Tbilissi/ Tiflis, Georgien (DAS)

Lesen Sie hier Erfahrungsberichte aus Tbilissi, Georgien

Deutsche Internationale Schule Tbilissi, Georgien (Doppelfach Kunst)

Gergetier Dreifaltigkeitskirche in Stepanzminda

Foto: Aus dem Erfahrungsbericht

Zeitraum: August 2025 - Januar 2026 (WiSe 2025/26) | Schulinfos: hierExterner Link

Vorbereitung des Auslandspraktikums

Als ich erfuhr, dass es möglich ist, das Praxissemester im Ausland zu absolvieren, war ich sofort interessiert. Ich begann damit, gezielt nach deutschen Auslandsschulen zu recherchieren und prüfte, in welchen Ländern längere Praktika möglich sind. Eine hilfreiche Orientierung bot mir die offizielle Website der PASCH-Initiative, auf der sowohl Schulprofile als auch Kontaktdaten zu finden sind. Ich verfasste zunächst ein allgemeines Motivationsschreiben, das ich anschließend individuell auf die jeweiligen Schulen anpasste. Zunächst bewarb ich mich in Ländern, die mich besonders interessierten, Georgien gehörte anfangs noch nicht dazu. Allerdings erhielt ich zahlreiche Absagen, entweder weil keine Praktikumsplätze mehr verfügbar waren oder weil keine Studierenden mit dem Doppelfach Kunst aufgenommen wurden. Rückblickend kann ich daher nur dringend empfehlen, sich mindestens ein Jahr im Voraus zu bewerben. Insgesamt schrieb ich etwa 20 Bewerbungen. Schließlich erhielt ich vier Zusagen, darunter auch von der Deutschen Internationalen Schule Tbilissi.

Vor meiner Zusage hatte ich mich kaum mit Georgien beschäftigt. Doch je mehr ich über das Land recherchierte, desto faszinierter war ich. Die Entscheidung für Tiflis erwies sich im Nachhinein als absolut richtig. Die Kommunikation mit der Schule verlief unkompliziert, schnell und sehr freundlich, dafür bin ich bis heute sehr dankbar.

Vor meiner Abreise waren einige organisatorische Schritte notwendig. Zunächst musste ich meine Wohnung in Deutschland kündigen und mich bei meinen Eltern ummelden, da für das Auslands-BAföG ein deutscher Wohnsitz weiterhin wichtig ist. Zudem ließ ich mich gegen Tollwut impfen. Hier ist es entscheidend, frühzeitig zu planen, da mehrere Impftermine notwendig sind.
Ein Visum benötigte ich als deutsche Staatsbürgerin für einen Aufenthalt unter einem Jahr in Georgien nicht, jedoch musste ich meinen Reisepass erneuern, da Georgien außerhalb der EU liegt.

Darüber hinaus beantragte ich das DAAD-Stipendium sowie Auslands-BAföG. Beide Förderungen wurden bewilligt, erforderten jedoch eine langfristige und sorgfältige Organisation. Die Krankenversicherung war im DAAD-Stipendium enthalten.
Die Flugkosten wurden ebenfalls durch das Stipendium gedeckt. Ich flog von Leipzig über Istanbul nach Tiflis, die Flüge dauerten insgesamt etwa fünf Stunden. Ohne Förderung hätte der Flug inklusive Gepäck etwa 170 Euro gekostet. Im Hinblick auf die Packliste würde ich besonders Wanderschuhe empfehlen, da Georgien landschaftlich unglaublich vielfältig ist. Bestimmte Drogerieartikel, die einem besonders wichtig sind, sollte man ebenfalls mitbringen, auch wenn man vor Ort grundsätzlich fast alles bekommt.

Das Schuljahr begann am 1. September, doch ich reiste bereits am 23. August an, da ab dem 25. August eine Fortbildungswoche für das Kollegium stattfand. Diese Woche war äußerst wertvoll, da ich so frühzeitig Einblick in schulische Abläufe erhielt und meine Kolleg*innen kennenlernen konnte. Dennoch würde ich rückblickend empfehlen, etwa zwei Wochen vor Schulbeginn anzureisen. Die erste Zeit war sehr intensiv, Ich hatte bereits volle Schultage, suchte parallel eine Wohnung und wollte gleichzeitig die Stadt kennenlernen.

Vor der Abreise sollte man zudem daran denken, den deutschen Handyvertrag zu pausieren und sich vor Ort eine georgische SIM-Karte zuzulegen. Diese kann man direkt am Flughafen erwerben und sie ist deutlich günstiger als Roaming mit einem deutschen Vertrag.

