Genova/ Genua, Italien (DAS/ national)
Lesen Sie hier Erfahrungsberichte aus Genova, Italien
Deutsche Schule Genua, Italien (Sport/ Deutsch)
Blick auf die Stadt Genua und das Meer
Foto: Aus dem ErfahrungsberichtZeitraum: Februar 2026 - Juni 2026 (SoSe 2026) | Schulinfos: hierExterner Link
Vorbereitung des Auslandspraktikums
Der Erstkontakt mit der Schule erfolgte durch meine Initiativbewerbung Ende Oktober 2024, eigentlich für das Wintersemester 25/26. Jedoch nimmt die Schule, aufgrund ihrer Größe, nur eine/n Praktikant/in pro Fach auf, dieser Platz war im Fach Sport leider schon belegt. Jedoch wurde mir vom Praktikumskoordinator der Schule direkt ein Platz für das Sommersemester angeboten.
Die Schule benötigte keine besonderen Dokument wie zum Beispiel ein Führungszeugnis. Jedoch ist für das Leben vor Ort eine italienische Steuernummer (codice fiscale) fast unumgänglich. Den kann man ganz einfach bei der Italienischen Botschaft per Mail beantragen. Bei mir hat die Ausstellung nur wenige Tage gedauert, von anderen Praktikant/innen weiß ich aber, dass sie mehrere Wochen gewartet haben. Also lieber rechtzeitig drum kümmern. Den Codice Fiscale benötigt ihr unter anderem, um Mietverträge zu schließen oder ein Monatsticket für die Öffis zu beantragen.
Meine Reisekrankenversicherung und Haftpflichtversicherung habe ich beim DAAD abgeschlossen, das ist eine Kombiversicherung und extra auf solche Praktika ausgelegt.
Angereist bin ich nach Genua mit Mitfahrgelegenheiten, das wird vom Erasmus+ Programm als „Green Travel“ unterstützt. Durch das Erasmus+ Programm habe ich mir den Auslandsaufenthalt unter anderem finanziert. Die anderen Praktikant/innen sind allesamt mit dem Flugzeug angereist. Allerdings hat Genua nur einen sehr kleinen Flughafen und wird deswegen nur sehr sporadisch von Deutschland aus angeflogen, das spiegelt sich dann auch in den Preisen wider.
Angekommen bin ich in Genua vier Tage vor Unterrichtsbeginn, was ich als völlig ausreichend empfunden habe.
Was in euren Koffern auf gar keinen Fall fehlen darf, ist ein Regenschirm. Ob in den Frühlingsmonaten, um plötzlichen Starkregen abzuhalten oder im Sommer als Sonnenschirm. Ein echter Alleskönner.
Thema Sprachkurs. Ich habe in Jena einen Italienisch Sprachkurs angefangen, diesen aber sehr stiefmütterlich behandelt. Angekommen in Genua habe ich das anfangs ein bisschen bereut aber mit der Zeit lernt man einfach aus alltäglichen Situationen. Am Ende der vier Monate konnte ich einfache Gespräche führen und den meisten Gesprächen folgen (liegt aber womöglich auch an Sprachkenntnissen, die ich in Spanisch und Französisch habe). Ich würde also behaupten es geht auch ohne Sprachkurs, learning by doing ist sowieso lustiger und es bleibt mehr hängen.
Unterkunft
Gewohnt habe ich in einer 4er WG in der Via Balbi direkt in der Nähe des Hauptbahnhofs. Die Lage war wirklich klasse. Ich war zu Fuß schnell in der Altstadt und mit dem Rad (Achtung Lebensgefahr) auch innerhalb von 15 Minuten in der Schule. Vermittelt wird die Wohnung von einer Maklerin, die vermietet hauptsächlich an Erasmus Studierende. Weitergeleitet wurde der Kontakt von meinem Praktikumskoordinator. Aber Achtung, mit dieser Dame machen viele Leute ganz unterschiedliche Erfahrungen. Von alles ist super bis hin zu wirklich fragwürdigem Verhalten habe ich alles gehört. Bezahlt habe ich für das Zimmer mit Nebenkosten knapp 450€. Das ist okay würde ich sagen, liegt aber weit über dem, was Einheimische (auf eine ganze Wohnung hochgerechnet) bezahlen. Apps die ich außerdem empfehlen kann, sind Idealista und Spotahome, darüber haben andere Erasmus Studierende Eohnungen gefunden.
