Studierende im vollbesetzen Hörsaal 1 bei einer Lehrveranstaltung.

Lehre NACHGEFRAGT

Newsletter für Lehre an der Universität Jena Ausgabe 02 2026
Studierende im vollbesetzen Hörsaal 1 bei einer Lehrveranstaltung.
Foto: Christoph Worsch (Universität Jena)

Interview mit Katja Hüfner zum Projekt Universitas@Jena

Dr. Katja Hüfner

Foto: Katja Hüfner

Mit dem Projekt Universitas@Jena gestaltet die Friedrich-Schiller-Universität Jena aktiv die Zukunft ihrer Lehre. Im Fokus stehen neue Formen des Lernens, mehr Flexibilität im Studium sowie eine stärkere Einbindung von Studierenden in die Weiterentwicklung der Lehre. Ziel ist es, Studienangebote zukunftsfähig auszurichten und den Anforderungen einer sich wandelnden Gesellschaft gerecht zu werden. Im Interview gibt Dr. Katja Hüfner - Geschäftsführerin der Akademie für Lehrentwicklung und Projektkoordinatorin von Universitas@Jena - Einblicke in den Stand der Umsetzung und erläutert, welche Veränderungen Studierende und Lehrende erwarten können.

Wie soll sich Lehre durch Universitas@Jena konkret verändern – was wird für Studierende und Lehrende künftig anders sein?

Universitas@Jena ist kein Neuanfang – die Universität Jena verfügt bereits über eine sehr gute Grundlage in Studium und Lehre. Das Projekt gibt uns aber die Möglichkeit, diese gezielt weiterzuentwickeln und an neue Anforderungen anzupassen.

Mit den eingeworbenen Mitteln wollen wir Formate erproben und etablieren, die die Studierenden stärker auf eine zunehmend komplexe und dynamische Arbeits- und Lebenswelt vorbereiten. Dazu gehören interdisziplinäres Arbeiten, projektorientiertes Lehren und die gezielte Förderung von Kompetenzen wie Innovationsfähigkeit oder der konstruktive Umgang mit Unsicherheit und unterschiedlichen Perspektiven. Und für die Umsetzung solcher Formate wollen wir natürlich auch die Lehrenden unterstützen, etwa mit weiterentwickelten oder neuen Anreizinstrumenten für die Erprobung innovativer Lehrmethoden. Gleichzeitig wollen wir Partizipation nicht nur als Lernziel verstehen, sondern als gelebte Praxis in der Universität verankern.

Logo der Stiftung Innovation in der Hochschullehre, die das Projekt Universitas@Jena fördert

Foto: Stiftung Innovation in der Hochschullehre

Ein konkretes Beispiel für eine Initiative im Projekt, in dem die gerade genannten Aspekte vereint werden, ist die Entwicklung einer partizipativen Lehrstrategie: Wir wollen sie nicht nur inhaltlich hinsichtlich aktueller Herausforderungen in der Lehre aktualisieren, sondern auch die Art verändern, wie sie entsteht – nämlich zukünftig in einem regelmäßigen und partizipativen Prozess unter Beteiligung verschiedener Akteurinnen und Akteure aus Studium und Lehre.

Genau dieses Zusammenspiel aus struktureller Weiterentwicklung, Beteiligung und Erprobung neuer Formate ist für mich exemplarisch für Universitas@Jena.

Universitas@Jena verbindet Future Skills, Lehrinnovation und gesellschaftliches Engagement – wie passt das alles zusammen? Welche Formate haben aus Ihrer Sicht das größte Potenzial?

Für uns gehört das unmittelbar zusammen. Universität bereitet Studierende nicht nur fachlich auf den Beruf vor, sondern auch darauf, Verantwortung in einer sich wandelnden Gesellschaft zu übernehmen. Deshalb verstehen wir gute Lehre nicht als etwas, das ausschließlich innerhalb universitärer Strukturen stattfindet, sondern als einen Prozess, der sich auch mit gesellschaftlichen Herausforderungen auseinandersetzt.

Entsprechend achten wir darauf, dass unsere Initiativen nicht nur nach innen wirken, sondern auch Verbindungen zur Region, zur Stadtgesellschaft und zu aktuellen gesellschaftlichen Debatten schaffen. Im FORUM Generale können Studierende, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern gesellschaftlich relevante Themen diskutieren. In der INVENTIO-Woche arbeiten Studierende interdisziplinär an konkreten Problemstellungen. Solche Formate verbinden wissenschaftliches Arbeiten mit Praxisbezug und Perspektivenvielfalt – und genau darin liegt aus meiner Sicht ihr besonderes Potenzial.

