Meiji University

Wintersemester 2025/26

Erfahrungsbericht Meiji University

Foto: Ira, Uni Jena
Erfahrungsbericht Meiji University

Ira, Master Ernährungswissenschaften

Ich habe im Wintersemester 2025/26 ein Auslandssemester an der School of Agriculture der Meiji Universität absolviert. Die Idee, ein Auslandssemester zu machen, hatte ich bereits während meines Bachelorstudiums, was aufgrund der Corona-Pandemie allerdings nicht möglich war. Deswegen habe ich mich dafür entschieden, diese Erfahrung während meines Masterstudiums nachzuholen. Da ich bereits seit der Schulzeit aktiv Japanisch lerne, stand für mich Japan als Ziel meines Auslandsaufenthaltes fest, wobei sich die Meiji Universität mit ihrem breiten Angebot für die verschiedensten Fachrichtungen für mich als optimal anbot.

Vorbereitung und Anreise

Die Vorbereitungen für das Auslandssemester an der Meiji Universität umfasst einen relativ aufwendigen Bewerbungsprozess mit vielen Gängen zur Bank und Ärzten. Da ich an die School of Agriculture ohne englisches Unterrichtsangebot gegangen bin, musste ich vorher ebenfalls mein Japanischniveau mit einem Testzertifikat (JLPT) nachweisen (N3 oder höher), wobei es auch die Möglichkeit gab, einen Test im Rahmen des Bewerbungsprozesses zu machen.

Zudem habe ich mich dafür entschieden, keine Unterkunft der Universität in Anspruch zu nehmen, sondern mir eigenständig einen Platz in einem Studentenwohnheim zu organisieren. Zur Suche habe ich Seiten wie Gakuman-Tokyo (URL: https://www.gakuman-tokyo.com) oder Dormy (https://dormy-ac.com) verwendet. Der E-Mail-Verkehr zur Bewerbung auf den Wohnheimsplatz und auch die Vertragsunterlagen waren vollständig auf Japanisch, weswegen ich das selbstständige Organisieren einer Unterkunft nur für Personen mit fortgeschrittenen Japanisch-Kenntnissen empfehlen kann. Ich selbst habe unglaublich viel Unterstützung von japanischen Freunden erhalten, die meine E-Mails korrekturgelesen und mir beim Verstehen des Business-Japanisch unterstützt haben.

Der Einzug in die Unterkunft war dann Anfang September, zwei Wochen vor dem Semesterbeginn, möglich. Da die Unterkunft keine Einrichtung der Universität war, hatte ich auch keine Unterstützung bei der Anmeldung im Bürgerservice und der Anmeldung der nationalen Kranken- und der Rentenversicherung. Glücklicherweise sind die Personen in den öffentlichen Einrichtungen sehr freundlich und hilfsbereit und haben mir alles ausführlich erklärt und mir bei der Ausfüllung der erforderlichen Dokumente geholfen.

Unterkunft und Alltag

Meine Unterkunft hatte ich mir in einem Wohngebiet Tokyos namens Kyodo in Setagaya-Ku gesucht, da es eine direkte Anbindung durch die Odakyu-Linie bis zum Bahnhof in Ikuta gab, wo sich mein Campus befand. Über die Auswahl des Wohnortes bin auch rückblickend sehr froh, da sowohl der Campus als auch das Stadtzentrum in gut erreichbarer Nähe lagen. Zugleich war der Ort selbst aber als Wohnviertel relativ ruhig gelegen und nicht so überfüllt wie die Innenstadt von Tokyo. Als Vegetarierin war es mir wichtig, dass meine Wohnung eine kleine Küche besitzt, da es auswärts häufig etwas schwieriger ist, vegetarisches oder veganes Essen zu finden und auch viele Wohnheime mit Essensversorgung kein passendes vegetarisches (geschweige denn veganes) Angebot haben.

Studium an der Meiji Universität

Da es mein Studienfach Ernährungswissenschaften an der Meiji Universität nicht gibt, habe ich mich dafür entschieden, Kurse aus den Life Sciences zu belegen. Da dies reguläre Kurse der sind, waren die Vorlesungen und Praktika vollständig auf Japanisch. Die Professoren waren jedoch unglaublich freundlich, kamen direkt auf mich zu und haben mir stets ihre Hilfe angeboten. Innerhalb der Vorlesungen war es etwas schwieriger Kontakt mit anderen japanischen Studenten zu knüpfen, da die Studierenden aus den oberen Semestern oft bereits ihre festen Freundesgruppen haben.

