Eine Gedenktafel erinnert am Haus Kahlaische Straße 1 an rassekundliche Institute, die während der NS-Zeit dort ihren Sitz hatten.

Ein Zeichen gegen das Vergessen

Gedenktafel erinnert an nationalsozialistische „Rassenlehre“ an der Universität Jena
Eine Gedenktafel erinnert am Haus Kahlaische Straße 1 an rassekundliche Institute, die während der NS-Zeit dort ihren Sitz hatten.
Foto: Nicole Nerger (Universität Jena)
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Meldung vom: | Verfasser/in: Katja B. Bär

Am 27. Mai 2026 wurde an der Kahlaischen Straße 1 in Jena eine Gedenktafel enthüllt, die an die Rolle des Gebäudes und der Friedrich-Schiller-Universität Jena im Kontext der nationalsozialistischen »Rassenlehre« erinnert. 

Die Mahn- und Gedenktafel ist Ergebnis einer Aktion der UniverSaale im Rahmen des letztjährigen »Klangs der Stolpersteine« und verfolgt neben Demokratiebildung das Ziel, historische Bildungsarbeit sichtbar in den öffentlichen Raum zu tragen. Die Tafel wurde von Schülerinnen und Schülern der UniverSaale erarbeitet und wissenschaftlich begleitet von apl. Prof. Dr. Uwe Hoßfeld.

Zentrale Funktionen der pseudowissenschaftlichen Rassenforschung

Das Gebäude befand sich seit 1912 im Besitz der jüdischen Kaufmannsfamilie Behrendt. Während der Zeit des Nationalsozialismus waren dort mehrere Institute untergebracht, die zentrale Funktionen innerhalb der pseudowissenschaftlichen Rassenforschung und Rassenpolitik innehatten. Dazu gehörten das »Institut für menschliche Erbforschung und Rassenpolitik« unter Karl Astel und Lothar Stengel von Rutkowski, das »Institut für allgemeine Biologie und Anthropogenie« unter Gerhard Heberer sowie das »Institut für Rasse und Recht« unter Falk Ruttke.

Die auf der Tafel genannten Wissenschaftler gehörten gemeinsam mit weiteren Vertretern der sogenannten »Rassen-Quadriga« an, die die Universität Jena im Nationalsozialismus zu einem zentralen Standort der Rassenkunde und Rassenhygiene machten. Die dort entwickelten und verbreiteten Theorien dienten der pseudowissenschaftlichen Legitimation von Ausgrenzung, Entrechtung und schließlich den nationalsozialistischen Massenverbrechen.

Für eine kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte 

Mit der Anbringung der Gedenktafel setzen die beteiligten Schülerinnen und Schüler ein Zeichen gegen das Vergessen und für eine kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte der Universität und ihrer Wissenschaftler im Nationalsozialismus. Zugleich erinnert die Tafel an die Verantwortung von Wissenschaft und Gesellschaft gegenüber menschenverachtenden Ideologien.