Finanzen
Finanziert habe ich meinen Auslandsaufenthalt mit der Erasmus+ Förderung. Da habe ich monatlich knapp 700€ bekommen. Ohne weitere finanzielle Unterstützung von zu Hause wäre mir das persönlich aber zu wenig gewesen. Das Leben in Norditalien ist, im Vergleich zu Süditalien, ähnlich teuer wie hier in Deutschland.
Von der Schule aus habe ich das Angebot bekommen, Nachhilfe zu geben (Gegen Vergütung; Stundenlohn wird mit den Familien ausgehandelt). Das habe ich allerdings ausgeschlagen. Ich war mit Unterrichtsvorbereitung, Uni Abgaben und Leben genießen ausreichend eingespannt.
Ansonsten ist noch zu sagen, dass man in Genua wirklich alles mit Karte zahlen konnte, selbst beim kleinsten Bäcker gab es ein Kartenlesegerät.
Leben an der Schule
An der Schule hat sich die ersten Tage vor allem der Praktikumskoordinator um mich gekümmert. Ich habe vorgefertigte Stundenpläne für die erste Woche bekommen, eine Führung durch die Schule und vor allem ein gutes Gefühl.
Danach habe ich mir meinen Stundenplan nach meinen Vorstellungen und Vorgaben der Uni selbst zusammengebaut und dies mit den entsprechenden Lehrer/innen abgeklärt. Der Umgang im Kollegium war immer sehr wertschätzend und unterstützend. Ich habe mich sehr aufgehoben gefühlt. Außerdem bin ich der Meinung, dass der Großteil meines Kollegiums in jeglicher Hinsicht kompetent war, und ich mir viele hilfreiche Dinge abschauen konnte. Nichtsdestotrotz geht es an der Schule immer mal recht chaotisch zu, da wächst man aber rein.
Die Schule ist insgesamt recht klein. Von Klasse 5-8 wird zweizügig unterrichtet (Klassenstärke ca. 17 Personen). Ab Klasse 9 wird zusammengelegt, weil Ende der achten Klasse oft nochmal vermehrt Schüler/innen abgehen. Nach der achten Klasse ist die Wiedereingliederung in das italienische Schulsystem noch am einfachsten. Dann sprechen wir also logischer weise auch von größeren Klassen (25-30 Schüler/innen).
Technisch war die Schule okay ausgestattet. Es gab in jedem Klassenraum eine normale Tafel und ein White Board mit Projektor. Für jede Etage des Gymnasiums gab es einen „Tabletwagen“ (etwas mehr als ein Klassensatz), den man sich vorher reservieren musste. Zum Ende des Schuljahres gab es aber den Plan, auf Apple TV umzusteigen.
Des Weiteren möchte ich eine „Warnung“ an alle Sportstudierenden aussprechen. Die Sporthalle befindet sich nicht in/ an der Schule sondern ist circa 15 Minuten Fußmarsch (oneway) entfernt. Ergo gehen von einer Doppelstunde Sport mindestens 30 Minuten ab. Hinzukommt, dass die Halle leider nur sehr sporadisch ausgestattet ist. Es gibt weder ordentliche Bänke, Hocker oder Matten. Ein Bewegungsbereich wie Turnen ist also zum Beispiel gar nicht durchführbar. Aber wenn man eins an der Schule lernt im Bereich Sportunterricht, dann ist es auf jeden Fall Improvisieren ;).
Freizeit
Genua ist eine wirklich tolle und geschichtsträchtige Stadt. Nichtsdestotrotz ist der Altstadtkern sehr klein und konzentriert. Man muss sich nach einiger Zeit wirklich dazu „zwingen“ neue Wege zu gehen und mal ein neues Restaurant/Bar/Café auszuprobieren. Aber keine Sorge, dafür gibt es in den kleinen verwinkelten Gassen wirklich genug Möglichkeit zu.
