Ein kleiner Junge in traditioneller mongolischer Kleidung steht mit seinem Hund in einer weiten Steppenlandschaft.

Weltweit ein treuer Begleiter

Internationales Forschungsteam untersucht Hund-Mensch-Beziehungen über kulturelle Grenzen hinweg
Ein kleiner Junge in traditioneller mongolischer Kleidung steht mit seinem Hund in einer weiten Steppenlandschaft.
Foto: Juliane Bräuer
  • Forschung

Meldung vom: | Verfasser/in: Sebastian Hollstein

Ob in der weiten Steppe der Mongolei, im dichten Regenwald des südpazifischen Inselstaats Vanuatu oder im deutschen Mittelgebirge – das Verhältnis zwischen Mensch und Hund zeigt weltweit erstaunliche Gemeinsamkeiten. Ein internationales Forschungsteam der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie Leipzig hat untersucht, wie sich dieses Verhältnis über kulturelle Grenzen hinweg gestaltet. Das Team – unterstützt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft – untersuchte die Interaktion zwischen Jägern und ihren Hunden auf fünf Kontinenten und fand dabei überraschend viele Parallelen. Über ihre Ergebnisse berichten die Forschenden im Wissenschaftsjournal »Scientific Reports«.

Universell oder kulturell geprägt?

Seit Jahrtausenden leben Hunde und Menschen eng zusammen. Hunde haben dabei besondere soziale Fähigkeiten entwickelt, um mit Menschen zu kommunizieren und zu kooperieren. Bisher stammt ein Großteil der Forschung zu dieser Beziehung jedoch aus westlichen Gesellschaften. Die zentrale Frage der Studie war daher: Ist die besondere Hund-Mensch-Beziehung ein universelles Ergebnis der gemeinsamen Evolution und Domestikation – oder vor allem kulturell geprägt?

Die Kognitionspsychologin Dr. Juliane Bräuer von der Universität Jena untersuchte gemeinsam mit ihrem Team Jäger-Hund-Beziehungen in fünf kulturell unterschiedlichen Regionen: Deutschland, Madagaskar, Mongolei, Peru und Vanuatu.

»Wir haben uns in unserer Feldforschung speziell auf Jagdhunde konzentriert, weil Mensch und Tier hier besonders eng kooperieren müssen«, erklärt Bräuer. »Vermutlich war genau diese Kooperation sogar ein zentraler Faktor für die Domestikation des Hundes – als erstes domestiziertes Tier überhaupt.« Insgesamt nahmen 164 Hund-Mensch-Teams an sechs standardisierten Verhaltenstests teil. Dabei wurde unter anderem untersucht, ob Hunde menschlichen Zeigegesten folgen, in unsicheren Situationen Hilfe suchen oder selbst erfolgreich Menschen gezielt auf etwas aufmerksam machen können.

Hund als Lebensbereicherung

Die Ergebnisse zeigen ein deutliches Muster: Die Hund-Mensch-Beziehung funktioniert weltweit sehr ähnlich. Hunde verstanden in allen Regionen menschliche Gesten, kommunizierten aktiv mit ihren Besitzerinnen und Besitzern und orientierten sich in schwierigen Situationen stark an ihnen.

Auch bei den Menschen zeigte sich ein einheitliches Bild: Hundebesitzerinnen und -besitzer beschrieben ihre Tiere als verlässliche Partner, schätzten ihre Gesellschaft und sahen sie nicht nur als Arbeitstiere, sondern als Bereicherung ihres Lebens. »Wir hatten erwartet, deutliche kulturelle Unterschiede zu finden, konnten aber feststellen, dass die Hund-Mensch-Beziehung weltweit erstaunlich universell ist«, resümiert Bräuer.

Regionale Unterschiede in der Zusammenarbeit

Trotz der starken Gemeinsamkeiten zeigten sich auch Unterschiede, die vor allem mit Umweltbedingungen und Jagdpraktiken zusammenhängen. So gelingt es beispielsweise den Jägern auf Vanuatu viel besser als in allen anderen Regionen, die Hinweise ihrer Hunde zu interpretieren. Auf den Südseeinseln sind Hunde besonders wichtig, um Wildschweine im dichten Unterholz aufzuspüren, was eine sehr feine Abstimmung zwischen Mensch und Tier erfordert. In Deutschland hingegen orientieren sich Hunde stärker an ihren Besitzerinnen und Besitzern und reagieren zuverlässiger auf deren Signale – vermutlich als Folge intensiverer Trainingsformen.

Insgesamt überwiegen die Gemeinsamkeiten aber deutlich. Für die Forschenden spricht das dafür, dass die enge Beziehung zwischen Mensch und Hund tief in der gemeinsamen Evolutionsgeschichte verankert sein könnte. Bereits vor etwa 30.000 Jahren könnten beide Arten voneinander profitiert haben – insbesondere bei der Jagd: Hunde erhielten Nahrung und Schutz, während Menschen Unterstützung beim Aufspüren und Verfolgen von Beute bekamen. »Jagd erfordert Kooperation, Aufmerksamkeit und Vertrauen«, sagt Bräuer. »Unsere Ergebnisse unterstützen die Annahme, dass genau diese Fähigkeiten die Beziehung zwischen Menschen und Hunden über Jahrtausende geprägt haben.«

Information

Original-Publikation:

J. Braeuer et al.: Striking Global Similarities in Dog-Human Interactions, Scientific Reports, 2026, DOI: 10.1038/s41598-026-57657-1, https://www.nature.com/articles/s41598-026-57657-1Externer Link

Kontakt:

Juliane Bräuer, Dr. habil.

Professur Allgemeine Psychologie I
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