Brașov, Rumänien (national + deutschsprachig)

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Școala Gimnazială 12, Brașov, Rumänien (Doppelfach Kunst)

Klasse im Unterricht

Foto: privat

Zeitraum: September 2025 - Januar 2026 (WiSe 2025/26) 

Vorbereitung des Auslandspraktikums

Den Kontakt zur Schule verdanke ich dem damaligen Institutsleiter der Schulmusik, der meine spätere Mentorin bereits seit einigen Jahren kannte. Im April 2024 schickte ich ihr eine Mail mit den wichtigsten Informationen zum Praxissemester und den Anforderungen an die Praktikumsschule. Bereits Ende Mai erhielt ich dann die Zusage. Rückblickend bin ich sehr dankbar für diese Vermittlung, da ich mich vermutlich nicht eigenständig in Rumänien beworben hätte. Die Erfahrung an einer deutschsprachigen rumänischen Schule statt einer deutschen Auslandsschule hat meinen Horizont enorm erweitert. Den Ferienkalender konnte ich erst im Februar 2025 nachreichen, da die Ferienzeiten in Rumänien relativ spät
veröffentlicht werden.

Da Rumänien ein EU-Land ist, benötigte ich weder Visum noch besondere Amtsgänge. Ein internationaler Studierendenausweis (ISIC) lohnt sich nicht, da die meisten Vergünstigungen ausschließlich für in Rumänien immatrikulierte Studierende gelten. Für das Semester schloss ich eine Reisekrankenversicherung bei HanseMerkur (Young Travel Basic ohne USA) für etwa 180 Euro ab. Weitere Versicherungen waren nicht notwendig. Meine Anreise führte mich zunächst von Stuttgart nach Bukarest (ca. 130 Euro für Flug mit 2 Handgepäcksstücken und einem 23kg-Koffer). Nach einem Tag Stadtbesichtigung fuhr ich mit dem Zug weiter nach Brașov (ca. 12 Euro). Für Zugbuchungen empfiehlt sich die rumänische App CFR Călători, über die man bis zu vier Wochen im Voraus buchen kann. Die Preise bleiben unabhängig vom Buchungszeitpunkt konstant. Züge fahren deutlich langsamer als in Deutschland, sind dafür aber meist pünktlich und zuverlässig. Flixbusse sind eine Alternative, allerdings nicht immer verlässlich und die Echtzeit-Angaben in der App hinken oft hinterher. Es gibt auch Direktflüge von verschiedenen deutschen Städten nach Brașov, wobei sich die Verbindungen gelegentlich ändern. Mein Rückflug von Brașov nach Nürnberg kostete inklusive Gepäck etwa 100 Euro.

Aufgrund der stark ausgeprägten Jahreszeiten in Brașov sollte die Garderobe von leichter Sommerkleidung bis zu warmen Wintersachen alles abdecken. Eine sehr warme Jacke ist besonders wichtig, da die Schulen hervorragend geheizt sind und ein T-Shirt im Klassenraum auch im Winter absolut ausreicht. Das rumänische Schuljahr gliedert sich in Module (jeweils die Zeit zwischen den Ferien) statt Halbjahre und dauert von Anfang September bis Ende Juni. Ich reiste am 1. September an und hatte vor Schulstart eine Woche Zeit, mich einzuleben, erste Kolleginnen und Kollegen kennenzulernen und die Schule zu erkunden. Ein kleines Grundvokabular in Rumänisch ist nicht obligatorisch, aber hilfreich, da Deutsch für die meisten Kinder und Lehrkräfte nicht die Muttersprache ist und untereinander überwiegend Rumänisch gesprochen wird.

