Sophie Geßner, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Institut für Psychologie, in einer Telefonsprechstunde für pflegende Angehörige von Demenzkranken.

Unterstützung für pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz

Universität Jena leitet bundesweites Forschungsprojekt zur Stärkung psychischer Ressourcen und Selbstfürsorge
Sophie Geßner, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Institut für Psychologie, in einer Telefonsprechstunde für pflegende Angehörige von Demenzkranken.
Foto: Nicole Nerger (Universität Jena)
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Meldung vom: | Verfasser/in: Ute Schönfelder

Rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland leben mit einer Demenz – die Pflege übernehmen überwiegend Angehörige. Ein von der Universität Jena geleitetes neues Forschungsprojekt nimmt die pflegenden Angehörigen in den Blick und bietet ihnen ein präventives psychotherapeutisches Unterstützungsangebot an. Das Projekt »AnDem-RoSe« und dessen wissenschaftliche Begleitung werden vom Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss mit insgesamt rund drei Millionen Euro gefördert. Ziel ist es, psychische Belastungen zu reduzieren und tragfähige Versorgungsstrukturen zu entwickeln.

Hohe Belastung pflegender Angehöriger

Die Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz findet in den meisten Fällen zu Hause statt und wird über Jahre hinweg von Angehörigen geleistet. Sie unterstützen im Alltag, organisieren Arztbesuche und geben Halt in Phasen der Orientierungslosigkeit. Oft geschieht dies neben Beruf, Familie und weiteren Verpflichtungen. Die dauerhafte Verantwortung kann zu erheblicher psychischer Belastung führen – bis hin zu Erschöpfung, depressiven Symptomen oder Ängsten.

An dieser Stelle setzt das Forschungsprojekt »AnDem-RoSe« (Ressourcenrealisierung und Selbsthilfe für pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz) an. Unter der Leitung von Prof. Dr. Gabriele Wilz vom Institut für Psychologie der Universität Jena erprobt das Projektteam ein präventives psychotherapeutisches Unterstützungsangebot für besonders belastete pflegende Angehörige. »Mit AnDem-RoSe wollen wir Strategien vermitteln, die Belastungen verringern und das Wohlbefinden der Angehörigen langfristig fördern«, so Prof. Wilz, die sich seit vielen Jahren als Forscherin und Psychotherapeutin für die Unterstützung pflegender Angehöriger engagiert.

Psychotherapeutische Gespräche und ein Online-Selbsthilfe-Tool

Etwa 350 Personen sollen in den kommenden vier Jahren an der Studie teilnehmen. Sie erhalten das Angebot von zwölf psychotherapeutischen Gesprächen, die wahlweise per Telefon oder Videotelefonie stattfinden können. Thematisiert werden unter anderem das Verstehen krankheitsbedingter Veränderungen, der Umgang mit Erschöpfung, Sorgen und Schuldgefühlen sowie der Aufbau selbstfürsorglicher Aktivitäten im Alltag.

Ergänzt wird das Angebot durch ein zusätzliches Online-Selbsthilfe-Tool. Um dessen Wirksamkeit zu überprüfen, werden die Studienteilnehmenden zufällig einer Interventions- oder Kontrollgruppe zugeteilt. Nach sechs sowie nach zwölf Monaten wertet das Studienteam aus, inwiefern sich die psychischen Belastungen bei den Teilnehmenden reduziert haben.

Breit aufgestelltes Konsortium für eine nachhaltige Versorgung

Neben der Universität Jena sind mehrere Konsortialpartner am Projekt beteiligt: die Robert Bosch Gesellschaft für medizinische Forschung mbH, die MSB Medical School Berlin sowie das Center for Health Economics Research Hannover der Leibniz Universität Hannover. Zudem werden Krankenkassen und Praxispartner wie Interessenverbände und regionale Alzheimer-Gesellschaften eingebunden, um belastete Angehörige gezielt zu erreichen.

Eine zentrale Rolle spielt die Zusammenarbeit mit Pflegekassen – insbesondere mit der AOK Bayern als weiterem Konsortialpartner. »Fast 80 Prozent der Pflegebedürftigen werden zu Hause betreut – einen großen Teil davon übernehmen pflegende Angehörige. Neben der körperlichen Belastung ist dies auch eine mentale Herausforderung, für die sie dringend Unterstützung benötigen«, sagt Alexandra Kist, Geschäftsbereichsleiterin Pflege bei der AOK Bayern. »Genau hier setzt unser gemeinsames digitales Versorgungsprojekt an.« Langfristig soll »AnDem-RoSe« dazu beitragen, dass innovative Unterstützungsangebote systemisch in die Versorgung pflegender Angehöriger integriert werden.

Information

Informationen zum Projekt und zur Teilnahme erhalten interessierte Personen bei Projektmitarbeiterin Sophie Geßner per Telefon (+49 3641 9-45173) oder E-Mail (andemrose@uni-jena.de). Die Telefonsprechzeit ist montags von 10 bis 12 Uhr und mittwochs von 14 bis 16 Uhr. Außerhalb der Sprechzeiten können auch Nachrichten auf dem Anrufbeantworter hinterlassen werden.

Kontakt:

Gabriele Wilz, Univ.-Prof. Dr.
Professur Klinisch-psychologische Intervention
Professur Klinisch-Psychologische Intervention
Raum 211
Humboldtstraße 11
07743 Jena Google Maps – LageplanExterner Link
Sprechzeiten:
nach Vereinbarung