Apropos Essen, Genua ist im Italienischen „Genova“ und das Wort könnte uns Studis eigentlich nicht bekannter sein, von hier stammt nämlich das Pesto genovese! Aber bitte vergesst, was und Barilla und Co. uns hier in Deutschland andreht. Frisches Pesto spielt dort wirklich in einer ganz anderen Liga! Außerdem ist Genua bekannt für Focaccia. Egal ob typisch mit Käse, ohne alles oder mit Pizza ähnlichen Belägen, die Genueser/innen sieht man damit zu jeder Tageszeit durch die Gegend rennen. Generell gilt: Probiert so viel es geht, ihr werdet es nicht bereuen.
Was übrigens ein riesiger Pluspunkt für alle ist, die gerne mal vergessen welcher Wochentag ist und Sonntags vor verschlossenen Supermarkttüren stehen: Italien kennt kein Wochenende und keine Feiertage. Alles hat immer auf (an Wochenenden und Feiertagen manchmal mit Siesta).
Abgesehen vom Essen ist Genua noch für zwei Dinge bekannt: das riesige Meeresaquarium und die Oper. Als Begleitung bei einem Schulausflug, konnte ich einen Teil des Aquariums sehen und muss sagen, dass es mir gar nicht gefallen hat. Ich stehe Aquarien und Zoos aber auch sehr kritisch gegenüber, für mich ist das nichts. Die Oper wiederum ein absolutes Highlight! Die Geburtsstadt von Puccini ist nur einen Steinwurf von Genua entfernt weshalb oft seine Stücke aufgeführt werden. Die Oper zählt zu einer der besten Italiens und ist sowohl von außen als auch von innen sehr imposant. Für Personen unter 30 Jahren gilt übrigens ein Festpreis von 27€, egal in welcher Preiskategorie man sitzen möchte ;)
Etwa 20 Minuten entfernt von Genuas Stadtkern beginnen dann die ersten wunderschönen Strände mit glasklarem Meer.
Nicht zu vergessen sind natürlich auch die Cinque Terre. Egal ob man sie zu Fuß erwandert oder mit dem Zug abfährt, sie sind wirklich eine Reise wert. Aber man muss sich auch im Klaren sein, dass das der Touristen Hot Spot der Region Ligurien ist, also am besten vor Saisonbeginn (vor Ostern) oder nach Saisonende (ab September) besuchen. Sonst ist es einfach zu voll und zu warm!
Eine andere tolle Wanderung geht von Camogli nach San Fruttuoso, etwas anspruchsvoll aber deswegen seid ihr auch fast alleine unterwegs. Endstation ist ein kleiner Ort, der ausschließlich aus einem Kloster besteht. Das Kloster liegt direkt am glasklaren Wasser eingeschlossen von hohen Felsen. Zurück geht’s dann mit der Fähre nach Camogli und am Hafen wartet unfassbar leckeres Eis.
Ein wichtiger Fakt für alle Sporttreibenden ist, dass Sportangebote sehr begrenzt und teuer sind. Außerdem braucht man, um sich in einem Verein/ Fitnessstudio etc. anmelden zu können eine Bescheinigung vom Arzt, dass man „sporttauglich“ ist.
Allgemein
Ich kann nur nochmal sagen, wie wunderschön Genua und das Leben dort ist. Es herrscht einfach eine andere Mentalität und Lebensqualität. In 20 Minuten bin ich am Meer und zwei Stunden später stehe ich auf einem Gipfel in den Alpen. Das Wetter ist (meistens) gut, das Essen ist toll und die Menschen herzlich und hilfsbereit.
Genua ist vielleicht keine Liebe auf den ersten Blick aber dafür eine fürs Leben.
Für Insider Tipps (vor allem Essen und Wanderungen) und sonstige Fragen, meldet euch gerne ☺.
Viele weitere Eindrücke von der Deutschen Auslandsschule Genua sind im folgenden Erfahrungsberichtpdf, 2 mb zu finden.
