Meiji University

Sommersemester 2025

Blick Mount Fuji

Foto: Jakob, Uni Jena
Blick Mount Fuji

Jakob, Master Economics

Im Sommersemester 2025 absolvierte ich ein Auslandssemester an der Meiji University in Tokio. Ursprünglich hatte ich bereits im Bachelor geplant, ein Auslandssemester zu machen, was aufgrund der Corona-Pandemie leider nicht möglich war. Umso klarer war für mich, diese Erfahrung im Masterstudium unbedingt nachzuholen. Mein Ziel war es, möglichst weit wegzugehen und tief in eine andere Kultur einzutauchen. Japan erwies sich dafür als perfekt: von hochmodernen Metropolen wie Tokio über kulturell geprägte Städte wie Kyoto bis hin zu naturverbundenen Regionen wie Hakone oder den Außenbereichen um Nagano. Auch historisch bedeutende Orte wie Hiroshima oder persönliche Interessen wie die japanische Autoszene machten das Land für mich besonders attraktiv.

Golden Temple, Kyoto

Foto: Jakob, Uni Jena

Vorbereitung

Der Bewerbungsprozess für die Meiji University ist im Vergleich zu anderen Universitäten relativ aufwendig. Neben der eigentlichen Bewerbung müssen auch nach der Ankunft mehrere bürokratische Schritte erledigt werden, darunter die Anmeldung beim Amt und der Abschluss einer verpflichtenden studentischen Krankenversicherung. Zusätzlich ist ein medizinischer Gesundheitscheck erforderlich, der bereits in Deutschland durchgeführt werden muss. Die Bewerbung über die japanische Botschaft, in meinem Fall in Frankfurt, verlief jedoch reibungslos, auch wenn der gesamte Prozess relativ viel Zeit in Anspruch nahm. Sowohl das Internationale Büro der FSU Jena als auch das International Office der Meiji University standen jederzeit unterstützend zur Seite, sodass ich mich während des gesamten Bewerbungs- und Vorbereitungsprozesses sehr gut betreut fühlte.

Anreise und Unterkunft

Ich reiste etwa zwei Wochen vor Semesterbeginn nach Tokio, da ich zu diesem Zeitpunkt bereits in mein Wohnheim einziehen konnte. Bis Anfang August lebte ich im Wohnheim D-Place, einem der neueren Wohnheime der Meiji University. Jede Person verfügt dort über ein eigenes kleines Apartment mit Bad, Kochnische und Waschmaschine. Unter der Woche wird morgens und abends Essen angeboten, das verpflichtend mitgebucht wird. Für den gesamten Zeitraum von etwa fünfeinhalb Monaten zahlte ich insgesamt rund 3.500 Euro. Etwas ungewöhnlich war, dass die Zusage für das Wohnheim bereits vor der offiziellen Universitätszusage erfolgte, was rückblickend der einzige wirklich überraschende Punkt im gesamten Bewerbungsablauf war.

Ein großer Vorteil des Wohnheims war, dass viele bürokratische Schritte gemeinsam organisiert wurden. In den ersten Tagen erhielten wir feste Termine, bei denen uns japanische Studierende mit sehr guten Englischkenntnissen unterstützten. Dadurch war der Einstieg deutlich einfacher, und man kam schnell mit anderen Austauschstudierenden in Kontakt. Im Alltag fiel außerdem auf, wie strikt Müll in Japan getrennt wird. Außerhalb von Konbinis gibt es kaum öffentliche Mülleimer, was anfangs ungewohnt, aber schnell zur Normalität wurde.

Alltag und Leben in Tokio

Die Meiji University verfügt über mehrere Campusse. Der Izumi Campus liegt nur etwa 15 Minuten zu Fuß vom Wohnheim entfernt, allerdings finden dort vor allem Bachelorveranstaltungen statt. Als Masterstudent hatte ich meine Kurse am Surugadai Campus, was einen täglichen Arbeitsweg von etwa einer Stunde bedeutete. Für deutsche Verhältnisse wirkt das zunächst lang, innerhalb Tokios ist dies jedoch völlig normal. Die Züge fahren sehr zuverlässig und in hoher Frequenz, allerdings ist zu beachten, dass zwischen etwa 0:00 und 4:30 Uhr kein Bahnverkehr stattfindet.

Ich lebte in einer Gegend abseits der typischen Touristenviertel, was ich im Laufe der Zeit sehr zu schätzen lernte. Es gab viele kleine Restaurants, und der Alltag wirkte deutlich lokaler. Gleichzeitig wurde mir schnell bewusst, dass Englisch außerhalb touristischer Gegenden kaum verbreitet ist. Mit etwas Japanisch, Übersetzungs-Apps und viel Gestik ließ sich der Alltag dennoch gut bewältigen. Die japanische Bevölkerung erlebte ich durchweg als sehr freundlich, zurückhaltend und hilfsbereit, insbesondere wenn man versuchte, ein paar Worte Japanisch zu sprechen.

