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Meldung vom: | Verfasser/in: Christine Schickert/Ute Schönfelder
Wie kann die sozial-ökologische Transformation gelingen – und welche Rolle spielen dabei Eigentumsverhältnisse? Darüber diskutieren Forschende des Sonderforschungsbereichs (SFB) »Strukturwandel des Eigentums« der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Universität Erfurt am 15. Januar 2026 bei einer öffentlichen Abendveranstaltung im Volksbad Jena. Sieben sozialwissenschaftliche Projekte stellen aktuelle Erkenntnisse vor und kommen in Tischgesprächen mit dem Publikum ins Gespräch. Im Anschluss folgt eine Podiumsdiskussion mit Sophie Lampl (Greenpeace) und Hans-Jürgen Urban (IG Metall) über politische Handlungsspielräume in der Klimakrise.
Eigentum, Teilhabe, Verantwortung: Warum die Klimakrise auch eine Eigentumsfrage ist
Ob Energiewende, Mobilität oder Landwirtschaft: Die ökologische Krise verschärft Konflikte darüber, wer von Veränderungen profitiert, wer soziale und ökologische Kosten trägt und wer über knappe Ressourcen entscheidet. Der SFB »Strukturwandel des Eigentums« rückt diese Dimension in den Mittelpunkt – und verbindet Perspektiven aus Soziologie, Politikwissenschaft und Philosophie.
Silke van Dyk, Professorin für Politische Soziologie an der Universität Jena und Sprecherin des Sonderforschungsbereichs, betont: »Wir wollen mit der Veranstaltung den Blick auf die Hürden für eine sozial-ökologische Transformation lenken und zeigen, was diese mit den Eigentumsverhältnissen unserer Gesellschaft zu tun haben. Nachhaltigkeit kann nur sozial verträglich sein – oder sie wird scheitern.«
Hartmut Rosa, Professor für Allgemeine und Theoretische Soziologie und Ko-Sprecher des SFB, ergänzt: »Wir reden über Klimaziele, Technologien und Akzeptanz – aber nicht darüber, wem die entscheidenden Ressourcen gehören. Der Wind gehört zwar niemandem, doch die Energiewende entscheidet sich an Eigentumsfragen: Wem gehört das Land, auf dem Windräder stehen? Wer kontrolliert Netze, Patente und Investitionen?«
Forschung aus Jena und Erfurt im Gespräch: Sieben Projekte stellen Ergebnisse vor
Die Veranstaltung gibt Einblicke in thematisch breit gefächerte Forschung – von Fragen nach den Eigentumsrechten der Natur bis zu globalen Konflikten um »grüne« Ressourcen und Technologien. Beispiele aus den Projekten:
- Natur als Eigentumssubjekt? Philosoph Tilo Wesche diskutiert, ob Klima-, Arten- und Umweltschutz profitieren könnten, wenn Natur (etwa Saale oder Jenzig) rechtlich als »Eigentumssubjekt« gedacht würde – und wer solche Rechte wahrnehmen könnte.
- Globale Gemeingüter schützen: Die Politikwissenschaftlerinnen Petra Gümplova und Verena Wolf untersuchen, wie Ökosysteme wie Ozeane oder Atmosphäre geschützt werden können, die allen notwendig sind und zugleich wirtschaftlich ausgebeutet werden.
- »Wem gehört der Wind?« Soziologe Matthias Groß fragt mit seinem Team, ob man Wind »stehlen« kann – und welche neuen Eigentumsfragen mit dem Bedeutungsgewinn der Windkraft für die Energiewende entstehen.
- China, Industriepolitik, grüne Technologien: Das Team um Stefan Schmalz analysiert, welche Folgen der Boom grüner Technologien in China für die sozial-ökologische Transformation in Deutschland hat.
- Wasserstoff weltweit – Kosten vor Ort: Anne Tittor richtet den Blick nach Chile und Argentinien und untersucht Eigentumsverhältnisse in der Wasserstoffproduktion sowie soziale und ökologische Folgen.
- Soziale Frage als Blockade: Klaus Dörre erforscht, warum sich Teile der Arbeiterschaft politisch nicht mehr vertreten fühlen – und wie ungelöste Verteilungsfragen die Transformation bremsen.
- Weniger besitzen, mehr teilen? Hartmut Rosa und Jörg Oberthür untersuchen, welche Rolle Konsum- und Plattformökonomien für eine nachhaltige Zukunft spielen.
Podium mit Greenpeace und IG Metall: Wo liegen Handlungsspielräume?
Im Anschluss an die Tischgespräche diskutieren die Teilnehmenden mit Sophie Lampl (Greenpeace) und Hans-Jürgen Urban (IG Metall), welche politischen Optionen in der aktuellen Lage realistisch sind – und wie eng diese mit Eigentums- und Machtverhältnissen verknüpft sind.
Silke van Dyk formuliert den Anspruch so: »Eine erfolgreiche Energie- und Klimawende braucht Infrastrukturen in öffentlicher Hand. Nur dort, wo Energieversorgung, Netze und Schlüsseltechnologien demokratisch kontrolliert werden, lassen sich Profitinteressen begrenzen.«
Hartmut Rosa unterstreicht zudem die kulturelle Dimension: »Die ökologische Krise ist auch eine Krise unseres Verhältnisses zu den Dingen. In einer auf Verfügbarkeit ausgerichteten Eigentumsordnung verlieren wir den Bezug zu dem, was wir besitzen und nutzen.«
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15. Januar 2026 · 18 – 21 Uhr15. Januar 2026 18 – 21 Uhr