Unterkunft

Während des Semesters bewohnte ich ein kleines Zimmer im Stadtzentrum, das ich über mehrere Kontakte privat vermittelt bekam. Die Wohnung kann ich sehr weiterempfehlen, die Ausstattung beinhaltet alles was man zum Leben braucht und die Vermietung ist sehr freundlich. Die monatliche Miete betrug etwa 350 Euro inklusive Nebenkosten und Internet.
Die zentrale Lage ermöglichte es mir, Einkaufsmöglichkeiten zu Fuß zu erreichen und mit dem Bus war ich in 20 Minuten an der Schule. Für die Wohnungssuche empfehle ich, sich direkt an die Schule oder die deutsche Kirchengemeinde zu wenden. Auch wenn man nicht sofort fündig wird, findet man dort Menschen mit wertvollen Kontakten. So funktioniert der Wohnungsmarkt in Rumänien zu großen Teilen. Facebook-Gruppen für Auswärtige sind ebenfalls eine gute Anlaufstelle.

Finanzen

Die Lebenshaltungskosten ähneln im Durchschnitt denen in Deutschland. Obst und Gemüse sind deutlich günstiger und meist qualitativ besser, während verarbeitete und importierte Produkte verhältnismäßig teuer sind. Das städtische Busnetz lässt sich mit Monatstickets für etwa 20 Euro nutzen. Für weitere Reisen sind Flixbus und andere Fernbusse ideal. Teilweise kommt man für 5 Euro bereits 100 Kilometer weit. Ich erhielt von meinem Stipendiengeber zusätzlich zum Vollstipendium eine einmalige Reisekostenpauschale sowie eine monatliche Auslandspauschale, sodass ich ohne finanzielle Sorgen leben und reisen konnte. Da ich meine Wohnung in Deutschland nicht untervermietet hatte, deckte dieser Zuschuss den finanziellen Mehraufwand nicht ganz vollständig ab, ich hatte aber ausreichend finanzielle Rücklagen. Nebenverdienste hatte ich keine, könnte mir aber vorstellen, dass sich Möglichkeiten im umfangreichen Nachhilfesystem ergeben. Deutschsprachige Lehrkräfte sind hier sehr gefragt.

In Rumänien kann man größtenteils mit EC-Karte zahlen, sogar auf Weihnachtsmärkten. Für lokale Lebensmittelmärkte und meine Miete benötigte ich allerdings Bargeld. Für Bargeldabhebungen empfehle ich die Automaten der Banca Transilvania, da diese als einzige keine eigenen Gebühren erheben und nur eventuelle Gebühren der eigenen Bank anfallen.

Leben an der Schule

Wandertag bei Sonnenschein

Foto: privat

Bereits vor Schulstart traf ich mich mit meiner Mentorin, die mir ausführlich das rumänische Schulsystem erklärte, das Schulgebäude zeigte und einige Kolleginnen und Kollegen vorstellte. Sowohl sie als auch das gesamte Kollegium waren jederzeit offen für Fragen und außerordentlich freundlich und hilfsbereit.

Zu Beginn hospitierte ich in allen Stunden meiner Mentorin, der einzigen Musiklehrerin der Schule. So lernte ich direkt alle 17 Gymnasialklassen kennen, sechs im rumänischsprachigen und elf im deutschsprachigen Teil. Für die Kinder im deutschsprachigen Bereich ist Deutsch meist nicht die Muttersprache, weshalb in allen Fächern besonderer Wert auf Sprachkompetenz gelegt wird. Im Lehrerzimmer wird überwiegend Rumänisch gesprochen, da etwa 20% der Lehrkräfte kein Deutsch und nicht alle Englisch sprechen.


Die Schule umfasst neben dem Gymnasium auch 25 Grundschulklassen sodass es insgesamt etwa 1.050 Schülerinnen und Schülern bei einer durchschnittlichen Klassenstärke von 25 bis 30 Kindern sind. Ein typischer Praktikumstag begann für mich mittags um 12 oder 13 Uhr, da die Schülerinnen und Schüler in zwei Schichten kommen: vormittags die Grundschule und 8. Klasse, nachmittags die 5. bis 7. Klasse. Der Unterricht endete um 18 oder 19 Uhr. Eine Schulstunde dauert 50 Minuten mit jeweils 10 Minuten Pause, ohne längere Pausen zwischendurch.

