China verstehen - Literatur aus China

Was empfehlen chinesische Intellektuelle, um China zu verstehen

"Mit China reden, nicht über China reden!" ist eine Devise, wenn es über Chinakompetenzen geht. Häufig tauschen wir uns in englischer und deutscher Sprache über China aus, selten mit ChinesInnen und im Dialog mit ChinesInnen. 

Der unabhängige Kurator Arthur Tarnowski hat chinesische Wissenschaftler:innen, Autor:innen und Zivilgesellschaftsvertreter:innen gebeten, je ein Buch zu nennen, das ihr eigenes Verständnis Chinas geprägt hat – von Politik über Literatur bis Geschichte. Entstanden ist eine Sammlung kurzer, persönlicher Empfehlungen, die von Reportage-Literatur über Memoiren von ExilantInnen bis zu Science-Fiction reicht.

Einige der genannten Werke liegen bereits auf Englisch oder Deutsch vor, etwa Liu Cixins Die drei Sonnen oder Peter Hesslers Andere Flüsse; viele akademische Titel sind bislang nur auf Chinesisch zugänglich.

Die empfehlenden Personen stammen vorwiegend aus der Wissenschaft, es sind aber auch Literaturempfehlungen von Personen aus Kunst und Literatur dabei. Zu jeder Empfehlung gibt es jeweils einen kurzen Text geschrieben, warum das Buch für sie und ihr Verständnis der eigenen Kultur und des eigenen Landes wichtig ist.

  • Liang Hongs Dorf-Reportagen wird zweimal genannt und rücken die von der Urbanisierung abgehängte Landbevölkerung in den Fokus.
  • Gao Wenqians Enthüllungsbiografie über Zhou Enlai sowie Qin Huis feministische Gesellschaftskritik zeigen eine kritisch-reflexive Distanz zur Parteigeschichte.
  • Ge Zhaoguangs Was ist China? und Zhang Yongles 1911–1917 hinterfragen den chinesischen Nationalstaatsbegriff historisch-differenziert.
  • Die Exil-/Taiwan-Memoiren (Chi Pang-yuan, Nieh Hualing) bringen eine Bürgerkriegs- und Diaspora-Perspektive ein.
  • Daneben stehen eher "neutrale" bzw. staatsnahe Titel (Timothy Heaths Analyse der KP-Regierungslogik, Colin Hawes zu Unternehmensstrukturen) sowie mit Liu Cixins Drei Sonnen ein "populärkultureller Ausreißer".

Insgesamt wirkt die Sammlung damit weniger wie eine Bestätigung offizieller Narrative, sondern eher wie ein Versuch, differenzierte, teils kritische innerchinesische und chinesisch-diasporische Sichtweisen sichtbar zu machen. 

Wer verstehen will, wie China sich selbst liest, sollte sich die Seite Well Read on ChinaExterner Link ansehen.