Zum Glück wurde ich bereits vor Semesterbeginn einer Arbeitsgruppe zugeteilt, sodass ich mir meine Kurse mit den Studierenden aus der Arbeitsgruppe zusammenlegen konnte. In der Arbeitsgruppe konnte ich mich auch das halbe Jahr über an der Forschung beteiligen und habe zudem Studierenden aus dem 3. und 4. Bachelorjahr bei ihren Experimenten unterstützt. Zeit mit der Arbeitsgruppe zu verbringen, hat mir persönlich am meisten Spaß bereitet, da es mir zum einen die Möglichkeit gab, in einem anderen Land an der wissenschaftlichen Forschung teilzuhaben, und zum anderen diverse Inkubationszeiten Zeit dafür gaben, sich sehr viel über alle möglichen Themen austauschen, wodurch ich unglaublich viel über die japanische Kultur erfahren konnte.

Am Ende des Semesters hatte ich sieben Prüfungen, die vom Niveau her ungefähr den Prüfungen in Deutschland entsprochen haben, wobei ich inhaltlich bereits viele Dinge aus meinen Bachelorvorlesungen in Deutschland kannte und es sich deswegen eher wie fachspezifische Japanisch-Prüfungen angefühlt hat.

Erfahrungsbericht Meiji University

Foto: Ira, Uni Jena

Freizeit und Leben

Ich hatte mit meinen Modulen und dem Forschungsprojekt in der Arbeitsgruppe tatsächlich relativ viel zu tun, weswegen ich insgesamt nicht so viel Freizeit hatte. Trotzdem wollte ich gerne an einer der vielen Club-Aktivitäten der Universität teilnehmen, weswegen ich mich in einen Studenten-Chor der Uni eingeschrieben habe, bei dem ich dann ein- bis zweimal die Woche für einige Stunden an der Probe teilgenommen habe und auch zur Weihnachtszeit bei einem größeren Auftritt dabei sein durfte. In dem Chor habe ich auch sehr schnell Freunde gefunden und wir waren oft nach den Proben zusammen etwas essen und haben uns ausgetauscht.

Am Wochenende war ich viel mit Freunden unterwegs – beim Karaoke, im Kino oder zum Karten spielen. Mein persönliches Highlight war Neujahr gewesen, da ich die Tage von Silvester bis Anfang Januar bei der Familie eines Freundes verbringen durfte und damit die japanischen Neujahrestraditionen hautnah miterleben konnte.

Herausforderungen, Tipps und Fazit

Aufgrund der selbstständig organisierten Unterkunft und des Studiums an einer Fakultät, die normalerweise nicht sehr viele Austauschstudenten hat, stellte die Bürokratie in Japan für mich die größte Herausforderung dar. Durch die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft japanischer Menschen war mir allerdings immer schnell geholfen.

Als Vegetarier*in und Veganer*in sollte man beachten, dass in Japan die Verbreitung solcher Essgewohnheiten noch nicht so fortgeschritten ist und in vielen Produkten „versteckt“ tierische Inhaltsstoffe wie zum Beispiel Dashi (eine Art Fischsud) enthalten sind. Auch wenn es natürlich nicht unmöglich ist, auswärts vegetarisches/veganes Essen zu finden, ist die Essensfrage, wenn man eine Küche zum Selberkochen hat, deutlich einfacher zu lösen.

Ich bin mir sehr sicher, dass man auch vollkommen ohne Japanisch-Kenntnisse ein sehr schönes Auslandssemester an der Meiji Universität verbringen kann, gehe aber trotzdem davon aus, dass man mit Basis-Sprachkenntnissen Japan nochmal ganz anders erleben kann, weswegen ich das Sprechen-Lernen im Vorfeld sehr empfehlen kann. Im Rahmen der Japanisch-Sprachkurse der FSU gibt es zudem häufig ein sogenanntes Tandem-Programm, über das man mit japanischen Studierenden, die Deutsch lernen möchten, vernetzt werden kann und somit bereits vor dem Auslandssemester Freundschaften knüpfen kann, die einem noch einmal mehr Rückhalt geben.

Insgesamt war es ein sehr aufregendes und spannendes Auslandssemester in dem ich nicht nur fachlich und sprachlich sehr große Fortschritte machen konnte, sondern auch sehr viele neue Erfahrungen sammeln und neue Kontakte knüpfen konnte. Ich bin mir sehr sicher, dass das Auslandssemester auch für meinen zukünftigen akademischen und beruflichen Weg eine Schlüsselerfahrung darstellen wird.