Chung-Ang University
Wintersemester 2025/26
Erfahungsbericht Chung-Ang University
Foto: Helen Cheng, Unsplash
Meldung vom:
Elsa, Soziologie und Psychologie
Ich studiere Soziologie im Hauptfach und Psychologie im Nebenfach und habe das Wintersemester 2025/26 an der Chung-Ang University In Südkorea erfolgreich absolviert. Für das Sommersemester 2026 bin ich weiterhin eingeschrieben. Das erste Auslandssemester in Korea war eine intensive und sehr prägende Zeit, die mich fachlich, aber vor allem persönlich weitergebracht hat.
Ankommen in Seoul und Leben im Dorm 309
Im ersten Semester habe ich im Dorm 309 gewohnt. Beim Einzug ist es sehr wichtig, einen Tuberkulose-Test vorweisen zu können, da man ohne diesen nicht ins Wohnheim gelassen wird. Man bekommt einen Matratzenbezug gestellt, muss sich aber selbst um eine Decke und ein Kissen kümmern. Dafür eignet sich der Daiso in der Nähe der Universität sehr gut. Falls dort alles ausverkauft ist, was bei mir der Fall war, kann ich den Emart Everyday Heukseok-dong Branch empfehlen. Der Eingang befindet sich etwas versteckt im Inneren des Gebäudes direkt neben einem Obsthändler.
Ich würde außerdem empfehlen, am Anreisetag früh zu kommen. Bei mir gab es eine lange Schlange beim Check-in, und zusätzlich fand an diesem Tag die Willkommenszeremonie statt. Später anzukommen hätte zeitlich sehr stressig werden können.
Ich habe in einem Zweierzimmer gewohnt und hatte keinerlei Probleme mit meiner Mitbewohnerin. Wir haben uns sehr gut verstanden. Rückblickend war es die beste Entscheidung, im Wohnheim zu wohnen. Man lebt direkt auf dem Campus, trifft seine Freunde jeden Tag und wohnt sehr günstig. Gerade am Anfang fühlt man sich dadurch schnell eingebunden und es ist jeden Tag etwas los.
Regeln im Wohnheim und Organisation
Das Wohnheim hat jedoch auch strikte Regeln. Dazu gehören regelmäßige Room Desinfections, bei denen man den ganzen Tag das Zimmer verlassen muss. Wenn man dies nicht tut, kann man Minuspunkte bekommen. Außerdem gibt es zu Beginn des Semesters ein verpflichtendes Feueralarm-Training. Um über solche Termine informiert zu sein, hängen auf jedem Stockwerk Aushänge aus. Zusätzlich sollte man unbedingt den offiziellen ausgehangenen Gruppen-Chats beitreten. In diesen schreiben zwar nur Administratoren, dafür informieren sie über wirklich alles Wichtige.
Freundschaften und Student Clubs
Ich habe während meines Aufenthalts sehr viele Freundschaften geschlossen, überwiegend mit internationalen Studierenden. Um auch mit koreanischen Studierenden in Kontakt zu kommen, bieten sich Student Clubs an. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass die Anmeldefristen sehr streng sind. Wenn man diese verpasst, kommt man in der Regel nicht mehr hinein. Man sollte sich daher frühzeitig informieren und bewerben.
Am besten funktioniert das über Instagram. Der offizielle Instagram-Account der Universität heißt chunganguniv. Dort kann man in der Follower-Liste nach Accounts mit „cau“ suchen, über die Anmeldefristen und Bewerbungsabläufe geteilt werden. Allerdings sind nicht alle Clubs ausländerfreundlich. Manche sagen einem direkt, dass man ohne Koreanisch Kenntnisse nicht aufgenommen wird. Sehr offen gegenüber internationalen Studierenden sind zum Beispiel der caukoreaclub oder cauon, ein Running Club.
Studieren an der Chung-Ang University
Für den Studienalltag benötigt man die App Chung Ang Plus. Über diese meldet man sich zur Anwesenheit an, sobald man einen Kursraum betritt. Attendance ist in Korea sehr wichtig, und die Professorinnen und Professoren erklären zu Beginn des Semesters genau, wie viel Prozent sie zur Endnote beiträgt.
Über die App kann man außerdem Plätze in der Bibliothek reservieren. Wichtig ist, den Platz wieder freizugeben, wenn man die Bibliothek verlässt. Andernfalls kann man gesperrt werden und für längere Zeit keinen Platz mehr reservieren, was besonders in der Prüfungsphase sehr problematisch ist, da man immerzu von seinem Platz weggeschickt werden kann.
Das Studiensystem unterscheidet sich deutlich von dem in Deutschland. In Korea gibt es Midterms, aber nicht alle Kurse haben klassische Midterms, manchmal handelt es sich um Essays oder es gibt gar keine Prüfung. Am Ende folgen die Final Exams. Zusätzlich haben manche Kurse Abgaben während des Semesters, die ebenfalls in die Endnote einfließen. Dadurch verteilt sich die Leistung auf mehrere Bestandteile, was das Bestehen der Kurse insgesamt einfacher macht.