Liceo Statale Piero Gobetti Genova, Italien (Geschichte/ Deutsch)
Hafen von Genua
Foto: Aus dem ErfahrungsberichtZeitraum: Januar 2022 - Juni 2022 (SoSe 2022) | Schulinfos: hierExterner Link
Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes
Ich wusste schon frühzeitig, dass ich mein Praxissemester mindestens im Ausland, aber am liebsten in Italien durchführen wollte. Demnach bewarb ich mich breitgefächert an verschiedenen Gymnasien des Landes. Ich konzentrierte mich vor allem auf die Suche eines Liceo Linguistico, um sicherzustellen, dass an der Schule auch Deutsch unterrichtet wird. Meine Bewerbungen verschickte ich anderthalb Jahre vor Beginn des Praxissemesters und erhielt nach circa zwei Monaten die ersten Rückmeldungen. Genua zog ich von Beginn an in Betracht, da ich wusste, dass Studentinnen der FSU bereits an der Deutschen Schule Genua ihr Praxissemester absolviert hatten. Somit hatte ich eine Verbindung zur Stadt und freute mich besonders über die Zusage des Liceo Gobetti Genova. Seit Oktober 2020 stand ich mit der Schulleiterin in Kontakt und hielt sie über die Planung des Praxissemesters und meine bürokratischen Fortschritte, Bewerbungen für Stipendien etc. auf dem Laufenden.
Für besonders wichtig halte ich die Bewerbung um ein Stipendium, um sich die Zeit finanziell etwas zu erleichtern und außerhalb der schulischen und universitären Pflichten die kulinarischen und kulturellen Besonderheiten des Landes und der Region genießen zu können. Hierbei sollte man vor allem darauf achten, ob und wenn ja, welche Versicherungen enthalten sind. Sollten keine Versicherungen enthalten sein, sollte man sich definitiv informieren, welche für einen längeren Auslandsaufenthalt sinnvoll sind, bzw. ob die deutschen Versicherungen eventuell einen Auslandsaufenthalt mit einbeziehen.
In Italien ist vor allem der Codice Fiscale, der persönliche Steuercode, essenziell. Man kann ohne ihn keinen Vertrag abschließen und auch für größere Anschaffungen ist er wichtig. Darunter fällt auch der Abschluss eines Mietvertrages für den Zeitraum des Aufenthalts. Hierzu wendet man sich am besten an die italienische Botschaft in Berlin, deren Mitarbeiter dieses Anliegen zügig und freundlich bearbeiten.
Durch den Erhalt eines Stipendiums musste ich mich nicht weiter um eine zusätzliche Versicherung kümmern, da diese inbegriffen waren.
Ich habe den Weg nach Genua mit dem Flugzeug angetreten, wobei ich nur bis Mailand geflogen und von dort aus mit dem Zug nach Genua gefahren bin. Der Flughafen in Genua ist für das Inland zwar wichtig, jedoch sind die Verbindungen ins Ausland unpraktisch und meist auch um Unmengen teurer. Man fährt also zeitlich und finanziell wesentlich günstiger, wenn man nach Mailand fliegt. Den Flug kann man entweder lange zuvor aber mindestens zwei Wochen vor dem Abflug bequem im Internet buchen. Ich habe zusätzlich noch eine Gepäckversicherung abgeschlossen, was mir bei Gepäck für über fünf Monate besonders wichtig war.
Auf meiner Packliste ganz oben standen vor allem Unterlagen, sowie Universalvollmachten für die Lieben daheim, denn nichts ist unpraktischer, als Amtsgänge in Deutschland aus dem Ausland heraus organisieren zu müssen. Die Generalvollmacht sollte amtlich beglaubigt sein, damit auch Banken sie anerkennen. Eine kleine Erstausstattung mit Hygieneartikeln und einem kleinen Schwamm war mir ebenfalls wichtig, damit ich ohne Bedenken in die bis dato fremde Dusche steigen konnte.
Das Schuljahr beginnt im September, sodass meine Ankunft Ende Januar mitten im Schuljahr lag. Da mein Praktikum an einem Montag begann, bin ich am Samstag angereist und habe am Sonntag den Schulweg und die Umgebung der Schule erkundet, damit ich am ersten Tag nicht zu spät komme.