Studium an der Meiji University

Ich studiere an der FSU Jena Economics. Da es diesen Studiengang auf Master-Niveau an der Meiji University nicht gibt, belegte ich stattdessen den Studiengang Governance Studies. Im Vergleich zum Studium in Jena empfand ich die Kurse insgesamt als weniger anspruchsvoll. Klausuren sind eher selten, stattdessen fließen mündliche Beteiligung, Präsentationen und kleinere schriftliche Arbeiten stark in die Endnote ein. Die eigentliche Masterarbeit ist hingegen deutlich aufwendiger.

Ein Masterstudium ist in Japan weniger verbreitet, da viele Studierende nach dem Bachelor direkt ins Berufsleben einsteigen. Meine Kommilitoninnen und Kommilitonen kamen überwiegend aus verschiedenen asiatischen Ländern, waren zwischen Ende 20 und 50 Jahre alt und hatten bereits umfangreiche Berufserfahrung. Viele arbeiteten in Ministerien, öffentlichen Verwaltungen oder beim Militär und wurden für den Master freigestellt. Gerade dieser internationale und beruflich geprägte Hintergrund machte den Austausch besonders spannend. Diskussionen über regionale Konflikte, Militärdienst oder politische Systeme waren fester Bestandteil des Studienalltags, und die Professoren förderten diese aktiv.

Insgesamt belegte ich sieben Kurse, darunter einen Online-Japanischkurs und einen Intensivkurs, der am Wochenende stattfand. Durch die flexible Kurswahl musste ich nur an etwa zwei Tagen pro Woche lange an der Universität sein, was mir viel Zeit zum Reisen ließ.

Fushimi Inari Taisha, Kyoto

Foto: Jakob, Uni Jena

Freizeit, Reisen und Leben in Japan

Tokio empfand ich als faszinierend, aber auch überwältigend. Trotz sechs Monaten vor Ort habe ich vermutlich nur einen Bruchteil der Stadt kennengelernt. Viertel wie Shinjuku, Shibuya oder Akihabara sind beeindruckend, wurden mir mit der Zeit jedoch zu laut und zu voll. Besonders geschätzt habe ich es, einfach mit der Bahn in unbekannte Gegenden zu fahren und dort ziellos herumzulaufen.

Ich begann, sogenannte Goshuin, also Tempelstempel, zu sammeln, da ich die Ruhe in Tempeln und in der Natur sehr genoss. Während meines Aufenthalts reiste ich unter anderem nach Kamakura, Osaka, Kyoto, Nara, Hakone, Fujikawaguchiko, Nagano, Matsumoto, Kanazawa, Takayama, Hiroshima und Okinawa sowie nach Seoul und Taipeh. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir Miyajima bei Hiroshima. Während viele Besucher die Insel nur für einen Tagesausflug besuchen, verbrachte ich dort zwei Nächte. Sobald die Fähren am Abend nicht mehr fuhren, wurde es außergewöhnlich ruhig, was zu einer der schönsten Erfahrungen meines gesamten Aufenthalts zählte. Eine weitere besondere Erinnerung war die Besteigung des Mount Fujis.

Auch das Essen verdient eine besondere Erwähnung. Die Qualität und Vielfalt der japanischen Küche empfand ich als herausragend. Von Ramen über Sushi, BBQ und Curry bis hin zu koreanischer oder indischer Küche war nahezu jedes Essen geschmacklich überzeugend. Einschränkend ist jedoch, dass vegetarische Optionen begrenzt sind und veganes Essen kaum verbreitet ist. Sehr empfehlen kann ich zudem Izakayas, traditionelle Lokale, in denen Japaner nach der Arbeit essen und trinken gehen.

Essen

Foto: Jakob, Uni Jena

Herausforderungen

Die größte Herausforderung für mich war die Sprachbarriere sowie die finanzielle Belastung. Ein sechsmonatiger Aufenthalt in Japan, insbesondere mit vielen Reisen, ist kostenintensiv. Dennoch habe ich mich bewusst dazu entschieden, viele Gelegenheiten wahrzunehmen und selten Nein zu sagen – eine Entscheidung, die ich nicht bereut habe. Japan ist ein extrem sicheres Land mit nahezu unbegrenzten Möglichkeiten, wenn man sich darauf einlässt.

Fazit

Mein Auslandssemester in Japan war in jeder Hinsicht ein voller Erfolg. Ich konnte fachlich, persönlich und kulturell enorm profitieren, habe neue Perspektiven gewonnen und viele inspirierende Menschen kennengelernt. Rückblickend hat sich der Aufenthalt sowohl akademisch als auch beruflich gelohnt. Allen, die überlegen, ein Auslandssemester in Japan zu absolvieren, kann ich nur empfehlen, den Schritt zu wagen. Auch wenn es anfangs herausfordernd erscheint, sind die Erfahrungen und Eindrücke einzigartig und unvergesslich.

Bei Fragen stehe ich gerne zur Verfügung. Meine Mailadresse vermittelt das Internationale Büro.