Las Palmas de Gran Canaria, Spanien (DAS)
Deutsche Schule Las Palmas de Gran Canaria, Spanien (Biologie, Sport)
Blick auf das Sportfeld
Foto: Aus dem ErfahrungsberichtZeitraum: September 2025 – Januar 2026 (WiSe 2025/26) | Schulinfos: hierExterner Link
Vorbereitung
Am 17.11.2024 bewarb ich mich per E-Mail an der Deutsche Schule auf Gran Canaria sowie parallel an weiteren deutschen Auslandsschulen. Bereits am 20.11.2024 erhielt ich eine Zusage. Die Bewerbung erfolgte ursprünglich für das Wintersemester 2025/26. Da meine Bewerbung für diesen Zeitraum jedoch vergleichsweise spät einging, wurde mir zunächst ein Platz für das Sommersemester angeboten. Durch
das Nachrücken infolge der Absage einer anderen Praktikantin konnte ich das Praxissemester letztlich dennoch im gewünschten Zeitraum antreten.
Ein zentraler Bestandteil der Vorbereitung war der Abschluss einer Langzeit-Auslandskrankenversicherung, die den gesamten Aufenthalt abdeckt. Diese schloss ich bei der HUK ab, da dort bereits weitere Versicherungen bestanden. Die Versicherung war mit 286 € kostenintensiver als andere Angebote, bot jedoch einen sehr umfassenden Leistungsumfang. Gerade bei längeren Auslandsaufenthalten ist darauf zu achten, dass viele reguläre Auslandskrankenversicherungen nur kurze Zeiträume abdecken. Da mein Praxissemester über Erasmus+ gefördert wurde, musste zusätzlich nachgewiesen werden, dass eine Haftpflicht- und Unfallversicherung besteht. Diese Versicherungen hatte ich bereits über meine Familie abgeschlossen.
Im Hinblick auf Reisen während des Aufenthalts ist es wichtig, frühzeitig Reisedokumente zu überprüfen. Für Gran Canaria selbst sind weder Visa noch spezielle Impfungen erforderlich. Da ich jedoch plante, während des Aufenthalts nach Marokko zu reisen, war ein Reisepass notwendig. Zudem empfiehlt es sich, den Impfstatus (z. B. Hepatitis A und B) zu überprüfen.
Für einen halbjährigen Aufenthalt auf Gran Canaria liegt es nahe, überwiegend Sommerkleidung einzupacken. Wichtig ist jedoch, ausreichend schultaugliche Kleidung mitzunehmen, wie zum Beispiel leichte, aber lange Hosen, T-Shirts sowie Hemden oder Oberteile zum Überziehen. An der Schule existiert kein offizieller Dresscode und auch keine Schuluniform für Lehrkräfte. Die meisten Lehrkräfte kleiden sich leger, dennoch sollte reine Freizeitkleidung vermieden werden. Zu berücksichtigen ist außerdem, dass es auf Gran Canaria, insbesondere in den Wintermonaten, abends und morgens deutlich kühler werden kann. Es ist häufig windig, und die Gebäude sind in der Regel nicht beheizt. Gerade auf dem Weg zur Schule (in meinem Fall mit dem Roller) sowie in den ersten Unterrichtsstunden war zusätzliche warme Kleidung notwendig. Bereits im November hatte ich mehrere
Zwiebelschichten an. Warme Pullover, lange Socken und eine Regenjacke sollten daher unbedingt eingepackt werden. Ich hatte Zuhause noch einen Neoprenanzug von meinem Bruder. Der erwies sich als sehr praktisch. Vor allem wenn man öfter surfen geht. Alternativ lässt sich Surfequipment vor Ort auch günstig kaufen beziehungsweise abkaufen. Sonnencreme ist auf den Kanaren teuer. Ich hatte daher zweimal Gesichtssonnencreme und eine 500 ml Packung eingepackt. Das war für mich völlig ausreichend.
