- Chonnam National University
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Jelena, Bachelor Ernährungswissenschaften
Ich habe im Wintersemester 2024/25 ein Auslandsemester an der Chonnam National University in Gwangju, Korea, verbracht. In diesem Bericht gebe ich euch einen kleinen Einblick in meine Erlebnisse und wie es dazu kam.
Motivation für Studienort
Meine Begeisterung für die koreanische Kultur hat sich über Jahre entwickelt – zunächst durch das Tanzen, später durch Serien, Musik und vor allem durch die Küche. Nach einer Reise nach Seoul im Jahr 2019 stand für mich fest: Ich möchte für längere Zeit zurückkehren, um das Land, die Leute und den Alltag intensiver zu erleben. Auch frühere Erfahrungen aus einem Schüleraustausch bestärkten mich darin, ein anderes Bildungssystem kennenzulernen.
Da ich Ernährungswissenschaften studiere, interessierte mich insbesondere die kulinarische Vielfalt Koreas. Ich entschied mich bewusst für Gwangju statt Seoul, um das ruhigere, authentischere Korea abseits der Hauptstadt zu erleben. Die Provinz Jeollanam-do bot dafür ideale Voraussetzungen: Es gibt viele kleine Orte für Tagesausflüge, die Menschen sind sehr herzlich und die Küche ist landesweit bekannt. Ein besonderes Highlight war für mich das internationale Kimchi-Festival in Gwangju.
Stand beim Kimchi Festival in Gwangju
Foto: Jelena, Uni JenaDie Partneruniversität: Chonnam National University
Campus
Der Campus der Chonnam National University war weitläufig, grün und ideal, um abzuschalten – besonders das große Lauf- und Sportfeld, auf dem abends viele Menschen joggten, spazierten oder spielten. Ich liebte es, Teil des ruhigen, lebendigen Treibens zu sein.
Im Zentrum lag ein großer Platz, auf dem regelmäßig Veranstaltungen, Konzerte oder Picknicks stattfanden – dort spürte man das Campusleben besonders. Gleich daneben lag die Cafeteria, die ich fast täglich mit Freundinnen besuchte. Das Buffet war für mich als Vegetarierin ideal, da ich das Fleisch weglassen und mich an den Beilagen bedienen konnte. Besonders mochte ich Tofu, Egg-Drop-Suppe und natürlich frischen Kimchi. Neben der Mensa gab es viele günstige Restaurants und Convenience Stores rund um den Campus – Essen war wirklich nie ein Problem.
Unterkunft
Ich habe im Wohnheim direkt auf dem Campus gewohnt. Das Gebäude war zwar etwas älter, bot aber alles, was man brauchte: ein kleines Gym, Lernräume, eine Lounge, Waschmöglichkeiten und vor allem eine Gemeinschaftsküche. Letzteres ist in koreanischen Wohnheimen eher selten. Das war besonders praktisch, wenn man mal etwas Vertrautes kochen oder mit anderen gemeinsam essen wollte. Man lebte immer zu sechst in einem Apartment, jeweils zu zweit in einem Zimmer. In meinem Apartment wohnten Studierende aus Deutschland, den USA, England, Kolumbien und Korea – ein echtes kleines internationales Zuhause. Dort entstanden schnell enge Freundschaften, die meinen Aufenthalt stark geprägt haben. Für ein Auslandssemester war diese Wohnform ideal, da man direkt Anschluss fand und die kulturellen Unterschiede im Alltag ganz natürlich erlebte.
Studium
Da es in meinem Fachbereich (Ernährungswissenschaften) leider keine englischsprachigen Kurse direkt gab, habe ich mir spannende Kurse aus den Bereichen Naturwissenschaften und Allgemeinbildung ausgesucht. Ich habe unter anderem die Kurse „Neurobiochemistry”, „Principles of Management”, „Advanced Plant Resource Science”, „Korean Folklore” und einen Koreanisch-Sprachkurs belegt. Mir wurden alle Kurse angerechnet, die ich zuvor mit meinem Heimatinstitut abgesprochen hatte.
Der Unterricht unterschied sich etwas von dem in Deutschland: Es gab eine allgemeine Anwesenheitspflicht und die Noten basierten auf Mid- und End-Term-Klausuren, die meist als Multiple-Choice-Tests durchgeführt wurden. Besonders die erste Prüfungsphase war ungewohnt, da man nicht wusste, was einen erwartet. Die Dozierenden waren jedoch sehr freundlich und unterstützend, vor allem gegenüber Austauschstudierenden.
Was das Studium an der Chonnam besonders gemacht hat, waren die vielen Festivals auf dem Campus. Fast jede Fakultät hatte ihr eigenes kleines Festival mit Essen sowie Tanz- und Musikaufführungen, die von den studentischen Clubs performt wurden. Das absolute Highlight war das große, dreitägige Uni-Festival, bei dem sogar bekannte Künstler auf einer riesigen Bühne auftraten. Die Stimmung war großartig – es war wie ein Open-Air-Konzert mitten auf dem Campus.