Viele Kurse sind eher passiv aufgebaut. Ich habe gelernt, dass Studierende, die während der Vorlesung viele Fragen stellen, schnell als abgehoben wahrgenommen werden. Stattdessen ist es in Korea üblich, nach dem Kurs direkt zur Professorin oder zum Professor zu gehen und dort Fragen zu stellen.
Residence Card und Reisen innerhalb Koreas
Es hat relativ lange gedauert, bis wir unsere Residence Card erhalten haben. Das Semester begann am 1. September, und meine Karte habe ich erst Anfang November bekommen. Gerade in dieser Anfangszeit lohnt es sich, Korea zu erkunden, da du ohne die Karte nicht außerhalb Koreas reisen kannst.
Ich war unter anderem in Sokcho, einer kleinen Stadt mit einem Nationalpark, die sich besonders gut zum Baden eignet, sowie in Jeonju, die ebenfalls wie Gyeongju eine sehr schöne Hanok Village hat. Außerdem war ich in Busan, meiner absoluten Lieblingsstadt, die ich jedem sehr empfehlen kann.
Busan – konkrete Tipps und Orte (NAVER Maps)
In Busan fand ich die Aussicht vom Hwangnyeongsan Observation Deck besonders beeindruckend. Der
Aufstieg dauert etwa 20 Minuten, und die Aussicht war für mich die schönste, die ich bisher in Korea gesehen habe.
Hwangnyeongsan Observation Deck
243-33 Daeyeon-dong, Nam-gu, Busan
https://naver.me/GypXpC0xExterner Link
Die Strände in Busan haben mir ebenfalls sehr gefallen. Der bekannte Haeundae Beach ist schön, aber der Gwanggalli Beach hat mir persönlich besser gefallen. Wir waren an einem Samstagabend dort, an dem die Brücke beleuchtet war und es zusätzlich ein Feuerwerk und eine Drohnenshow gab. Jedes Wochenende werden dort solche Shows veranstaltet. Auch die Gassen rund um den Strand sind sehr lebendig. Vom Gwanggalli Beach aus sind wir anschließend zum Hwangnyeongsan Observation Deck gefahren, da dieser ganz in der Nähe liegt.
Weitere empfehlenswerte Orte in Busan sind:
Busan Gamcheon Culture Village
1-14 Gamcheon-dong, Saha-gu, Busan
https://naver.me/FfWO4IQUExterner Link
Busan BIFF Street
83-2 Nampo-dong 5(o)-ga, Jung-gu, Busan
https://naver.me/FRWvDneCExterner Link
Haeundae Blueline Park
555-2 Jung-dong, Haeundae-gu, Busan
https://naver.me/xagROtybExterner Link
Die bekannten Kapseln im Blueline Park sind zwar relativ teuer, 2 Personen kosteten ungefähr 20€, aber die Fahrt ist sehr schön. In der Nähe eines der Ausgänge gibt es außerdem viele schöne Cafés. Das Café ‚Liberta Cheongsapo Branch‘ war zum Beispiel sehr schön.
Liberta Cheongsapo Branch
524-14 Jung-dong, Haeundae-gu, Busan
https://naver.me/G7ZZ33GNExterner Link
Generell würde ich sehr empfehlen, in Busan Seafood zu essen, da die Stadt dafür besonders bekannt ist.
Sprache, Dating-Kultur und Alltag
Bevor ich nach Korea gekommen bin, habe ich über die App ‚HelloTalk‘ mit Koreaner/innen geschrieben, um die Sprache etwas besser zu lernen. Es ist sehr hilfreich, zumindest ein bisschen Koreanisch zu können, da viele noch nicht sehr gut Englisch sprechen. Über HelloTalk habe ich auch meinen Freund kennengelernt, mit dem ich inzwischen seit fast fünf Monaten zusammen bin.
Wenn man in Vierteln wie Hongdae oder Itaewon feiern geht, lernt man sehr schnell Männer kennen, da viele Koreaner Ausländerinnen als sehr attraktiv empfinden. Trotzdem sollte man vorsichtig sein, da viele, die einen im Club ansprechen, oft nur an One-Night-Stands interessiert sind. Clubs sind in Korea häufig genau dafür ausgelegt, anders als in Deutschland, wo es oft mehr um gemeinsames Feiern mit Freunden geht. Auch ist es nicht unüblich, dass manche Koreaner bereits in einer Beziehung sind und nur nach etwas Spaß suchen.
Ein Vorteil ist, dass Frauen in Clubs meist keinen Eintritt zahlen müssen und häufig Getränke vom Personal bekommen, sodass man nie Geld für Drinks ausgeben muss. Auch an der Universität ist Dating sehr präsent. Zu Beginn des Semesters gibt es oft Stände, bei denen Dating-Spiele organisiert werden. Man schreibt seinen Instagram-Namen auf und jemand anderes zieht ihn zufällig.
