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Meldung vom: | Verfasser/in: Stephan Laudien
Das Terminal des Ionenbeschleunigers »Romeo« am Institut für Festkörperphysik der Friedrich-Schiller-Universität Jena im Helmholtzweg 3 wurde in die Kur genommen, vollständig erneuert und erweitert. Hingegen kann die im Nebenraum installierte Implantationskammer mit dem zehn Meter langen Strahlrohr weiter genutzt werden. Wie der Festkörperphysiker Prof. Dr. Carsten Ronning sagt, erlaubt es die modernisierte Technik, effizienter zu forschen und größere Flächen zu bestrahlen. »Wir können jetzt insbesondere auch hochschmelzende Elemente beschleunigen und decken so alle Elemente des Periodensystems ab«, sagt Ronning. Möglich gemacht wurde das durch einen Großgeräteantrag, dessen Finanzierung in Höhe von knapp einer Million Euro je zur Hälfte von Bund und Freistaat Thüringen getragen wird.
Frauenpower bei der Steuerung des Ionenbeschleunigers
In einem Ionenbeschleuniger wie »Romeo« werden Ionen, also elektrisch geladene Atome, mit einer Hochspannung von bis zu 400.000 Volt beschleunigt und dann in andere Materialien geschossen. Weil die Fremdatome so in die Materialien implantiert werden, nennt man die Geräte auch Implanter. An der Universität Jena wird seit den 1950er Jahren mit diesem Verfahren gearbeitet; »Romeo« ist hingegen seit etwa 30 Jahren in Betrieb. Es sei an der Zeit gewesen, die Anlage zu modernisieren, sagt Carsten Ronning. Beauftragt wurde dieselbe Firma, die die Anlage hergestellt hatte.
Eingesetzt wird »Romeo«, um optische Verstärker und Laser auf photonisch integrierten Chips herzustellen. Der Bedarf an Experimenten in der Photonik sei groß, so Prof. Ronning: »Die Anlage ist bei uns jeden Tag im Einsatz!« Sichergestellt wird das durch echte Frauenpower: Die technische Mitarbeiterin Parisa Mirzaei bedient »Romeo« allein. Seit dem Upgrade sind viele der Einstellungen via PC möglich, bislang musste das meiste per Hand erledigt werden.
Zu jedem »Romeo« gehört eine »Julia«
Weil Anlagen wie »Romeo« an universitären Forschungseinrichtungen eher die Ausnahme sind, profitieren künftig auch Kooperationspartner der Jenaer Physiker. Etwa im Projekt ERC ATHENS, an dem die Hochschulen Karlsruhe und Lausanne beteiligt sind. Auch im Sonderforschungsbereich NOA – Nonlinear Optics down to Atomic scales – sowie in der internationalen Graduiertenschule META-ACTIVE kommt »Romeo« zum Einsatz. Weil »Romeo« ein unverzichtbarer Mitarbeiter am Institut für Festkörperphysik ist, wird es am morgigen Freitag (9. Januar 2026) sogar eine kleine Feier anlässlich der Wiederinbetriebnahme geben. Seinen so romantisch klingenden Namen verdankt das Gerät übrigens einer etwas älteren, zweiten Beschleunigeranlage am Institut. Sie trägt den Namen »Julia«.