Unterkunft
Die Wohnungssuche gestaltete sich unkompliziert durch den Austausch mit ehemaligen Praktikantinnen. Am 15.04.2025 nahm ich erstmals Kontakt zur Vermieterin auf. Nachdem ich die offizielle Schulbestätigung eingereicht hatte, erhielt ich die Zusage für ein Zimmer. Für den BAföGAntrag stellte mir die Vermieterin vorab eine spanische Mietbescheinigung aus; der eigentliche
Mietvertrag wurde dann gemeinsam vor Ort unterschrieben. In meinem Fall zog ich in eine Erasmus-WG, die speziell für temporäre Aufenthalte ausgelegt ist. Ich lebte in einer Siebener-WG mit drei weiteren Praktikantinnen und drei italienischen Mitbewohner*innen. Auch wenn eine so große Wohngemeinschaft manchmal herausfordernd ist, entwickelte sich schnell ein soziales Miteinander, das den Alltag sehr bereicherte. Die Wohnung befand sich in der Calle Italia 45. In dieser WG und auch in umliegenden Straßen wohnen regelmäßig Praktikant*innen der Schule, wodurch sich ein fester sozialer Treffpunkt ergeben hat.
Eine weitere Unterkunft derselben Vermieterin befindet sich in der Calle General Mas de Gaminde 14. Auch dort wohnen häufig Studierende oder Praktikant*innen. Die Mietpreise sind vergleichbar; 420€ für etwas größere Zimmer und 410 € für etwas kleinere. Die monatliche Miete für mein Zimmer betrug 420€ kalt, hinzu kamen insgesamt etwa 100 € Nebenkosten. Das Zimmer war im Vergleich zu Jena zwar teurer, jedoch würde die Wohnung aufgrund der Lage und der sozialen Anbindung jedoch jederzeit
weiterempfehlen. Die Lage erwies sich als großer Vorteil: Beide Strände von Las Palmas waren fußläufig erreichbar, ebenso Bars, Restaurants, Gym und Einkaufsmöglichkeiten für Lebensmittel als auch Mode. Die historische Altstadt (Vegueta/Triana) ist mit dem Bus in etwa 20 Minuten erreichbar.
Die Schule befindet sich außerhalb von Las Palmas, sodass der Schulweg mit dem Bus etwa eine Stunde dauert. Die Busverbindungen sind wie die deutsche Bahn, nicht immer zuverlässig, wodurch es vorkam, dass Anschlussbusse verpasst wurden. Aus diesem Grund mietete ich mir gemeinsam mit einem weiteren Praktikanten für drei Monate einen Roller bei Ok Mobility. Dadurch verkürzte sich der Schulweg auf ungefähr 20 Minuten. Diese Lösung erwies sich für mich als sehr sinnvoll, weshalb ich die Nutzung eines Rollers für diesen Zeitraum empfehlen würde. Für meine persönlichen Bedürfnisse war diese Wohn- und Mobilitätssituation insgesamt vollkommen ausreichend.
Anreise
Eine klimafreundliche Anreise nach Gran Canaria ist kaum realisierbar, sodass die Anreise per Flugzeug erfolgte. Ich reiste etwa eine Woche vor Praktikumsbeginn an, um organisatorische Angelegenheiten zu klären und mich vor Ort einzuleben. Der Flug von Nürnberg kostete 162,99 € inklusive Handgepäck und großem Koffer. Airlines wie EasyJet, Ryanair und Condor fliegen Gran Canaria regelmäßig an.
Unterlagen
Ein erweitertes Führungszeugnis lag bei mir bereits vor. Sollte dies nicht der Fall sein, empfiehlt sich eine frühzeitige Online-Beantragung, um Verzögerungen zu vermeiden. Zusätzlich erstellten meine Mutter und ich vorsorglich eine Vollmacht, sodass sie im Bedarfsfall administrative Angelegenheiten für mich regeln konnte. Unterrichtsmaterial nahm ich kaum aus Deutschland mit. Sinnvoll sind lediglich grundlegende Schreibmaterialien sowie eine Mappe zur späteren Strukturierung von Unterlagen. Diese lassen sich jedoch auch problemlos vor Ort erwerben. Empfehlenswert ist es zudem, Literatur für anstehende Hausarbeiten mitz nehmen, insbesondere fachspezifische Werke – in meinem Fall beispielsweise ein Biologiedidaktikbuch. Darüber hinaus würde ich im Vorfeld unbedingt überprüfen, ob auf allen genutzten Geräten ein funktionierender VPN-Zugang eingerichtet ist, um auch im Ausland problemlos auf Online-Bibliotheken und universitäre Ressourcen zugreifen zu können.