Freizeit, Apps und Alltagstipps
Was man in Korea unbedingt ausprobieren sollte, ist ein PC 방, in dem man Computerspiele spielen kann, sowie ein jimjilbang (찜질방), also eine koreanische Sauna. Ich empfehle besonders die Sauna ‚Sparex Good Morning City‘. Außerdem lohnt es sich, Board Game Cafés zu besuchen, in denen man auch Räume mieten kann, um Filme zu schauen oder Nintendo zu spielen.
Was man sich nicht entgehen lassen sollte 부대찌개 (Budae Jjigae), 감자탕 (Gamjatang), 불고기 (Bulgogi), 돼지국밥 (Dwaeji Gukbap) und 닭갈비 (Dakgalbi) gehören definitiv dazu. Auch 치맥 (Chimaek – also Chicken und Bier), Korean BBQ und 떡볶이 (Tteokbokki) sollte man unbedingt probieren, um die koreanische Esskultur wirklich kennenzulernen.
Sehr empfehlen kann ich auch eine Jazz Bar wie ‚Entry55‘, für die man Tickets online kaufen kann. Ein Baseballspiel zu besuchen gehört ebenfalls dazu. Für Attraktionen wie Lotte World lohnt es sich, über die App Klook nach Tickets zu schauen, da diese dort oft günstiger sind.
Für den Alltag habe ich Kakao Taxi genutzt, um nach dem Feiern ein Taxi nach Hause zu nehmen. Coupang ist eine App, über der du Kleidung etc. online bestellen kannst. Nachdem ich meine Residence Card erhalten hatte, habe ich ein kostenloses koreanisches Bankkonto bei der Woori Bank eröffnet, deren Filiale direkt auf dem Campus liegt. Viele Studierende haben alternativ Wise oder Revolut in Korea genutzt.
Weitere Highlights in Seoul
Nicht verpassen sollte man den Namsan Tower, besonders zum Sonnenaufgang, die vielen Hiking-Routen rund um Seoul sowie die beeindruckenden Paläste, bei denen man sich Hanboks ausleihen und in traditioneller Kleidung durch die Anlage spazieren kann. Auch Viertel wie Myeongdong sollte man unbedingt besuchen.
Außerdem haben wir einen Temple Stay gemacht, was eine sehr inspirierende Erfahrung war. Dabei konnten wir das Leben in einem buddhistischen Tempel kennenlernen, an Zeremonien teilnehmen und für kurze Zeit dem hektischen Alltag der Großstadt entfliehen.
Fazit und persönliche Entwicklung
Ein Auslandsjahr zu machen war für mich die beste Entscheidung. Es sieht nicht nur gut im Lebenslauf aus, sondern man lernt unglaublich viele Menschen, sowie Kulturen kennen und verbessert sein Englisch. In einem völlig fremden Land auf einem anderen Kontinent auf sich allein gestellt zu sein, hat mich selbstständiger, stärker und selbstbewusster gemacht.
Als das erste Semester vorbei war, konnte man mit den Freunden, die man kennenlernte, noch in den Ferien viel gemeinsam unternehmen. Ich bin mit Freunden nach China gereist, unter anderem nach Xi’an, Peking, Hongkong und Chongqing. Außerdem habe ich Freunde aus meinem Koreanisch Kurs in Bangkok besucht und später noch Zeit auf Inseln in Thailand verbracht. Dadurch konnte ich das Leben von meinen Freunden vor Ort kennenlernen, lernte ihre Unifreunde kennen und sie zeigten mir gutes Essen, wie z.B. das Dessert Grass Jelly mit Milch und Kakao.
Ich war auch bei einer koreanischen Familie einer Freundin zu Besuch, die sich über meine Freundschaft zu ihr wirklich sehr gefreut haben und ebenfalls ihr Englisch mit mir üben wollten. Wenn man in Seoul unterwegs ist, gab es oft vereinzelte Momente, in denen ältere Menschen etwas länger gestarrt haben, doch das kam nicht zu oft vor und war meist eher Bewunderung als Ablehnung. Viele Koreaner/innen freuen sich sehr über Kontakt, sind aber oft einfach zu schüchtern, den ersten Schritt zu machen. Deswegen seid offen und habt auch den Mut andere anzusprechen, es lohnt sich wirklich.
Ich habe die Kultur Koreas sehr lieben gelernt und kann ein Auslandssemester an der Chung-Ang University nur empfehlen. Ich habe meine Zeit dort sehr geliebt und freue mich auf das kommende Semester. Da ich viel Besuch aus Deutschland erwarten werde, habe ich mich entschieden, in diesem Semester alleine zu wohnen, damit meine Gäste bei mir übernachten können.
Falls noch weitere Fragen offen sind, kann man sich jederzeit an das International Office der Chung-Ang University wenden. Dort bekommt man sehr schnell eine Antwort und zuverlässige Unterstützung.
Bei persönlichen Fragen kann man mich auch gerne direkt kontaktieren. Meine E-Mail-Adresse vermittelt das Internationale Büro.
Alles Gute und ich wünsche einen wunderschönen Aufenthalt in Seoul.