Im Schulalltag hospitierte und unterrichtete ich hauptsächlich Musik, nahm aber auch gerne an fachfremden Hospitationen teil. Alle Kolleginnen und Kollegen waren sehr offen und freuten sich über Hospitationsbesuch. Der Austausch fand stets auf Augenhöhe statt, und wir konnten gegenseitig viel voneinander lernen. Besonders geschätzt wurde, dass ich Rumänisch lernte und mich im Lehrerzimmer bemühte, ebenfalls Rumänisch zu sprechen. Die technische Ausstattung liegt etwas unter deutschem Standard. Zwar gibt es in jedem Raum einen Beamer, aber Laptop und Internet funktionieren nicht immer zuverlässig. Abgesehen von einem Informatikraum existieren keine Fachräume, weshalb Lehrkräfte ihr Material von Klasse zu Klasse mitnehmen. Inn meinem Fall waren das meist eine Gitarre, einen CD-Player, eine Bluetooth-Box oder seltener Boomwhackers, Drumsticks und Glockenspiel. Entgegen meiner ersten Bedenken erwiesen sich diese eingeschränkten Ressourcen als absolut bereichernd, da oft viel Kreativität gefragt war. Einige sehr gute Unterrichtsideen wären mir in Deutschland sicher nicht gekommen.

Neben zahlreichen Hospitationen unterstützte ich organisatorisch bei der Projektwoche vor den Herbstferien und beim Chorprobenwochenende, sammelte Geld von Schülerinnen und Schülern ein und half bei der Planung. Für den Schulchor brachte ich eigene Chorsätze ein, korrepetierte bei Proben am Klavier und spielte in Konzerten Klavier und Percussion. Für meine Mentorin erstellte ich Arbeitsblätter und Notenmaterial, das sie nun langfristig nutzen kann. Das Stage-Piano in der Schule hätte ich zum Üben nutzen können, meistens nutze ich aber das Klavier bei meiner Mentorin zu Hause. Gleiches galt für den Drucker im Lehrerzimmer.

Freizeit

Brașov bietet ein Theater, ein kleines, aber sehr schönes Opernhaus sowie eine berühmte Fußgängerzone in der Altstadt. Besonders empfehlenswert sind die Wanderwege auf die Zinne und die Berge im benachbarten Skigebiet Poiana Brașov. Ein Tipp für Restaurantbesuche: Die von außen einladend wirkenden Restaurants sind typische Touristenlokale mit
entsprechenden Preisen. Sobald man über einen Hinterhof und eine versteckte Treppe geht, findet man meistens wunderbare authentische Restaurants, die in der Regel qualitativ besser und auch gemütlicher sind, in denen man allerdings meist Rumänisch sprechen muss. In der Stadt gibt es zahlreiche Sportangebote und traditionelle Tanzkurse, allerdings gelten Studentenrabatte nur für rumänische Studierende. Die Honterus-Gemeinde hat auch einen sehr guten Bachchor, in dem mehrsprachig geprobt wird (Rumänisch, Deutsch, Englisch) und hauptsächlich Werke von Johann Sebastian Bach gesungen werden. In den Ferien besuchte ich Sibiu, Sighișoara und Mediaș. Besonders das Astra-Museum in Sibiu ist einen Besuch wert. Man sollte mehrere Stunden einplanen, um alles zu sehen. Auch die Bergkirche in Sighișoara ist sehr sehenswert. Die rumänische Küche ist sehr vielfältig. Ich empfehle besonders Ciorbă (traditionelle Suppe), Papanași und Salam de biscuiți (traditionelle Süßspeisen) sowie den lokalen Apfelsaft.

Allgemein

Der Postversand von Rumänien ins Ausland funktioniert nicht immer zuverlässig. Für Pakete nach Deutschland empfiehlt es sich, diese Reisebussen oder Privatpersonen mitzugeben, die nach Deutschland fahren. In der Stadt bewegte ich mich größtenteils mit Bussen oder zu Fuß. Das Busnetz ist sehr gut ausgebaut, mindestens alle 10 Minuten fährt ein Bus. Rückblickend hätte ich nichts anders gemacht und kann ein Praxissemester in Brașov absolut weiterempfehlen.