Finanzen
Während meines Praxissemesters wurde ich sowohl durch BAföG als auch durch das Erasmus+- Stipendium finanziell unterstützt. Das Erasmus+-Stipendium lief über die TU Ilmenau und belief sich insgesamt auf 3.760 €. Zusätzlich erhielt ich monatlich 503 € BAföG. Die Kombination aus diesen Förderungen sowie meinem Ersparten reichte aus, um die Kosten des Auslandsaufenthaltes
vollständig zu decken.
Ein fester monatlicher Kostenpunkt war die Miete in Höhe von 420 €. Zusätzlich mietete ich für drei Monate einen Roller, da die Schule außerhalb des Stadtzentrums liegt und der Schulweg mit öffentlichen Verkehrsmitteln sehr zeitintensiv war. Die Rollermiete betrug insgesamt 404,70 €, wobei ich mir den Roller mit einer weiteren Person teilte, sodass mein Anteil bei 202,35 € lag. Diese Lösung erwies sich als praktikabel und ausreichend für den Alltag.
Auch wenn ich mir vorgenommen habe nicht zu viel Geld auszugeben, habe ich in Spanien spürbar mehr Geld ausgegeben als in Deutschland, was vor allem daran lag, dass sich das Leben stark draußen abspielt. Man trifft sich häufiger spontan, holt sich zwischendurch einen Kaffee oder isst außer Haus, wodurch sich die Ausgaben im Alltag schneller summieren. Durch die Reisen auf die andern Inseln, auch wenn diese kostengünstig waren, hatte ich monatlich manchmal mehr Geld ausgegeben als erwartet. Ich persönlich finde, dass Erasmus oder mein BaföG dies nicht abdecken muss, da dies wirklich Luxus ist.
Das Erasmus+-Stipendium wurde in zwei Raten ausgezahlt, was bei der finanziellen Planung berücksichtigt werden sollte. Unabhängig davon würde ich dringend empfehlen, Auslands-BAföG zu beantragen – auch dann, wenn man in Deutschland keinen Anspruch auf BAföG hat. Die höheren Lebens- und Reisekosten im Ausland werden berücksichtigt, weshalb viele Studierende förderberechtigt sind, die es im Inland nicht wären. Für den Antrag auf Auslands-BAföG wird allerdings eine zusätzliche Schulbestätigung benötigt; eine universitäre Bescheinigung allein reicht nicht aus. Trotz des Auslandsaufenthaltes mussten weiterhin reguläre Studiengebühren gezahlt werden. Ein großer Bestandteil davon war das Deutschlandticket in Höhe von 213,05 €. Dieses ließ ich mir erstatten. Ich stellte dafür direkt auf dem Campus einen „Antrag auf Rückzahlung“ und reichte zusätzlich ein Bestätigungsschreiben von Frau Möbius ein. Formal gilt, dass man für eine Rückerstattung mindestens 21 Wochen im Ausland sein muss. In meinem Fall war dies zwar gegeben, allerdings zählt die Frist offiziell erst ab Oktober, also ab dem Beginn des Semesters in Deutschland. Dadurch wären es rechnerisch nur 18 Wochen gewesen. Dass der Antrag dennoch bewilligt wurde, lag möglicherweise an Kulanz oder schlicht an Glück. Ob man einen solchen Antrag stellt, sollte individuell abgewogen werden, insbesondere abhängig davon, ob man das Deutschlandticket nach der Rückkehr benötigt. Es ist zudem möglich, das Ticket nur monatsweise zu buchen.
