Profillinie LIFE: weitere Forschungsbeispiele
Forschung zu Geschlecht und Gender wird im Rahmen des Projekts "Gender in Focus" sichtbarer gemacht und gefördert.
- Life
Diese Seite informiert über gender- und geschlechtersensible Forschung in den Lebenswissenschaften an der Universität Jena.
Blick auf eine 96-Well Platte einer Proteinbestimmung mit absteigender Proteinkonzentration am Institut für Ernährungswissenschaften an der Universität Jena
Foto: Jens Meyer (Universität Jena)
Zahlreiche Fördermittelgeber wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFGExterner Link) und europäische Förderlinien wie Horizon EuropeExterner Link legen besonderen Wert auf die Berücksichtigung von Genderaspekten in der Forschung. Mit dieser Bezeichnung werden sowohl Chancengleichheit in Forschungsprojekten als auch die durchgängige Berücksichtigung von Gender im Forschungszyklus zusammengefasst.
Die Universität Jena hat in der Satzung zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxispdf, 338 kb festgelegt, dass wissenschaftlich Tätige zu bedenken haben, "ob und inwiefern Geschlecht und Diversität für das Forschungsvorhaben bedeutsam sein können" (§8, Absatz 3).
Die DFG informiert auf ihren Seiten über die Relevanz von Geschlecht und Diversität in der ForschungExterner Link, gibt zur Orientierung weitere fachspezifische Beispiele und stellt eine Checkliste für AntragstellendeExterner Link zur Verfügung.
Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) bietet regelmäßig informative Workshops zum Thema "Gender Dimension in Research"Externer Link an.
Für die internationale Perspektive ist die Initiative "Gendered Innovations"Externer Link an der Stanford University (USA) einschlägig. Hier finden Sie neben Hinweisen zu grundlegenden Konzepten und Methoden auch vielfältige Beispiele und Fallstudien aus verschiedensten Forschungsbereichen.
Prof. Oliver Werz forscht in der Pharmazeutischen Chemie an der Universität Jena zu Entzündungsprozessen im menschlichen Körper. Dabei konnte er bereits 2005 nachweisen, dass es zentrale Geschlechtsunterschiede zwischen Männern und Frauen gibt.
Wir sprechen mit Oliver Werz u.a. darüber, warum die Entwicklung von Medikamenten eingestellt wurde, die spezifisch bei Frauen gewirkt hätten, was es mit dem Männerschnupfen wirklich auf sich hat und warum Impfstoffe besser bei Frauen wirken.
Dr. Ngoc Dong Nhi Vo und Jonas Ihle forschen zur alternden und zur diabetischen Niere am Universitätsklinikum Jena unter der Leitung von PD Dr. Ivonne Löffler. Im Gespräch erzählen sie, welchen Herausforderungen sie sich in ihrer Grundlagenforschung im Labor stellen, warum das Geschlecht in ihrer Forschung mitgedacht wird, wie wichtig Teamwork ist und was sie an ihrer Arbeit besonders mögen.
Ivonne Löffler ist habilitierte Biologin und arbeitet am Nephrologischen Forschungslabor im Universitätsklinikum Jena. In ihrer Grundlagenforschung zu Nierenerkrankungen arbeitet sie an Mäusen und stellte durch einen Zufall fest, dass ihre Experimente getrennt nach männlichen und weiblichen Versuchstieren zu erstaunlichen Ergebnissen führten.
Titel
Geschlechtsabhängige Regulation von MORG1 in Bezug auf Alter, Diabetes und Kastration
Zugehörigkeit
Nephrologisches Forschungslabor / AG Löffler, Klinik für Innere Medizin III, Universitätsklinikum Jena
Zusammenfassung
Chronische Nierenerkrankungen (CKD) zeigen deutliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen – sowohl in Häufigkeit, Verlauf als auch im Zugang zur Behandlung. Besonders bei der diabetischen Nephropathie (DN), einer häufigen Folge des Typ-2-Diabetes und weltweit führenden Ursache für Nierenversagen im Endstadium, spielen Geschlecht und Alter eine wichtige Rolle. Frauen haben eine höhere CKD-Prävalenz, werden aber seltener diagnostiziert oder behandelt, obwohl sie vergleichbare Risikofaktoren aufweisen.