Das Wichtigste ist jedoch Vorfreude und ein bisschen Gelassenheit. Italien ist ein großartiges Land und die Menschen sind hilfsbereit. Wer an einer internationalen oder deutschen Schule ist, sollte dennoch einen gewissen Grundwortschatz zum Einkaufen und für Smalltalk beherrschen. Merken die Italienerinnen erst einmal, dass man sich Mühe gibt, ist es auch einfacher, Verständnisprobleme doch in einer anderen Sprache, wie zum Beispiel Englisch oder Spanisch zu lösen.
Unterkunft
Auf die private Wohnung bin ich nur gestoßen, weil ich plötzlich spontan ein Zimmer suchen musste. Ursprünglich hätte ich auf Hinweis der Schule hin im Studentenwohnheim unterkommen können, welches mir jedoch anderthalb Monate vor der Anreise absagte. Ich bin schließlich in einer privaten Wohnung untergekommen, die vom Vermieter das erste Mal vermietet wurde und habe mit drei anderen jungen Frauen zusammengewohnt. Die Kombination hat erstaunlich gut harmoniert und es kam zu vielen gemeinsamen Aktivitäten. Der Preis war mit 400€ monatlich nicht unbedingt angenehm, aber die Wohnung war in guter Lage und sehr ruhig. Mein Zimmer lag leider zu einem Hinterhof raus, was zwar alles sehr dunkel gemacht hat, aber auch dazu führte, dass ich in den sommerlichen Nächten nicht komplett geschmolzen bin.
Ich würde trotz vieler und natürlich immer lieb gemeinter Hinweise der Schule auch immer selbst schauen, ob man eine Unterkunft findet. Eine WG ist auch immer ein persönlicher Anlaufpunkt, der eventuell emotionalen Halt bieten kann. Bei der Zimmersuche sollte man sich die Beschreibungen genau durchlesen, sodass man auch tatsächlich ein Einzelzimmer mietet und sich vergewissern, ob und wieviel Nebenkosten zusätzlich zu zahlen sind. Denn die Nebenkosten werden in den Anzeigen selten angegeben und belaufen sich meist auf 100-150€ zusätzlich.
Finanzen
Abgesehen von den stark schwankenden Mietpreisen ist das Leben finanziell mit dem in Deutschland zu vergleichen. Das Monatsticket für den Bus kostet 46€ und lohnt sich wirklich. Ich bin jeden Tag mit dem Bus zur Schule und zurückgefahren. Die Tickets kauft man am besten in den Tabacchi, den Tabakläden, welche nur Bargeld akzeptieren.
Ich habe mir eine Jahreskarte für das Aquarium gegönnt, was sich nach dem dritten Besuch auch wirklich gelohnt hatte. Je nachdem, ob man auch gern Essen geht oder die zahlreichen Museen der Stadt erkunden möchte, würde ich pro Tag ein Budget von 10-20€ veranschlagen. Ich hatte dank technischer Hilfsmittel nur selten den Bedarf, einen Schreibwarenladen zu besuchen oder Unterricht auf dem Papier vorzubereiten. In der Schule bestand zudem die Möglichkeit, den Drucker zu benutzen, wodurch ich auch hier enorm sparen konnte. Auch auf die Anschaffung von Fachbüchern war ich nicht angewiesen, da ich diese in der Schule zur Verfügung gestellt bekommen habe. Die wichtigste Anschaffung vorher war jedoch ein Wörterbuch, welches nicht nur den alltäglichen Wortschatz abdeckt, sondern auch Fachworte. Auf Übersetzer aus dem Internet sollte man sich nicht immer verlassen. Der einzige Übersetzer aus dem Internet, der hilfreich ist, jedoch auf eine Zeichenanzahl von 5000 Worten begrenzt ist, nennt sich „Deepl“.