Zu Beginn meines Aufenthalts hob ich einmalig etwa 300 € Bargeld ab, stellte jedoch schnell fest, dass ich dieses kaum benötigte. Spanien ist sehr kartenzahlungsfreundlich, selbst auf Märkten oder bei kleineren Händler*innen kann häufig mit Karte gezahlt werden. Ein spanisches Bankkonto war für die Dauer meines Aufenthalts nicht notwendig. Auch während einer Reise nach Marokko konnte ich problemlos mit Karte Bargeld zum aktuellen Umrechnungskurs abheben. An der Schule besteht die Möglichkeit, dort Mittag zu essen. Je nach Häufigkeit belaufen sich die Kosten auf etwa 40 € oder mehr pro Monat, die bar zu zahlen sind. Ich selbst habe dieses Angebot nicht genutzt, da ich lieber selbst koche und meine Mahlzeiten vorbereite. Kurz vor der Abreise beantragte ich zusätzlich eine Debit-Kreditkarte bei der DKB, mit der ich während des gesamten Aufenthalts keinerlei Probleme hatte. Eine Kreditkarte ist grundsätzlich sehr zu empfehlen, insbesondere wenn man ein Auto oder einen Roller mieten möchte, da bei vielen Anbietern eine Kreditkarte hinterlegt werden muss. Autos mieteten wir häufig bei Cicar, da dort keine Kaution verlangt wurde. Andere Anbieter waren zwar teilweise günstiger, setzten jedoch hohe Kautionsbeträge voraus. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, das Kartenlimit der eigenen Kreditkarte im Blick zu behalten.
Leben an der Schule
Am 26.05.2025 fand ein online Informationstreffen zum gegenseitigen Kennenlernen statt. Im Anschluss wurden uns die E-Mail-Adressen der anderen Praktikantinnen zur Verfügung gestellt, sodass bei fachlichen oder organisatorischen Fragen ein direkter Austausch möglich war. Die gesamte Organisation übernahm unsere Ansprechpartnerin an der Deutsche Schule. Sie war für die vollständige Kommunikation zuständig und jederzeit sowohl vor Beginn des Praxissemesters als auch währenddessen ansprechbar. Fragen und Unsicherheiten konnten jederzeit geklärt werden; sie hatte stets ein offenes Ohr für die Anliegen der Praktikantinnen. Am ersten Praktikumstag trafen wir unsere Betreuerin erstmals persönlich. Wir erhielten eine ausführliche Schulführung und erstellten Steckbriefe, die für das gesamte Schulhalbjahr im Lehrerzimmer aushingen. Diese dienten dazu, dem Kollegium das Kennenlernen der Praktikant*innen zu erleichtern. Innerhalb der ersten zwei Praktikumswochen hatten wir die Möglichkeit, uns Mentor*innen auszusuchen. In meinem Fall bin ich nicht aktiv auf einzelne Lehrkräfte zugegangen, um eine formale Mentorenrolle festzulegen. Stattdessen ergaben sich drei Hauptansprechpersonen, bei denen ich regelmäßig unterrichtete, hospitierte und konstruktives Feedback erhielt. Auch ohne eine offiziell benannte Mentorenfunktion standen mir diese Lehrkräfte jederzeit unterstützend zur Seite. Darüber hinaus war auch das übrige Kollegium sehr offen und hilfsbereit, selbst bei Lehrkräften, bei denen ich ausschließlich hospitierte. In diesen zwei Wochen war es ausdrücklich möglich, ohne vorherige Absprache zu hospitieren. Die Türen der Klassenräume standen sprichwörtlich offen, auch für fachfremde Hospitationen. Nach dieser Orientierungsphase stellte ich mir eigenständig einen Stundenplan zusammen. Ein Tag pro Woche war ein langer Schultag bis 15:30 Uhr. An diesem Nachmittag leitete ich gemeinsam mit einem weiteren Praktikanten und einem FSJ-ler die Hausaufgaben-AG. Auch wenn man sich zu Beginn gelegentlich überflüssig fühlte oder kurzfristig überfordert war, etwa wenn Schüler*innen Fragen in Mathe stellten, bereitete mir die Arbeit in der Hausaufgaben-AG insgesamt große Freude. Jeder Praktikant wurde einer AG zugeteilt. Die spanischen Studierenden übernahmen dabei durchgängig den Bereich Ciencias Sociales. An den übrigen Tagen
endete der Unterricht gegen 13:10 Uhr. Freitags waren wir aufgrund universitärer Veranstaltungen regulär vom Schulbetrieb freigestellt.
Unsere Anwesenheit dokumentierten wir sowohl über die Stundennachweise der Universität als auch über schulinternen Stundennachweis mit lediglich der Unterschrift der Lehrkraft. Gleichzeitig ermöglichte die Schule eine flexible Praktikumsgestaltung. Kurzfristige Hospitationen oder Unterrichtseinsätze in anderen Klassen waren nach Absprache mit den jeweiligen Lehrkräften jederzeit möglich.