Wichtig ist uns dabei, dass solche Angebote nicht bloße Ergänzungen bleiben. Die Verbindung von Lehrinnovation und gesellschaftlichem Transfer verstehen wir nicht als Zusatzaufgabe, sondern als Teil zeitgemäßer Hochschullehre.

Das Projekt ist bereits gestartet: Welche konkreten Maßnahmen oder Formate wurden schon angestoßen, und welche ersten Erfahrungen konnten Sie dabei sammeln?

Universitas@Jena umfasst acht Initiativen, die jeweils unterschiedliche Bereiche von Lehrentwicklung adressieren – von der Flexibilisierung von Studienstrukturen über interdisziplinäre Lehrformate bis hin zum Austausch zwischen Universität und Öffentlichkeit. Inzwischen haben alle acht Initiativen ihre Arbeit aufgenommen. Das ist gerade in einem hochschulweiten Projekt mit vielen Beteiligten ein wichtiger erster Schritt. Nicht alles ist schon nach den ersten Monaten Projektarbeit sichtbar, aber zwei konkrete Beispiele für erste Maßnahmen oder Formate kann ich gern geben:

In dem Bereich der Anreize für Lehrinnovation läuft aktuell der Abstimmungsprozess innerhalb der ALe zur Weiterentwicklung der bisherigen ALe-Förderlinie „Entwicklungsdialog in den Fakultäten". Künftig soll diese als „Entwicklungsdialog Lehre“ ausgeschrieben werden. Das klingt zunächst nach einer kleinen Änderung, bedeutet aber inhaltlich, dass der Austausch über Lehrentwicklung in vielen unterschiedlichen Bereichen von Studium und Lehre ermöglicht wird und damit wesentlich breiter wirken kann als bisher.

Ein weiteres Beispiel ist das bereits erwähnte FORUM Generale, in dessen Rahmen das bisherige Studium Generale weiterentwickelt wird. Am 4. Juni 2026 findet erstmals ein Dialogtag zum Thema „KI – Potenziale und Herausforderungen“ statt, bei dem Universität, Praxis und Stadtgesellschaft gemeinsam diskutieren.

Bereits jetzt zeigt sich, dass der Ansatz, Bestehendes gezielt weiterzuentwickeln statt parallel neue Strukturen aufzubauen, eine neue Dynamik erzeugt. Gleichzeitig wird deutlich, dass nachhaltige Lehrentwicklung Zeit, Abstimmung und belastbare Netzwerke braucht. Und genau an diesen Netzwerken wird auch im Projekt bereits gearbeitet und eine Vernetzung unterschiedlicher Akteurinnen und Akteure ist auch schon jetzt spürbar.

Was ist für Sie persönlich der spannendste Aspekt an Universitas@Jena und was sollte man in einem Jahr unbedingt über das Projekt sagen können?

Mich fasziniert besonders, dass wir Lehrentwicklung nicht auf eine einzelne Maßnahme oder ein einzelnes Format reduzieren, sondern unterschiedliche Ebenen gleichzeitig in den Blick nehmen. Die acht Initiativen verfolgen verschiedene Ansätze – genau darin liegt aus meiner Sicht eine große Stärke des Projekts. Dadurch entsteht die Möglichkeit, neue Ideen parallel zu erproben, Erfahrungen zusammenzuführen und voneinander zu lernen.

Dabei nehmen wir bewusst in Kauf, dass nicht alles auf Anhieb funktioniert und nicht jede Maßnahme sofort als eine fertige Lösung verstanden wird. Denn auch das gehört für uns zum Selbstverständnis einer Universität: Dies ist ein Ort, um Neues auszuprobieren, zu reflektieren und sich so weiterzuentwickeln. Entscheidend ist deshalb nicht, dass alles unmittelbar perfekt funktioniert, sondern dass tragfähige Prozesse und neue Formen der Zusammenarbeit entstehen.

In einem Jahr sollte man über Universitas@Jena sagen können, dass es nicht nur ein aus verschiedenen Initiativen bestehendes Förderprojekt ist, sondern eine echte Bewegung in der Universität ausgelöst hat – dass Lehrende und Studierende gemeinsam neue Wege gehen und die Universität Jena damit als Ort erfahrbar wird, an dem die Lehre der Zukunft nicht nur gedacht, sondern auch gelebt wird.

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