seine Bedeutung von anderen Aspekten der Persönlichkeit abgrenzt und im Entwicklungsverlauf Veränderungen unterliegen kann.

    Ziel des Projekts ist die Entwicklung, Produktion und Veröffentlichung einer mehrteiligen Podcast-Reihe, die sich mit dem Phänomen der Geschlechtsdysphorie (bzw. "Youth Gender Distress") bei Kindern und Jugendlichen beschäftigt. Dabei sollen wissenschaftliche Perspektiven aus Ethik, Medizin, Psychologie und Soziologie für eine breite Öffentlichkeit verständlich aufbereitet werden. Der Podcast soll zur Aufklärung, Differenzierung und Versachlichung einer in manchen Fällen emotional aufgeladenen Thematik beitragen.

  • Queere Lebenswelten in Thüringen (Victoria Hegner et al.)

    Titel

    Jenseits der Metropolen, aber mittendrin: Queere Lebenswelten in Thüringen

    Zugehörigkeit

    Victoria Hegner/Anja Laukötter/Anne Schmidt: Seminar für Kulturanthropologie/Kulturgeschichte, Philosophische Fakultät

    Zusammenfassung

    Das Projekt untersucht queere Lebenswelten in Thüringen jenseits der üblichen metropolenorientierten Forschung. Statt Großstädte in den Mittelpunkt zu stellen, richtet es den Blick ethnografisch und kulturhistorisch auf Jena, Weimar, Erfurt und umliegende Regionen. Gefragt wird, wie sich queeres Leben dort gestaltet(e), welche Orte der Vergemeinschaftung existieren, wie Szenen und Netzwerke entstehen und wie queere Menschen ihren Alltag in Kontexten bewältigen, in denen sie keine „kritische Masse“ bilden. Dabei interessiert auch, wie Sichtbarkeit hergestellt oder vermieden wird und wie Personen ihre Identität und Begrifflichkeiten jenseits der Heteronormativität entwickeln.

    Das Projekt verbindet Gegenwartsstudien mit historischer Forschung und bezieht Studierende ein. Es untersucht die spezifisch ostdeutsche Geschichte, etwa die in Jena entstandene erste Lesbenzeitschrift der DDR und den dortigen Arbeitskreis „Homosexuelle Liebe“. Mittels Oral-History-Interviews und Archivrecherchen – u.a. beim QueerWeg-Verein und im Stasi-Unterlagen-Archiv – sollen Kontinuitäten und Brüche sichtbar werden.

    Ziel ist es, Jenas und Thüringens Geschichte und Gegenwart „queer“ zu lesen und die Bedeutung nicht-metropolitaner Räume für queere Kulturen hervorzuheben. Ergebnis sind eine dokumentarische Mini-Serie sowie eine begleitende Fotoausstellung, die queeres Leben sichtbar macht und wissenschaftliches Wissen in die Öffentlichkeit trägt.

Geförderte Projekte 2026

  • Geschlechtsspezifische Mechanismen der MASLD-Progression (Maria Witt-Wallert)

    Titel

    Geschlechtsspezifische Mechanismen der MASLD-Progression: Interaktionen von Steatose, Entzündung und Leberfunktion

    Zugehörigkeit

    Fakultät für Biowissenschaften, Institut für Ernährungswissenschaften, Lehrstuhl für Biochemie und Physiologie der Ernährung

    Zusammenfassung

    Die metabolisch dysfunktionsassoziierte steatotische Lebererkrankung (MASLD) zählt zu den häufigsten chronischen Lebererkrankungen weltweit und tritt insbesondere bei Menschen mit metabolischen Risikofaktoren auf. Klinische und experimentelle Daten zeigen deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede: Männer erkranken häufiger und schwerer, während Östrogen offenbar eine schützende Wirkung entfaltet.

    Ziel des Projekts ist es, die biologischen Mechanismen dieser Unterschiede systematisch zu untersuchen.

    Hierfür werden männliche und weibliche Apolipoprotein-E-defiziente Mäuse sowie daraus isolierte Leber- und Immunzellen verglichen. Analysiert werden unter anderem Steatose, Entzündung, Stoffwechselstörungen, Leberfunktion sowie die Regulation entzündungsfördernder Lipidmediatoren. Besonderes Augenmerk liegt auf der Frage, wie sich das biologische Geschlecht auf Krankheitsverlauf, Leberstoffwechsel und entzündungshemmende Schutzmechanismen auswirkt.

    Die Ergebnisse sollen zum besseren Verständnis der MASLD-Pathogenese beitragen und langfristig die Grundlage für geschlechtersensible Präventions-, Ernährungs- und Therapiestrategien schaffen. Die systematische Berücksichtigung des biologischen Geschlechts ist dabei entscheidend für die wissenschaftliche Aussagekraft und die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf den Menschen.