Grundsätzlich bestand an der Schule die Möglichkeit, neben dem Praktikum Nachhilfe zu geben. Zwei Praktikanten haben dieses Angebot angenommen, da es auch gut bezahlt wird. Ich jedoch habe mich dagegen entschieden, da ich meine Zeit dort genießen wollte und mich auch komplett auf die Schule und die Uniabgaben konzentrieren wollte. Insgesamt lernen an der Schule etwa 700 Schüler*innen. Die Klassenstärken variieren zwischen 15 und 22 Schüler*innen, was ich als sehr angenehm empfand. Schul- und Arbeitssprache ist durchgehend Deutsch. Da Schüler*innen sich manchmal auf spanisch unterhalten, kann es sinnvoll sein ein paar Kenntnisse zu haben, ansonsten benötigt man die Sprache nicht. Auf einem Grundstück kommen Vorschule Grundschule und Sekundarstufe zusammen.
Die technischen Rahmenbedingungen stellten für uns Praktikantinnen eine gewisse Herausforderung dar. Private Geräte hatten keinen Zugang zum schulischen WLAN, sodass wir auf mobile Daten und Hotspots angewiesen waren. Beim Unterrichten war es aus diesem Grund nicht möglich meinen Bildschirm des iPads mit der Tafel zu teilen, sondern immer nur mit einem Lehrertablet. Jede Lehrkraft sowie alle Schülerinnen ab der sechsten Klasse verfügen über ein schulisches Tablet mit WLANZugang. Zusätzlich stehen im Lehrerzimmer internetfähige PCs zur Verfügung, die auch von Praktikant*innen genutzt werden können oder auch zwei Laptops mit WLAN-Zugang. Die Laptops kann man sich auf Nachfrage ausleihen. Aufgrund der Größe des Kollegiums (ca. 70 Lehrkräfte) waren diese Arbeitsplätze jedoch häufig belegt. Daher nutze ich ihn oft nur kurz und am besten nicht in den kurzen Pausen, sondern in meinen Freistunden. Das erschwerte trotzdem die Unterrichtsvorbereitung , sodass ich die Zeit nur nutzte für Aufgaben die kein WLAN oder nur sehr wenig benötigten. In meinen Unterrichtsfächern war die Schule insgesamt gut ausgestattet. Im Fach Biologie standen unter anderem ausgestopfte Tiere, ein menschliches Skelett, weitere Skelette sowie anatomische Modelle zur Verfügung. Auch der Fachbereich Sport verfügte über eine große Auswahl an Geräten und Ballmaterialien, die vielseitig und kreativ eingesetzt werden konnten. Insgesamt empfand ich die Ausstattung für schulische Zwecke als ausreichend.
Das Kollegium begegnete den Praktikant*innen grundsätzlich auf Augenhöhe. Auch an Wandertagen oder schulischen Sonderveranstaltungen konnten wir teilnehmen und wurden aktiv in den Schulalltag eingebunden. An Konferenzen nahmen wir nicht regulär teil, dies wäre jedoch auf Nachfrage vermutlich möglich gewesen. Die Schule ist eine Privatschule und daher nicht mit dem deutschen Regelschulsystem hinsichtlich Inklusion vergleichbar. Dafür bot sie vielfältige Lerngelegenheiten im Bereich sprachsensibler Unterricht sowie Deutsch als Fremd- und Unterrichtssprache (DFU). Insgesamt waren acht Praktikant*innen in der Sekundarstufe, vier in der Grundschule sowie zusätzlich sechs FSJler*innen tätig. Besonders unter uns Praktikant*innen entstand schnell ein sehr enger Zusammenhalt, der über das Praxissemester hinaus Bestand hat. Auch nach dem Aufenthalt stehen wir weiterhin in Kontakt, und gemeinsame Treffen sind bereits geplant.