Unterkunft und Finanzen

Die Wohnungssuche gestaltete sich zunächst aufwendig. Ich besichtigte etwa 15 Wohnungen, die ich überwiegend über die Website „My Home“ oder facebook gefunden hatte. Es dauerte einige Zeit, bis ich eine passende Wohnung fand, die sowohl schulnah als auch zentrumsnah lag. Schließlich wohnte ich in der Viktor Dolidze Street nahe der Technical University in einem neu renovierten Studio Apartment in einem typisch sowjetischen Wohnblock. Optisch war das Gebäude weniger charmant als die Altbauten im Zentrum, dafür musste ich im Winter kaum heizen. Die Miete betrug 370 Euro monatlich. Nebenkosten zahlte ich bar an Automaten auf der Straße, eine für mich zunächst ungewohnte, aber übliche Praxis. Rückblickend hätte ich mich vermutlich für ein langfristiges Airbnb im Stadtzentrum entschieden. Viele meiner Freunde wählten diese Option, die organisatorisch unkomplizierter war und preislich ähnlich lag. Die Busverbindung vom Zentrum zur Schule war sehr gut, sodass dies eine stressfreiere Lösung gewesen wäre.

Finanziell war ich durch das DAAD-Stipendium (ca. 1200 Euro monatlich) und das Auslands-BAföG (ca. 200 Euro monatlich) sehr gut abgesichert. Meine monatlichen Ausgaben hätten vermutlich bei etwa 900 Euro gelegen, allerdings reiste ich viel innerhalb Georgiens und in Nachbarländer, wodurch die Kosten höher ausfielen. Die Lebenshaltungskosten sind etwas günstiger als in Deutschland, jedoch nicht so stark, wie man vielleicht erwartet.

Öffentliche Verkehrsmittel kosten etwa 20 Cent pro Fahrt, Fahrten mit der App „Bolt“ zur Schule etwa 3–5 Euro. Ich empfehle dringend, eine Kreditkarte ohne Auslandseinsatzgebühren zu beantragen. Meine Miete musste ich per Auslandsüberweisung zahlen, wofür jeweils zusätzliche Gebühren anfielen. Einige andere Studierende eröffneten stattdessen ein georgisches Konto.

Leben an der Schule

Schulgebäude Deutsche Internationale Schule

Foto: privat

Die organisatorische Unterstützung an der Schule war ausgezeichnet. Die einwöchige Fortbildung vor Schulbeginn ermöglichte mir einen gelungenen Einstieg. Das Kollegium war äußerst hilfsbereit, und ich hatte eine engagierte Mentorin im Fach Kunst, die mich intensiv betreute und mir wertvolles Feedback zu meinem Unterricht gab.

Zu Beginn hospitierte ich mehrere Wochen in verschiedenen Fächern, nicht nur in Kunst. Nach etwa einem Monat hielt ich meine erste eigene Unterrichtsstunde und unterrichtete anschließend regelmäßig drei bis vier Stunden pro Woche. Zusätzlich hospitierte ich weiterhin täglich. Meine Schulzeit lag meist zwischen 9 und 15/16 Uhr, inklusive Frühstücks- und Mittagspause. Das Mittagessen war für mich kostenfrei.

Mittwochs unterstützte ich regelmäßig den Kindergarten der Schule, was für mich eine bereichernde Erfahrung war und mir große Freude bereitet hat. Es war spannend, die jüngsten Kinder in ihrem spielerischen Lernen zu begleiten und einen Einblick in frühkindliche Bildungsprozesse zu erhalten. Besonders wertvoll empfand ich, dass ich während meines Praxissemesters in allen Altersstufen tätig sein durfte, vom Kindergarten über die Grundschule bis hin zur Oberstufe. Dadurch konnte ich Lern und Entwicklungsprozesse von Kindern und Jugendlichen im Alter von vier bis achtzehn Jahren beobachten und mitgestalten. Dieser umfassende Einblick in unterschiedliche Lernphasen hat meinen Blick auf Bildungsbiografien deutlich erweitert und mir gezeigt, wie sich Kompetenzen, Ausdrucksfähigkeit und Selbstständigkeit über die Jahre hinweg entwickeln. 

Die Schule zählt etwa 200 Schüler:innen und rund 30 Lehrkräfte. Die Klassen 1–8 umfassen etwa 20 Schüler, die Klassen 9–12 sind mit rund 10 Schülern kleiner. Die Deutschkenntnisse der Schüler sind sehr gut. Neben Deutsch werden auch Georgisch, Russisch und Englisch gesprochen.