    Kontakt

    Dr. Maria Witt-Wallert

    Tel: 03641 9 49726

    https://www.bce.uni-jena.de

  • Der Einfluss intersektionaler Ungleichheitserfahrungen auf die Gestaltung queerer Fürsorge (Helena Scherf)

    Titel

    Der Einfluss intersektionaler Ungleichheitserfahrungen auf die Gestaltung queerer Fürsorge – Perspektiven der evangelischen Care-Ethik

    Zugehörigkeit

    Theologische Fakultät, Juniorprofessur für Systematische Theologie/Ethik, Friedrich-Schiller-Universität Jena

    Zusammenfassung

    Dieses Forschungsprojekt untersucht, wie Menschen, die sich als queer identifizieren, Fürsorge gestalten – und welchen Einfluss intersektionale Ungleichheitserfahrungen (z. B. entlang der sozialen Kategorien race, class, gender) auf diese Gestaltung haben. Dabei geht es um die Frage, wie Care jenseits heteronormativer Strukturen erfahren und praktiziert wird.

    Bislang sind Fürsorgepraktiken queerer Menschen in Forschung und Öffentlichkeit kaum sichtbar. Dieses Projekt will mit einer qualitativen Untersuchung aus Einzel- und Gruppeninterviews dazu beitragen, diese Praktiken empirisch in den Fokus zu rücken. Es wird u.a. danach gefragt, wie Unterstützung im Alltag erfahren und geteilt wird, wie Selbstfürsorge praktiziert wird, welche Beziehungen als tragfähig erlebt werden und welche Rolle z.B. Orte, Freundschaften und Gemeinschaft spielen.

    Das Projekt möchte marginalisierten Stimmen einen Raum geben, queere Care-Praktiken sichtbar machen, und Impulse für eine evangelische Care-Ethik setzen. Es soll die Perspektive einer ethischen Reflexion von Fürsorge geöffnet werden, die die Vielfalt queerer Erfahrungen berücksichtigt.

    Die Förderung von "Gender in Focus" ermöglicht die methodische Begleitung durch eine Expertin für qualitative Sozialforschung sowie die Durchführung von Präsenzinterviews an verschiedenen Orten. Diese Rahmenbedingungen sind entscheidend, um die wissenschaftliche Qualität der Datenerhebung sicherzustellen.

    Kontakt:

    helena.scherf@uni-jena.de

    https://www.theologie.uni-jena.de/20944/helena-scherf

  • Männer im Feminismus: Opfer oder Verbündete? (Maria Eberlei)

    Titel

    Männer im Feminismus: Opfer oder Verbündete?

    Zugehörigkeit

    Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften, Lehrstuhl Angewandte Ethik/ Bereich Ethik in den Wissenschaften

    Zusammenfassung

    Durch einschlägige Influencer der sogenannten Manosphere wurde in den letzten Jahren die Auffassung verbreitet, dass die Frauenbewegung nicht an den Problemen der Männer interessiert sei, Männerhass hervorgerufen und verstärkt habe oder die Theorie vertreten, dass wir in einer feminisierten Gesellschaft leben, die Männer systematisch unterdrückt. Obwohl diese Thesen nicht neu sind, besteht doch bei vielen Verwunderung und auch Besorgnis darüber, dass diesen Männern Millionen andere folgen und ihren Thesen zuzustimmen scheinen. Doch ist dies wirklich so?

    Inhalt dieses Forschungsvorhabens soll es sein, den Diskurs über die Männerrechtsbewegung aufzugreifen und in Anbetracht der heutigen Debatten zum Thema Männlichkeit und Feminismus neu zu durchdenken. Das Projekt hat zum Ziel, zunächst einen Austausch darüber herbeizuführen, wie Männer sich und ihre Rolle in feministischen Debatten wahrnehmen, ob sie sich mit Begriffen wie Manosphere, Red-Pill-Community, Feminismus, Gleichberechtigung und Geschlechtergerechtigkeit auseinandersetzen, was sie damit assoziieren und was sie darunter verstehen. Dabei soll dieser Teil des Projektes anhand von Leitfragen gestützten Interviews einer ersten Identifizierung möglicher Leitfragen und Motive dienen. Wie verstehen Männer ihre Rolle heute im Feminismus? Was für Ziele können Sie in feministischen Bewegungen ausmachen? Welche Wahrnehmung haben Sie von sich selbst und wie denken Sie, unterscheidet sich diese Selbstwahrnehmung von einer Außenwirkung auf Männer in öffentlich geführten Debatten zum Thema Feminismus und Männlichkeit? Sehen sich Männer als Opfer oder Verbündete des Feminismus?