Freizeit
Meine Freizeit habe ich fast ausschließlich draußen verbracht. Das lag weniger an einer bewussten Entscheidung als vielmehr daran, dass sich das Leben auf der Insel automatisch nach draußen verlagert. Sport, Natur und soziale Aktivitäten spielen im Alltag eine große Rolle, und man verbringt deutlich weniger Zeit in geschlossenen Räumen als ich es aus Deutschland gewohnt war, aber natürlich auch auf Grund des tollen Wetters. Besonders in Las Palmas fiel mir auf, wie präsent Bewegung im Stadtbild ist: Überall wird gelaufen, trainiert, gespielt oder im Meer geschwommen. Entsprechend gibt es zahlreiche gut ausgebaute Laufstrecken sowie viele Outdoor- und Indoor-Fitnessstudios.
Ein zentraler Bestandteil meines Alltags war das Leben am Strand. Surfen gehört auf Gran Canaria fast schon zum Lebensgefühl, und auch für Anfänger*innen gibt es unzählige Möglichkeiten, in den Sport einzusteigen. Entlang der Küste finden sich viele Surfschulen, die vergleichsweise günstige Kurse anbieten. Daneben sind Beachvolleyball und Beachtennis sehr verbreitet, sodass man schnell Anschluss findet – sei es spontan am Strand oder über feste Gruppen. Ergänzend dazu ist die Erasmus-Community in Las Palmas stark vernetzt. Regelmäßig werden Treffen, gemeinsame Sportangebote, Partys oder Ausflüge organisiert, wodurch es leicht fiel, neue Kontakte zu knüpfen und die Insel gemeinsam zu erkunden.
Besonders beeindruckt hat mich die landschaftliche Vielfalt Gran Canarias. Obwohl die Insel auf den ersten Blick überschaubar wirkt, unterscheiden sich die Regionen stark voneinander. Um diese Vielfalt wirklich kennenzulernen, habe ich Ausflüge meist gemeinsam mit anderen Praktikant*innen unternommen, entweder mit einem gemieteten Auto oder mit dem Roller. Viele Orte lassen sich so gut erreichen und bieten einen starken Kontrast zur urbanen Atmosphäre von Las Palmas. Zu den Orten, die mich besonders beeindruckt haben, zählt der Roque Nublo im Zentrum der Insel. Diese markante Felsformation hat eine besondere kulturelle Bedeutung und bietet eine außergewöhnliche Aussicht. Zwar ist tagsüber offiziell eine Genehmigung erforderlich, um den Bereich zu betreten, ab dem späten Nachmittag wird dies jedoch nicht mehr kontrolliert. In unmittelbarer Nähe befindet sich außerdem das Ventana del Nublo, das sich hervorragend für einen Besuch zum Sonnenuntergang eignet. Nicht weit entfernt liegt Tejeda, ein sehr sehenswertes Bergdorf, das sich gut mit einer Wanderung oder einem Ausflug verbinden lässt. Ein ganz anderes Bild bietet Agaete, ein kleines Fischerdorf im Norden der Insel, das durch seine Lage am Meer und den Hafen eine ruhige, fast entschleunigte Atmosphäre ausstrahlt. Ebenfalls sehr eindrucksvoll war der Mirador del Balcón, von dem aus man bei guter Sicht bis nach Teneriffa blicken kann. Besonders abends entfaltet dieser Ort eine besondere Stimmung. Mein persönliches Highlight war jedoch der Playa de Güi Güi. Der Strand liegt sehr abgelegen im Südwesten der Insel und ist nur über eine etwa zweistündige Wanderung über eine Bergkette erreichbar. Auch wenn das Übernachten dort offiziell nicht erlaubt ist, wird es dennoch häufig
praktiziert. Die Kombination aus Anstrengung, Abgeschiedenheit und Landschaft hat diesen Ort für mich einzigartig gemacht.
Weitere sehenswerte Naturorte sind Los Azulejos, farblich außergewöhnliche Felsformationen mit natürlichen Pools, die sich vor allem in den Wintermonaten mit Wasser füllen, sowie die Dünen von Maspalomas im Süden der Insel. Letztere sind zwar beeindruckend, meiner Meinung nach reicht jedoch ein einmaliger Besuch aus, da der Süden insgesamt sehr touristisch geprägt ist. Deutlich ruhiger und naturnäher empfand ich den Naturpark Tamadaba, wo sich beeindruckende Berglandschaften mit weitläufigen Pinienwäldern abwechseln und zahlreiche Wanderrouten zur Verfügung stehen. Manchmal sieht man dort auch Schafe. Auch kleinere Orte haben sich für mich als lohnenswerte Ausflugsziele erwiesen. Teror ist vor allem sonntags aufgrund des Wochenmarkts einen Besuch wert und bietet in der Umgebung schöne Wanderstrecken. Moya habe ich besonders wegen der grünen Landschaft und der schönen Rollerstrecken geschätzt.