Technisch ist die Schule gut ausgestattet: Ab Klasse 7 arbeiten die Schüler mit Tablets, in jedem Raum gibt es Beamer, und organisatorische Abläufe erfolgen digital über „Phidias“ und „Untis“. Für meinen Kunstunterricht durfte ich benötigte Materialien über die Schule bestellen. Auch wenn ich die einzige Praktikantin war, fühlte ich mich nie allein. Das Kollegium nahm mich herzlich auf, es gab gemeinsame Ausflüge, eine Weihnachtsfeier und weitere Veranstaltungen.

Freizeit und Leben in Georgien

Tiflis ist eine lebendige Stadt mit einer beeindruckenden Mischung aus Geschichte, Kultur und Moderne. Es gibt zahlreiche Cafés, Bars, Clubs, Museen und Galerien. Besonders beeindruckt hat mich jedoch die Natur Georgiens. Ich reiste viel durchs Land, etwa nach Mestia im Kaukasus, nach Ureki und Batumi am Schwarzen Meer oder in die Nachbarländer Armenien, Türkei und Aserbaidschan. Auch Ski Fahren in Bakuriani und Gudauri war eine tolle Erfahrung. Aber auch direkt bei Tiblissi gibt es eine tolle Landschaft und tolle Wanderwege.

Zu meinen Lieblingsorten zählen außerdem der Lisi Lake, der Turtle Lake und das sogenannte Tbilisi Sea. Kulinarisch ist Georgien ein Highlight, besonders als Vegetarierin kam ich hervorragend zurecht. Pilz Khinkali, Khachapuri, Lobiani, Auberginen mit Walnusscreme sowie frischer Salat mit Walnussdressing gehören zu meinen absoluten Favoriten. Auch der berühmte georgische Rotwein ist sehr empfehlenswert.

Gerade in den ersten Wochen fiel es mir zunächst nicht leicht, neue Freundschaften zu knüpfen. Obwohl ich mich sehr auf das Ausland gefreut hatte, merkte ich schnell, dass der soziale Anschluss nicht automatisch entsteht, insbesondere wenn man, wie in meinem Fall, die einzige Praktikantin an der Schule ist. Ich musste aktiv auf Menschen zugehen und meine Komfortzone verlassen. Eine große Hilfe war dabei die App Bumble Friends, über die ich einige wunderbare Bekanntschaften schließen konnte.
Darüber hinaus trat ich der offiziellen Erasmus-WhatsApp-Gruppe bei, in der sich viele internationale Studierende in Tiflis organisierten. Da Tiflis eine lebendige Studierendenstadt ist und viele junge Menschen dort ihr Auslandssemester verbringen, ergaben sich schnell gemeinsame Treffen und Unternehmungen.

Aus anfänglichen Bekanntschaften entwickelten sich enge Freundschaften, die für mich zu einem der wertvollsten Bestandteile meines Auslandsaufenthaltes wurden. Wir reisten gemeinsam durch Georgien, verbrachten Abende in der Stadt und unterstützten uns gegenseitig im Alltag. Auch nach meiner Rückkehr stehen wir täglich in Kontakt. Diese Beziehungen sind für mich nicht nur eine schöne Erinnerung, sondern ich bin überzeugt, dass sie mich ein Leben lang begleiten werden.

Fazit

Rückblickend war mein Praxissemester in Georgien eine der prägendsten Erfahrungen meines Studiums. Fachlich konnte ich wertvolle Unterrichtserfahrungen sammeln, insbesondere durch das eigenständige Unterrichten und die intensive Betreuung durch meine Mentorin. Persönlich habe ich enorm von der kulturellen Vielfalt, den Reisen und den Begegnungen profitiert.
Wenn ich etwas anders machen würde, dann würde ich meine Unterkunft direkt im Stadtzentrum über Airbnb buchen und etwas früher anreisen, um entspannter in die erste Phase zu starten.
Insgesamt kann ich ein Praxissemester an einer deutschen Auslandsschule, insbesondere in Georgien, sehr empfehlen. Es erweitert nicht nur den professionellen Horizont, sondern auch die eigene Perspektive auf Kultur, Bildung und persönliche Entwicklung.

Viele weitere Eindrücke sind im folgenden Erfahrungsberichtpdf, 530 kb zu finden.

PSA-Alumna in den georgischen Bergen

Foto: privat