Ich war durch den Erhalt eines DAAD-Stipendiums finanziell entlastet. Anfangs konnte ich es kaum glauben, wirklich ausgewählt worden zu sein. Ich kann nur jedem raten, sich um so viel Förderung wie möglich zu bewerben und den Bewerbungsprozess ernst zu nehmen. Es kann sich, wie in meinem Fall, um circa 1000 € monatlich handeln, welche die Mühe und Anstrengung auf jeden Fall wert sind. Man muss beachten, dass man in Italien fast überall mit Karte zahlen kann, auch kleine Summen. Jedoch ist es immer sinnvoll, etwas Bargeld dabei zu haben, da es natürlich auch Stellen gibt, wo Bargeld bevorzugt wird (siehe Tabacchi). Hierbei ist es wichtig zu wissen, dass das Abheben von Geld, soweit man kein Konto bei einer italienischen Bank hat, jedes Mal mindestens 5€ zusätzlich kostet. Somit sollte man sich also überlegen, wie oft, bzw. wieviel Geld man abheben möchte.
Leben an der Schule
Ich wurde vor Ort sofort in den Schulalltag mit einbezogen. Am ersten Tag nahm mich direkt eine Deutschlehrerin als Mentorin unter ihre Fittiche und besprach einen Stundeplan und meine Anforderungen an das Praktikum mit mir. Ich erhielt auch am zweiten Tag eine Emailadresse für den Gebrauch zu Schul- und Unterrichtszwecken und bekam Zugang zum Wlan in der Schule. Meine Ansprechpartner für organisatorische Fragen waren die Direktorin, die stellvertretende Direktorin und die Deutschlehrerin, meine Mentorin. Für allgemeine Fragen standen mir alle Lehrerinnen und Lehrer des Kollegiums immer tatkräftig zur Seite. Besonders fand ich hierbei auch die Rolle der Pedelle, die sich um alle Belange kümmerten und sowohl für Schülerinnen als auch für Lehrerinnen immer ein offenes Ohr hatten.
Der typische Praktikumstag war für mich glücklicherweise immer sehr regelmäßig, da ich einen festen Stundenplan hatte, an den ich mich halten konnte und der mir auch feste Pausenzeiten ermöglichte. Somit kam ich jeden Tag zur gleichen Zeit an und ging jeden Tag zur gleichen Zeit. In meiner Pause verbrachte ich die Zeit im Lehrerzimmer und lernte dort Vokabeln, bereitete Stunden vor, aß oder unterhielt mich mit anderen Lehrerinnen.
An der Schule werden circa 1900 Schülerinnen unterrichtet, davon circa 450 im Sprachzweig, dem Liceo Linguistico. In einer Klasse sind circa zwischen 20-27 Schülerinnen.
Die Atmosphäre im Kollegium war sehr herzlich und vor allem ehrlich. Eventuelle Probleme wurden schnell und offen angesprochen, sodass es selten Unstimmigkeiten gab. Mir gefiel besonders, dass Neuzugänge, Praktikantinnen oder neue Lehrerinnen sofort integriert und eingearbeitet wurden. Innerhalb der Fachschaften herrschte große Einigkeit und es gab viel gegenseitige Unterstützung.
Ich war von Beginn an, nicht zuletzt auch durch meinen feststehenden Stundenplan, ein fester Bestandteil im Stundenplan der Lehrkräfte und Schülerinnen und wurde schnell mit einbezogen. Es war dem Kollegium und mir immer bekannt, in welchen Stunden ich hospitierte oder selbst aktiv wurde. Eigene Stunden in Deutsch hielt ich bereits ab der ersten Woche, wobei es sich um Vertretungsstunden handelte, die von einer pädagogischen Fachkraft beaufsichtigt wurde. Man nahm es sehr ernst, dass ich nicht mit einer Klasse allein bleiben sollte, was für mich große Sicherheit bedeutete. In Geschichte wurde ich zeitiger um eigene Stunden gebeten, als ich gedachte hätte. Hierbei sprach ich mich immer mit den Lehrerinnen ab und war über den großen Spielraum überrascht, den sie mir ließen. Auch wenn ich mit einer Stunde nicht fertig geworden bin oder zu schnell fertig war, hatte ich immer Unterstützung oder durfte meine Stunde bei der nächsten Gelegenheit beenden. Ich bekam meist direkt danach ein ehrliches Feedback. Durch gegenseitigen Respekt und viel Herzlichkeit, habe ich mich schnell zugehörig gefühlt. Ich habe einmal ein Angebot bekommen, mehrere Stunden pro Woche Nachhilfe zu geben, was sich aber zeitlich nicht mit den schulischen und universitären Verpflichtungen vereinbaren ließ.