Im Alltag habe ich viel Zeit im Stadtteil Alcaravaneras verbracht – zum Schwimmen im Meer oder für spontane Treffen zum Tapas-Essen. Typische Getränke wie Bonbon oder Leche y Leche sollte man unbedingt probieren. Auch kulinarisch lohnt es sich, neugierig zu sein: Verschiedene Bäckereien bieten hochwertige leckere Backwaren, und gelegentlich habe ich auch Too Good To Go-Tüten genutzt. Die Bar Madrileña war für uns eine feste Adresse für Tapas; besonders empfehlenswert ist dort der Queso Frito. Generell lohnt es sich, lokale Feste im Blick zu behalten, da auf der Insel sehr viel gefeiert wird. Wer zeitlich flexibel ist, sollte überlegen, bis zum Karneval zu bleiben. Dank der Bonificación de Viajes hatte ich zudem die Möglichkeit, weitere kanarische Inseln zu besuchen, darunter Lanzarote, Teneriffa und Fuerteventura. Obwohl alle Inseln vulkanischen Ursprungs sind, unterscheiden sie sich deutlich in Landschaft, Atmosphäre und Nutzung. Jede Insel hatte ihren eigenen Charakter, weshalb ich unbedingt empfehle, während des Aufenthalts mehrere Inseln zu bereisen.
Allgemeines
Es empfiehlt sich, so früh wie möglich die NIE zu beantragen und im Anschluss das Empadronamiento. Dabei unterstützt die Schule aktiv. Mit diesen Dokumenten gilt man offiziell als Einwohnerin und erhält deutliche Vergünstigungen, insbesondere auf Flüge und Fährverbindungen. Allerdings bewegt sich dies auf den Kanaren teilweise in einer Grauzone: Bei einigen Praktikantinnen funktionierte die Anerkennung nicht zuverlässig, sodass trotz Empadronamiento der Normalpreis gezahlt werden musste. In solchen Fällen lässt sich dies im Nachhinein leider nicht korrigieren, da auf der NIE weiterhin „no residente“ vermerkt ist. Für vergünstigtes Reisen wird zusätzlich die Bonificación de Viajes benötigt, die nach Ausstellung der Dokumente unkompliziert heruntergeladen werden kann. Die Gesamtkosten für NIE und Empadronamiento belaufen sich auf etwa 15 €, der organisatorische Aufwand ist zwar nicht zu unterschätzen, hat sich für mich rückblickend jedoch klar gelohnt. Nach dem Empadronamiento besteht außerdem die Möglichkeit, für ca. 15 € online die Guagua Joven zu beantragen. Mit dieser Buskarte kann man auf der gesamten Insel unbegrenzt und kostenfrei Bus fahren, was den Alltag erheblich erleichtert.
Eine spanische Telefonnummer wird ausschließlich für die Beantragung des Empadronamientos benötigt. Für den restlichen Aufenthalt ist sie nicht zwingend erforderlich, daher habe ich einfach eine Lehrkraft gefragt. Einige Praktikant*innen entschieden sich für zusätzliche mobile Daten. Auch ich habe festgestellt, dass ausreichend mobiles Internet sehr wichtig ist, da private Geräte keinen Zugang zum Schul-WLAN haben. Mit meinen 17 GB aus dem deutschen Vertrag kam ich gerade so aus. Insbesondere
beim Herunterladen von Unterrichtsmaterialien wurde das Datenvolumen schnell knapp.
Ein persönlicher Punkt, den ich rückblickend gern anders angegangen wäre, betrifft meine Spanischkenntnisse. Für einfache Alltagsgespräche reichte mein Spanisch aus, dennoch hätte ich die Sprache gern sicherer und flexibler genutzt. Ein begleitender Sprachkurs während des Praktikums hätte mir geholfen, das viele Deutsch-Sprechen auszugleichen und mich sprachlich weiterzuentwickeln.
Viele weitere Eindrücke sind in folgendem Erfahrungsberichtpdf, 499 kb zu finden.