Chung-Ang University
Wintersemester 2025/26
Seoul
Foto: Zequn Gui, Unsplash
- Chung-Ang University
Meldung vom:
Studentin, Bachelor Erziehungswissenschaften
Ich studiere derzeit Erziehungswissenschaft im Bachelorstudiengang an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Im Rahmen meines Studiums absolvierte ich ein Auslandssemester als Austauschstudentin an der Chung-Ang University (Seoul Campus) in Südkorea. Das Auslandssemester fand im Wintersemester meines fünften Fachsemesters statt. Während dieser Zeit ließ ich mich an meiner Heimatuniversität offiziell beurlauben, um mich vollständig auf den Auslandsaufenthalt konzentrieren zu können.
Bewerbungs- und Vorbereitungsphase
Für das Austauschprogramm an der Universität Jena gibt es einen festgelegten Bewerbungszeitraum. Ich habe meine Bewerbung möglichst früh innerhalb dieser Frist eingereicht, um den organisatorischen Prozess zügig abzuschließen. Da ich die koreanische Staatsangehörigkeit besitze, ging ich zunächst davon aus, dass eine Teilnahme möglicherweise nicht möglich sein würde. Umso größer war meine Freude, als ich die Zusage erhielt. Rückblickend bin ich sehr dankbar, dass mir diese Chance gegeben wurde.
Nach der Zusage begann die Vorbereitungsphase, in der unter anderem die Kurswahl, universitäre Formalitäten und die Planung des Aufenthalts organisiert werden mussten. Besonders wichtig war es, sich frühzeitig mit dem koreanischen Universitätssystem vertraut zu machen, da sich dieses in mehreren Punkten vom deutschen System unterscheidet.
Studienzeit und Kurswahl
Mein Studienaufenthalt in Korea dauerte von September 2025 bis Dezember 2025. Die Kursanmeldung an koreanischen Universitäten unterscheidet sich deutlich von der in Deutschland. Austauschstudierende erhalten bereits einige Wochen vor den regulären Studierenden eine eigene Anmeldephase, in der sie ihre Wunschkurse auswählen können.
Im Rahmen meines Studiums belegte ich einen Kurs, der auf Englisch unterrichtet wurde, sowie mehrere Kurse, die vollständig auf Koreanisch stattfanden. Die Teilnahme an koreanischsprachigen Lehrveranstaltungen stellte für mich zwar eine gewisse Herausforderung dar, bot mir jedoch zugleich die Möglichkeit, meine sprachlichen Kompetenzen zu vertiefen und den akademischen Alltag koreanischer Studierender direkt mitzuerleben.
Bei der Kurswahl sollte außerdem unbedingt beachtet werden, dass an koreanischen Universitäten in der Regel Zwischenprüfungen (Midterms) und Abschlussprüfungen (Finals) stattfinden. Zusätzlich kommen häufig Präsentationen, Gruppenarbeiten und regelmäßige Aufgaben hinzu. Daher ist es wichtig, den zeitlichen Aufwand realistisch einzuschätzen und die Kurse entsprechend sorgfältig auszuwählen.
Campusleben und soziale Erfahrungen
Da ich mein Auslandssemester im Winter absolvierte, fanden nur wenige Festivals oder größere Campusveranstaltungen statt. Außerdem bin ich von meiner Persönlichkeit her eher introvertiert. Da ich bereits koreanische Bekannte und Freunde hatte, nahm ich nur selten an internationalen Austauschveranstaltungen teil.
Andere Austauschstudierende berichteten jedoch von verschiedenen internationalen Treffen und studentischen Veranstaltungen, bei denen koreanische Studierende und Austauschstudierende aus vielen unterschiedlichen Ländern zusammenkamen. Diese boten gute Möglichkeiten, neue Kontakte zu knüpfen und sich kulturell auszutauschen. Auch wenn ich selbst solche Angebote nur begrenzt genutzt habe, würde ich zukünftigen Austauschstudierenden empfehlen, aktiv an universitären Treffen teilzunehmen, um das soziale Netzwerk zu erweitern.
Wohnen und Alltag
Während meines Aufenthalts lebte ich nicht im Studentenwohnheim, sondern bei meiner Großmutter. Diese Wohnsituation ermöglichte mir einen authentischen Einblick in den koreanischen Alltag und das Familienleben, was ich als sehr bereichernd empfand.
Der Weg zur Universität war gut organisiert. Ich nutzte die U-Bahn bis zur Station Sangdo und fuhr von dort mit einem Dongjak-Bus zur Universität. Die Busse halten an mehreren Stellen auf dem Campus, unter anderem am Haupteingang, Mitteleingang und Hintereingang, sodass man je nach Vorlesungsgebäude bequem aussteigen kann. Insgesamt war der tägliche Weg gut machbar. Für die Orientierung im Alltag kann ich sehr empfehlen, die App „Naver Map“ auf dem Smartphone zu installieren. Diese funktioniert in Korea ähnlich zuverlässig wie Google Maps in Deutschland und ist besonders hilfreich für die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln.
Praktische Tipps zum Wohnen
Zukünftigen Austauschstudierenden würde ich grundsätzlich empfehlen, sich für einen Platz im Studentenwohnheim der Universität zu bewerben, da dies den Alltag deutlich erleichtert und Wege verkürzt.
Falls man sich jedoch entscheidet, außerhalb des Campus zu wohnen, sollte man sich nicht über den starken Andrang in öffentlichen Verkehrsmitteln wundern. Besonders morgens zur Hauptverkehrszeit sowie abends zur Feierabendzeit sind U-Bahnen und Busse sehr voll, da viele Berufstätige unterwegs sind. Wenn man diese Stoßzeiten möglichst vermeidet, ist der tägliche Weg zur Universität jedoch gut zu bewältigen.
Persönliche Empfehlungen
Rückblickend kann ich zukünftigen Austauschstudierenden folgende Empfehlungen geben:
- An universitären Aktivitäten und Treffen teilnehmen, um neue Freundschaften zu schließen
- Offen auf andere Studierende zugehen, sowohl koreanische als auch internationale
- Die Zeit in Korea nutzen, um verschiedene Regionen des Landes zu bereisen
Auch wenn ich selbst eher zurückhaltend war, sehe ich im Nachhinein, wie wertvoll solche Erfahrungen für die persönliche Entwicklung sein können.
Fazit
Mein Auslandssemester an der Chung-Ang University war insgesamt eine sehr bereichernde Erfahrung. Trotz anfänglicher Unsicherheiten im Bewerbungsprozess und organisatorischer Herausforderungen konnte ich viele positive Eindrücke sammeln. Sowohl akademisch als auch persönlich war der Aufenthalt eine wertvolle Ergänzung zu meinem Studium. Ich bin dankbar für diese Gelegenheit und kann ein Auslandssemester an der Chung-Ang University sehr empfehlen.