Das Projekt untersucht den molekularen Einfluss des Proteins MORG1 (Mitogen-activated protein kinase organizer 1), das in zentrale Signalwege der Entzündungs- und Fibroseentstehung eingebunden ist. Frühere Arbeiten zeigten, dass eine verringerte MORG1-Expression die Nierenschädigung bei Diabetes deutlich abschwächt. Aufbauend darauf analysiert das Vorhaben, wie Geschlecht, Alter und Sexualhormone die MORG1-Expression und die Nierenfunktion beeinflussen.
Ziel ist es, geschlechtsspezifische Unterschiede in den Krankheitsmechanismen der DN auf molekularer Ebene zu verstehen und daraus langfristig neue, individualisierte Therapieansätze abzuleiten.
Titel
Podcast-Reihe "Youth Gender Distress: Perspektiven auf Geschlechtsdysphorie bei Kindern und Jugendlichen"
Zugehörigkeit
Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychosomatik und -psychotherapie, Medizinische Fakultät
Zusammenfassung
Die Thematik einer Geschlechtsdysphorie im Kindes- und Jugendalter hat in den letzten Jahren vermehrt Aufmerksamkeit in Fachkreisen wie auch in der Öffentlichkeit gefunden. Mit Blick auf die Vulnerabilität betroffener minderjähriger Personen, aber auch im Hinblick auf eine ggf. begleitende Psychopathologie steht das Gebiet der Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie vor besonderen Herausforderungen. Eine wichtige Frage zum Beispiel ist, was mit dem Begriff "Gender" im Kindes- und Jugendalter genau gemeint ist, und wie sich dieser Terminus bzw. seine Bedeutung von anderen Aspekten der Persönlichkeit abgrenzt und im Entwicklungsverlauf Veränderungen unterliegen kann.
Ziel des Projekts ist die Entwicklung, Produktion und Veröffentlichung einer mehrteiligen Podcast-Reihe, die sich mit dem Phänomen der Geschlechtsdysphorie (bzw. "Youth Gender Distress") bei Kindern und Jugendlichen beschäftigt. Dabei sollen wissenschaftliche Perspektiven aus Ethik, Medizin, Psychologie und Soziologie für eine breite Öffentlichkeit verständlich aufbereitet werden. Der Podcast soll zur Aufklärung, Differenzierung und Versachlichung einer in manchen Fällen emotional aufgeladenen Thematik beitragen.
Titel
Geschlechtsspezifische Mechanismen der MASLD-Progression: Interaktionen von Steatose, Entzündung und Leberfunktion
Zugehörigkeit
Fakultät für Biowissenschaften, Institut für Ernährungswissenschaften, Lehrstuhl für Biochemie und Physiologie der Ernährung
Zusammenfassung
Die metabolisch dysfunktionsassoziierte steatotische Lebererkrankung (MASLD) zählt zu den häufigsten chronischen Lebererkrankungen weltweit und tritt insbesondere bei Menschen mit metabolischen Risikofaktoren auf. Klinische und experimentelle Daten zeigen deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede: Männer erkranken häufiger und schwerer, während Östrogen offenbar eine schützende Wirkung entfaltet.
Ziel des Projekts ist es, die biologischen Mechanismen dieser Unterschiede systematisch zu untersuchen.
Hierfür werden männliche und weibliche Apolipoprotein-E-defiziente Mäuse sowie daraus isolierte Leber- und Immunzellen verglichen. Analysiert werden unter anderem Steatose, Entzündung, Stoffwechselstörungen, Leberfunktion sowie die Regulation entzündungsfördernder Lipidmediatoren. Besonderes Augenmerk liegt auf der Frage, wie sich das biologische Geschlecht auf Krankheitsverlauf, Leberstoffwechsel und entzündungshemmende Schutzmechanismen auswirkt.
Die Ergebnisse sollen zum besseren Verständnis der MASLD-Pathogenese beitragen und langfristig die Grundlage für geschlechtersensible Präventions-, Ernährungs- und Therapiestrategien schaffen. Die systematische Berücksichtigung des biologischen Geschlechts ist dabei entscheidend für die wissenschaftliche Aussagekraft und die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf den Menschen.
Kontakt
Dr. Maria Witt-Wallert
Tel: 03641 9 49726
https://www.bce.uni-jena.de