Freizeit
Das kulturelle Programm Genuas ist vielfältig und das italienische Leben spielt sich, je wärmer es wird, umso mehr draußen ab. Es war für mich nicht immer leicht, den Spagat zwischen Pflicht und Freizeit zu finden. Da aber in vielen Caffès freies Wlan zur Verfügung steht, bestand auch öfter die Möglichkeit, die Vorbereitungen bei Espresso und Hörnchen an die frische Luft zu verlegen. Die Vor- und Nachbereitungen versuchte ich immer an den Wochentagen zu erledigen, damit ich die Wochenenden zur freien Verfügung hatte. Das hat leider nicht immer geklappt, da die Unterrichtsvorbereitung in einer anderen Sprache sehr aufwändig war und ich sie nicht auf die leichte Schulter nehmen wollte. Trotzdem habe ich auch die Freizeit genossen und viel von Genua und der Region Ligurien gesehen. Ich kann es nur empfehlen, sich so viel, wie zeitlich und finanziell möglich, anzuschauen. Es lohnt sich sehr und die Region ist wunderschön.
Genua ist eine ganz besondere Region Italiens und hat viel zu bieten. Besonders berühmt sind vor Allem die Focaccia und Pesto Genovese. Diese beiden Spezialitäten in Kombination mit Käse sind ein wahrer Traum, den man definitiv probiert haben sollte.
Wer sich vegan ernährt, sollte vorher wissen, dass vegane Ersatzprodukte in Italien sehr teuer sind. Eine rein vegetarische Ernährung hingegen ist in Italien absolut kein Problem.
Ich würde nicht versuchen, an den Wochenenden weite Touren zu unternehmen, da sich auch in Ligurien, an der italienischen Riviera und quasi vor der Haustür viel entdecken lässt. Nicht weit weg sind viele kleine Fischerörtchen, die zum Entspannen und Zeichnen einladen und in denen man das großstädtisch-laute Leben gut hinter sich lassen kann. Besonders sehenswert sind hierbei die Cinque-Terre und Camogli.
Allgemein
Dank des Datenroamings in der EU ist das Handynetz gar kein Problem und, anders als in Deutschland, hat man hier selbst in den kleinsten Orten und Gassen besten Empfang. Die „Poste-italiane“ ist leider nicht sonderlich schnell, weshalb ich grundsätzlich darauf verzichtet habe, Pakete zu empfangen. Abgesehen davon bekommt man hier alles und auf Pakete von den Liebsten aus der Heimat lohnt es sich auch, etwas zu warten, solange sich keine verderblichen Lebensmittel darin befinden. Diese sollte man aber sowieso wieder zurück in der Heimat genießen, denn Ligurien hat kulinarisch für jeden etwas zu bieten. In manchen Museen bekommt man als Studentin Rabatt. Das ist allerdings leider nur eine Ausnahme. Ansonsten gibt es ein 24-Stunden-Ticket, mit dem man innerhalb von 24 Stunden in alle Museen der Stadt gehen kann. Dieses Ticket lohnt sich spätestens nach dem dritten Museum innerhalb eines Tages.
In Genua fahren viele Autos, Mopeds, Motorräder und Busse. Ich habe pro Woche vielleicht einen Fahrradfahrer gesehen, den ich stets für lebensmüde gehalten habe. Im Monatsticket für den öffentlichen Nahverkehr ist alles enthalten, sodass man von einem Ende der Stadt zum anderen kommen sowie die Metro und die Stadtaufzüge (manche genuesischen Viertel sind vertikal durch Fahrstühle miteinander verbunden) benutzen kann.
Das Praxissemester hat meine Erwartungen um Längen übertroffen, sodass ich jedem nur empfehlen kann, die Möglichkeit eines mit schulischer Arbeit verbundenen Auslandsaufenthaltes zu nutzen.