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Meldung vom: | Verfasser/in: Stephan Laudien
»Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da, die Nacht ist da daß was geschehʼ«, so klang ein Gassenhauer in den späten 1930er Jahren. An der Botschaft des Liedes hat sich bis heute wenig geändert, die Nacht umweht noch immer der Zauber des Ungewöhnlichen, des im Wortsinne nicht alltäglichen. Eine neue Ausstellung an der Friedrich-Schiller-Universität Jena nimmt nun besonders die Partynacht mit ihren Verheißungen und Gefahren in den Blick. Eröffnet wird die Ausstellung »Die Nacht in der Lichtstadt« am 23. April im Ausstellungsraum im Universitätshauptgebäude (Fürstengraben 1), zu sehen ist sie bis zum 1. Juni.
Im Gepäck sind Signalpfeife, Pfefferspray und Kondome
»Die Nacht mit ihren Möglichkeiten und Gefahren ist wissenschaftlich kaum erforscht«, sagt Prof. Dr. Victoria Hegner. Die Kulturantrophologin von der Universität Jena hat sich zwei Semester lang gemeinsam mit Studierenden dieser Leerstelle gewidmet und den Erfahrungsraum Nacht erforscht. Die Ergebnisse der Arbeit sind in der neuen Ausstellung zu sehen. Anliegen ist es, die Besucherinnen und Besucher mitzunehmen in die Nacht, in die Welt des Tanzens und des Feierns, an die Orte der Partys und in jenes Zwischenreich von Tag und Nacht, für das die »Spätis« stehen.
Im Gegensatz zum Tag sei die Partynacht gekennzeichnet durch ein anderes Verhalten, anderes Fühlen, einen anderen Umgang mit der Zeit und dem Körper, sagt Victoria Hegner. Hingegen sei Nachtarbeit eher der Versuch, die Normalität des Tagwerks in die Nacht hineinzutragen. Nicht ausgeblendet werden die speziell nächtlichen Gefahren. So packen Nachtschwärmerinnen ganz selbstverständlich Instrumente der Abwehr und Selbstverteidigung in die Handtasche, darunter Pfefferspray und Signalpfeife, aber auch Kondome.
Nächtliche Szenerien in »Nightdrawings« festgehalten
Wer die Ausstellung besucht, kann an Hörstationen sinnlich-atmosphärisch ins Jenaer Nachtleben eintauchen. Ethnografische Vignetten bieten zudem Ausflüge in bekannte Party-Locations wie Rosenkeller, Kassablanca oder Café Wagner. »Nicht das Perfekte steht im Vordergrund, sondern das Spontane, das Rauschhafte«, sagt Victoria Hegner.
Noch eine weitere nächtliche Beobachtung rückt in der Schau in den Fokus: Das Verschwinden von Konturen und klaren Bildern; sichtbar ist nur, was beleuchtet ist und das Licht selbst. Hier haben die Studierenden – einer Idee der Londoner Künstlerin Chantal Meng folgend – sogenannte »Nightdrawings« angefertigt und die nächtliche Szenerie Jenas in all ihren Lichtverhältnissen festgehalten. Sie werden in der Ausstellung ebenfalls gezeigt.
Zur Ausstellungseröffnung kann getanzt werden
Eröffnet wird die Ausstellung »Die Nacht in der Lichtstadt« am 23. April um 18 Uhr. Als zünftiger Rahmen soll zur Eröffnung ein DJ auflegen, es gibt einen kleinen Imbiss und Gelegenheit zu tanzen. Geöffnet ist die Ausstellung im Hauptgebäude der Universität Jena Montag bis Samstag von 10 bis 18 Uhr, ein Begleitprogramm wird erstellt. Der Eintritt ist frei.
Kontakt:
Victoria Hegner, Prof. Dr.
- victoria.hegner@uni-jena.de
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