    Kontakt:

    Maria Eberlei, M.A. 

    maria.eberlei@uni-jena.de

    Telefon: +49 3641 9-45810

  • Männlichkeit als Erfahrung (Janet-Lynn Holz/Aaron Korn)

    Titel

    Männlichkeit als Erfahrung - Polarisierungen zwischen Gewalt, Fürsorge und Verletzlichkeit

    Zugehörigkeit

    Lehrstuhl für Qualitative Methoden und Mikrosoziologie, Institut für Soziologie, Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften

    Zusammenfassung

    Die interdisziplinär ausgerichtete Tagung rückt die ambivalent verhandelten Vorstellungen zu Männlichkeiten in den Fokus. Seit einigen Jahren werden in der kritischen Männlichkeitenforschung die Care-Praktiken von Jungen, Männern und Vätern vermehrt in den Blick genommen. Die darin identifizierten Aspekte der Fürsorge und Verletzlichkeit gelten als hoffnungsvoller Ausdruck einer Neuorganisation von Care-Arbeit hin zu einer geschlechtergerechteren Gesellschaft. Gleichzeitig radikalisieren sich Debatten um Männlichkeiten: Auf Social Media in der sogenannten Manosphere zirkulieren Vorstellungen einer Remaskulinisierung, die mit misogynen und gewaltaffinen Vorstellungen einhergehen. Im politischen Feld kommt es aufgrund der umfassenden Remilitarisierung westlicher Gesellschaften zu neuen Idealen gewaltbereiter und wehrhafter Männlichkeiten, die insbesondere von rechten Akteuren mobilisiert werden.

    Die polarisierenden Erfahrungen bezüglich Männlichkeit stellen die wissenschaftliche Geschlechterforschung vor eine zunehmende Herausforderung. Die Tagung zielt deshalb darauf ab, unterschiedliche Fachrichtungen, innovative Formate, künstlerische Darstellungen und Perspektiven aus der Praxis der sozialen bzw. politischen Arbeit miteinander zu vereinen. Denn es bedarf einer umfassenden solidarischen interdisziplinären Vernetzung kritischer Männlichkeitenforschung, um die komplexen Phänomene erklären zu können.

    Kontakt:

    Janet-Lynn Holz & Aaron Korn

    E-Mail: maennlichkeiten@uni-jena.de

  • Vermögen in Paarhaushalten (Silke Übelmesser)

    Titel

    Vermögen in Paarhaushalten: Geschlechtsspezifische Unterschiede, Wahrnehmungen und Umverteilungspräferenzen

    Zugehörigkeit

    Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, Lehrstuhl für Finanzwissenschaft

    Zusammenfassung

    Vermögen ist in Deutschland ungleich verteilt – nicht nur zwischen, sondern auch innerhalb von Haushalten. Über die Vermögensverteilung innerhalb von Paarhaushalten ist bislang jedoch nur wenig bekannt.

    Das Projekt untersucht den Gender Wealth Gap, also die Vermögenslücke zwischen Frauen und Männern, innerhalb von Paarhaushalten. Im Mittelpunkt stehen das eigene Vermögen und das Partner-Vermögen sowie die Frage, wie gut die Beteiligten über die jeweilige Vermögensposition informiert sind.

    Hierzu wird eine quotenrepräsentative Online-Befragung von Personen in Paarhaushalten durchgeführt. Die Teilnehmenden schätzen ihre eigene Vermögensposition innerhalb des Haushalts sowie den Gender Wealth Gap in Deutschland unter Paarhaushalten ein. Ein randomisiertes Informationsexperiment untersucht anschließend, ob Informationen über die tatsächliche Vermögensverteilung im Haushalt und den Gender Wealth Gap in Deutschland bei Paarhaushalten die Bewertung ökonomischer Ungleichheit sowie die Präferenzen für Umverteilung und geschlechtsspezifische Maßnahmen beeinflussen.

    Darüber hinaus beleuchtet das Projekt Faktoren, die zur Entstehung von Vermögensunterschieden beitragen können. Dazu gehören unter anderem unterschiedliche Erwerbsverläufe, die Verteilung von Sorgearbeit und die finanzielle Bildung. Zudem wird untersucht, inwiefern sich die Ergebnisse zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen unterscheiden, etwa zwischen Haushalten in Ost- und Westdeutschland.

    Das Projekt verbindet Perspektiven der Verteilungsökonomie, der politischen Ökonomie und der Gender-Forschung. Es macht Vermögensunterschiede sichtbar, die in Daten auf Haushaltsebene häufig verborgen bleiben, und trägt zu einem besseren Verständnis der langfristigen wirtschaftlichen Absicherung von Frauen und Männern bei.