Austausch & Begegnungen
Der Kontakt zu anderen Austauschstudierenden entstand durch die Wohnsituation, gemeinsame Kurse und Veranstaltungen des International Office fast von selbst. Besonders hilfreich war das Buddy-Group-Programm, bei dem kleine Gruppen aus internationalen Studierenden und koreanischen Buddys zusammenkamen. Diese unterstützten beim Ankommen und halfen bei der Orientierung auf dem Campus und in der Umgebung. Der Kontakt zu weiteren koreanischen Studierenden außerhalb des Programms war anfangs schwieriger, vor allem wegen der Sprachbarriere. Mit der Zeit entstanden aber auch dort Freundschaften. Eine schöne Gelegenheit zum Austausch bot der wöchentliche deutsche Stammtisch der CNU, der gegen Ende des Semesters mit einem gemeinsamen Weihnachtsfest abschloss.
Cafeteria Essen
Foto: Jelena, Uni JenaUnterwegs in Korea
International Office (OIA) der CNU
Das OIA organisierte regelmäßig kulturelle Veranstaltungen, die für mich echte Höhepunkte waren. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein Ausflug nach Naju mit Stadtführung, interaktiver Musikperformance, Nashipudding-Herstellung, Zaubershow und einem berührenden Flötenkonzert.
Tagestrips
Die Provinz Jeollanam-do, in der die Stadt Gwangju liegt, ist in meinen Augen ein sehr unterschätztes, aber unglaublich vielseitiges Reiseziel. Wir haben fast jedes Wochenende für Tagestrips genutzt und dabei viel von Korea gesehen – und das ganz ohne großes Budget. Zu den schönsten Orten gehörten u. a.: Mokpo, einer reizenden Hafenstadt; die Grünteeplantage in Boseong; das Red Spider Flower Festival in Hampyeong; das Cultural Night Heritage Festival in Naju und die Grünteeplantage in Boseong; der Suncheon Bay National Garden; der Hwasun-Tempel; die Städte Jeonju, Damyang (Bambuswald) und Yeosu.
Reisen
Über das DiscoverK-Programm des OIA hatte ich die besondere Möglichkeit, mit Freunden an einem Aufenthalt im Golgulsa-Tempel teilzunehmen. Zwei Tage lang lernten wir dort grundlegende Tempelpraktiken kennen. Es war eine intensive, ruhige und sehr eindrucksvolle Erfahrung, die mir eine ganz andere Seite Koreas gezeigt hat.
Natürlich habe ich auch einige der größeren Städte besucht: Seoul über die Chuseok-Feiertage, Busan zu Neujahr und einen meiner schönsten Trips überhaupt verbrachte ich auf der Insel Jeju. Ende Oktober war ich gemeinsam mit einer Freundin über ein langes Wochenende dort – zur Nebensaison, was ich sehr empfehlen kann: Es gab wenige Touristen, angenehme Temperaturen und günstigere Angebote. Die Landschaft war atemberaubend und die Fortbewegung mit öffentlichen Bussen war problemlos möglich.
im Hanbok auf dem Gelände des Gyeonbokgung Palastes
Foto: Jelena, Uni JenaFazit
Mein Auslandssemester an der Chonnam National University war eine unglaublich bereichernde Erfahrung. Ich habe nicht nur fachlich, sondern vor allem persönlich viel mitgenommen, neue Perspektiven gewonnen und mich selbst besser kennengelernt. Der kulturelle Austausch, das Leben in einem anderen Studiensystem und die vielen Begegnungen haben meinen Horizont erweitert und meinen lang gehegten Traum Wirklichkeit werden lassen. Wenn ich etwas bereue, dann nur, dass ich nicht ein ganzes Jahr bleiben konnte. Zudem hätte ich mir gewünscht, vorher besser Koreanisch zu sprechen, denn das erleichtert den Kontakt zu Einheimischen spürbar. Trotzdem habe ich alles aus der Zeit herausgeholt, was möglich war.
Mein wichtigster Tipp: Geht offen und flexibel an das Erlebnis heran. Es wird nie genau so sein, wie man es sich vorher ausmalt, aber genau das macht es so besonders. Nutzt jede Gelegenheit, habt keine Scheu, Kontakte zu knüpfen, und bringt idealerweise ein paar Grundkenntnisse der Sprache mit. Und wenn es Dinge gibt, die ihr im Alltag unbedingt braucht (wie bei mir Brot und Haferflocken), dann nehmt sie mit! Oft merkt man erst im Ausland, wie sehr man manche kleinen Gewohnheiten schätzt.
Ich kann die CNU wärmstens empfehlen, besonders, wenn man Korea abseits der Großstädte erleben möchte. Gwangju bietet Ruhe, Herzlichkeit und echte Einblicke in das alltägliche Korea. Wenn du also den Traum von einem Auslandssemester hast, dann verfolge ihn. Es lohnt sich!
Essen beim Kimchi Festival (Kimchijeon 김치전, Dotorimuk 도토리묵, saeu udong 새우 우동)
Foto: Jelena, Uni Jena