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Meldung vom: | Verfasser/in: Andreas Christoph, Christine Römermann
Heute (15. Januar 2026) haben der Thüringer Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur Christian Tischner, der Thüringer Wissenschafts-Staatssekretär Prof. Dr. Steffen Teichert, der Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung Prof. Dr. Klement Tockner und der Präsident der Friedrich-Schiller-Universität Jena Prof. Dr. Andreas Marx Einblicke in das Digitalisierungsprojekt BOTANICA erhalten. In der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek (ThULB) stellten Bibliotheksdirektor Dr. Andreas Klinger und die Leiterin des Senckenberg Instituts für Pflanzenvielfalt Jena (SIP) Prof. Dr. Christine Römermann den Projektkontext vor. Beim anschließenden Besuch des Herbariums Haussknecht haben die Teilnehmenden über Inhalte, Ziele und Perspektiven der sammlungsbezogenen Biodiversitätsforschung am SIP Jena diskutiert.
BOTANICA ist ein Gemeinschaftsprojekt von ThULB und SIP Jena, eingebunden in den Forschungsstandort Jena: Ziel ist die vollständige Digitalisierung des historischen botanischen Buchbestands der Stiftung Herbarium Haussknecht. Rund 12.500 Titel aus dem 16. bis zum frühen 20. Jahrhundert werden mit moderner Scantechnik erfasst, per Texterkennung (OCR) durchsuchbar gemacht und weltweit online zugänglich. Das Projekt wird im Zeitraum von 2025 bis 2028 durch das Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur mit 950.000 Euro gefördert.
Digitaler Zugang zu einem botanischen Gedächtnis über Jahrhunderte
»Historische Literatur und Pflanzenbelege sind Archive, die uns viel über den Biodiversitätswandel im letzten Jahrhundert verraten. Durch Digitalisierung und Integration der verschiedenen Datenquellen entstehen Forschungsressourcen, die neue Vergleiche über lange Zeiträume ermöglichen, etwa um den Biodiversitätswandel besser zu verstehen«, sagt Prof. Dr. Christine Römermann, Professorin für Biodiversität der Pflanzen der Uni Jena und Leiterin des SIP Jena.
Seit Projektstart im Herbst 2025 hat das Team spezialisierte Scantechnik beschafft und in Betrieb genommen, darunter Scanner mit buchschonenden Halterungen sowie ein Großformatscanner für Tafeln und Pläne. BOTANICA setzt auf hochwertige Digitalisierung mit offenen Standards und barrierearmen Zugängen: Die historischen Quellen werden nicht nur als Bilder bereitgestellt, sondern als zitierfähige, maschinenlesbare und durchsuchbare Ressourcen aufbereitet. Damit schafft das Projekt eine zusätzliche Grundlage für die internationale Biodiversitätsforschung, etwa indem historische Fundorte, Pflanzennamen und Angaben zu den sammelnden Personen systematisch auswertbar werden. Für die Universität Jena und ihre Partnereinrichtungen eröffnet das Projekt neue Möglichkeiten, historische Quellen stärker in Forschung, Lehre und Transfer einzubinden.
»Die Aufbauleistungen des neu gegründeten Senckenberg Instituts hier in Jena sind beeindruckend. Es freut mich sehr, dass wir die Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek mit Landesmitteln von knapp einer Million Euro bei der Digitalisierung des historisch bedeutsamen Buch- und Zeitschriftenbestands des Herbariums Haussknecht unterstützen konnten«, betont Wissenschaftsminister Christian Tischner. »Damit machen wir wertvolles Wissen nicht nur für die internationale Forschung nutzbar, sondern öffnen diesen Schatz erstmals für eine breite Öffentlichkeit.«
»BOTANICA öffnet ein botanisches Gedächtnis über Jahrhunderte. Wir verwandeln historisches Wissen in ein offenes, digitales Wissenssystem, damit es weltweit nutzbar wird: für Forschung, für Bildung und für eine Öffentlichkeit, die verstehen will, wie sich unsere Umwelt verändert«, sagt Dr. Andreas Christoph, Projektleiter BOTANICA und zuständig für digitales Kultur- und Sammlungsmanagement an der ThULB.
Gesellschaftliche Teilhabe als Teil des Workflows
Bei der Digitalisierung unterstützt ein Team des Saale-Betreuungswerks der Lebenshilfe Jena. Gemeinsam wurden Workflow, Qualitätsroutinen und das weitere Vorgehen festgelegt. Die Zusammenarbeit verbindet Professionalität mit gesellschaftlicher Teilhabe und umfasst Qualifizierung sowie fachliche Anleitung.
»Wir arbeiten mit einer klaren, reproduzierbaren Prozesskette: konservatorisch schonende Digitalisierung, standardisierte Qualitätskontrollen, OCR und Erschließung nach etablierten Metadatenstandards. So werden die Digitalisate nicht nur lesbar, sondern systematisch auswertbar und interoperabel«, betont Projektkoordinatorin Dr. Kathrin Polenz.
»Das Projekt BOTANICA zeigt eindrucksvoll, dass sich die ThULB mit ihren seit Jahren systematisch ausgebauten Digitalisierungskompetenzen erneut als leistungsfähige Informationsinfrastruktur erweist«, unterstreicht Dr. Andreas Klinger, Direktor der ThULB.
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