    Prof. Dr. Silke Übelmesser

    silke.uebelmesser@uni-jena.de

    Laurien Bordan

    Laurien.bordan@uni-jena.de

    https://www.wiwi.uni-jena.de/en/12111/team en

  • Wie umgehen mit Sexismus in Klassischen Werken der Philosophie? (Karolin-Sophie Stüber/Hannah Peaceman)

    Titel

    Wie umgehen mit Sexismus in Klassischen Werken der Philosophie?

    Zugehörigkeit

    Philosophische Fakultät, Institut für Philosophie, Lehrstuhl für Praktische Philosophie (Prof. Dr. Andrea M. Esser), DFG-Koselleck Projekt „Wie umgehen mit Rassismus, Sexismus und Antisemitismus in Werken der Klassischen Deutschen Philosophie?“

     Zusammenfassung

    Wie sollen wir heute in Forschung, Lehre und öffentlicher Diskussion mit sexistischen Passagen in Klassischen Werken der Philosophie umgehen? Welches Wissen benötigen wir für eine kritische Auseinandersetzung? Welche Formate waren bereits hilfreich, um eine produktive Diskussion anzuregen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich ein thematischer Schwerpunkt der Abschlusstagung (10.–12. Juni 2027 in Jena) unseres oben genannten DFG-Projekts. Gemeinsam mit eingeladenen Expert*innen und allen, die am Thema interessiert sind, möchten wir uns über die Herausforderungen in der akademischen und außerakademischen Auseinandersetzung, der Lehre sowie der öffentlichen Vermittlung austauschen und aktuelle Forschungsperspektiven der Debatte zusammenführen.
    Die Förderung durch „Gender in Focus“ ermöglicht es uns, im Rahmen der Abschlusstagung einen Workshop zum Themenfeld Sexismus, Geschlecht und Philosophie umzusetzen und Forschende, Lehrende sowie Initiativen aus diesem Bereich miteinander ins Gespräch zu bringen. Ziel ist es, dadurch den wissenschaftlichen Austausch und die weitere Vernetzung der Forschenden zu stärken sowie Impulse für einen reflektierten und kritischen Umgang mit Sexismus in philosophischen Klassikern zu setzen.

    Kontakt:

    Karolin-Sophie Stüber: karolin-sophie.stueber@uni-jena.de

    Hannah Peaceman:  hannah.peaceman@uni-jena.de 

    https://wieumgehenmitrsa.uni-jena.deExterner Link

  • Geschlecht im Fokus: Neue Perspektiven auf die deutsche akademische Diaspora in der Türkei 1933-1955 (Seyma Aksoy)

    Titel

    Geschlecht im Fokus: Neue Perspektiven auf die deutsche akademische Diaspora in der Türkei (1933-1955)

    Zugehörigkeit

    Theologische Fakultät, Lehrstuhl für Religionspädagogik, Forschungszentrum für Religion und Bildung

    Zusammenfassung

    Das Projekt untersucht die Rolle von Geschlecht in der deutschen akademischen Diaspora im Zuge der türkischen Universitätsreform von 1933, als das Istanbul Darülfünun (osmanische Hochschuleinrichtung, 1900–1933 – „Haus der Wissenschaften") aufgelöst und durch die Istanbul Universität ersetzt wurde. Unter den vor der NS-Verfolgung geflüchteten und in die Türkei emigrierten Akademiker*innen befanden sich jüdische und nicht-jüdische Frauen, die maßgeblich zur institutionellen und curricularen Neugestaltung des türkischen Hochschulsystems beitrugen. Während die bisherige Forschung vor allem männliche und institutionelle Perspektiven in den Blick genommen hat, fragt dieses Projekt gezielt nach dem Einfluss von Geschlecht auf akademische Positionen, Sichtbarkeit und Netzwerke.

    Ein zentraler, origineller Zugang des Projekts liegt in der biografiebasierten sozialen Netzwerkanalyse: Sie macht sichtbar, welche Position Wissenschaftlerinnen innerhalb der größeren Netzwerke der akademischen Diaspora einnahmen – ein Aspekt, der in der bisherigen Forschung kaum systematisch erfasst wurde. Zudem stützt sich das Projekt sowohl auf deutsche als auch auf türkische Archivquellen, wodurch eine transnationale Perspektive auf die Biografien und Wirkungsfelder der beteiligten Akademikerinnen ermöglicht wird.

    Methodisch kombiniert das Vorhaben biografische Forschung, soziale Netzwerkanalyse und qualitative Inhaltsanalyse. Eine studentische Hilfskraft unterstützt das Projekt bei der Datenerweiterung und gendersensiblen Kodierung.

    Kontakt:

    Seyma Aksoy

    seyma.aksoy@uni-jena.de