gefüllter Hörsaal mit zwei Studierenden im Vordergrund

Strategie 2025 - Lehre

Prinzipien guter Lehre, Herausforderungen, abgeleitete Ziele und Maßnahmen
gefüllter Hörsaal mit zwei Studierenden im Vordergrund
Foto: Christoph Worsch

Entstehungsprozess der Strategie — Akademie für Lehrentwicklung (ALe)

Die Akademie für Lehrentwicklung (ALe) erhielt mit Ihre Einrichtung vom Senat der Universität u.a. den Auftrag, wesentlich zur strategischen Weiterentwicklung von Studium und Lehre an der Friedrich-Schiller-Universität Jena beizutragen. In Erfüllung dieses Auftrages hat das Expertenkollegium der ALe, das sich aus Mitgliedern aller Fakultäten und verschiedener Statusgruppen zusammensetzt, einen Strategieprozess im Bereich Lehre begonnen. Dieser Strategieprozess wurde neben der eigenen inhaltlichen Arbeit des Expertenkollegiums regelmäßig durch Einbindung der Universitätsöffentlichkeit vorangetrieben:

  • Zunächst wurden im Dezember 2017 die Fakultäten um Rückmeldungen hinsichtlich Maximen, Herausforderungen und Problemfeldern sowie zu Zukunftsversionen im Bereich der Lehre gebeten.
  • Im Juli 2018 wurden die Fakultäten über die aggregierten Ergebnisse der Umfrage und weitere Schritte bezüglich der Formulierung einer Lehrstrategie informiert.
  • Im November 2018 erhielten alle Universitätsmitglieder die Möglichkeit, die vom Expertenkollegiums erarbeiteten Prinzipien guter Lehre während des DIESLEGENDI zu diskutieren.
  • Im Juni 2019 wurde die bisherige Arbeit der ALe dem Universitätsrat vorgestellt. Auch in diesem Rahmen erfolgte ein Austausch zur Strategie im Bereich Lehre.
  • Im Dezember 2019 erhielten die Fakultätsleitungen den aktuellen Stand des Textes "Strategie 2025 — Lehre", um vor der Vorstellung im Senat erneut Rückmeldung zur Strategie geben zu können.

Die erarbeitete Strategie 2025 für die Lehre dokumentiert damit die Ergebnisse der strategischen Arbeit des Expertenkollegiums, wobei die Perspektiven aus den Fakultäten und der interessierten Universitätsöffentlichkeit gezielt in den Strategieentwicklungsprozess eingeflossen sind.
Diese Lehrstrategie greift somit aktuelle Positionen der universitären Fachbereiche zu Herausforderungen, Zielen und Bedarfen in der Lehre auf. Gleichzeitig dient sie als Grundlage für die zielgerichtete Weiterentwicklung der Lehre an der gesamten Universität.*
Innerhalb dieser Strategie ist sowohl Raum für die Bündelung fachübergreifender Aktivitäten als auch für die Ausgestaltung fachspezifischer Lernangebote gegeben.

Nach Aufnahme aller Rückmeldungen aus den Fakultäten und abschließender Überarbeitung durch das Expertenkollegium wurde 4. Februar 2020 das Strategiepapier "Strategie 2025 — Lehre" durch den Senat der Universität Jena zustimmend zur Kenntnis genommen.

Inhalte des Strategiepapiers sind:

Prinzipien guter Lehre

Herausforderungen, Ziele und Maßnahmen für die Lehre bis 2025

Die Lehrstrategie als dynamisches Konzept

Titelseite der Broschüre zur Strategie 2025 - Lehre Foto: Katja Hüfner

Im Downloadbereich steht alternativ die pdf-Version der Broschüre "Strategie 2025 — Lehre" zur Verfügung.

 

* Das Expertenkollegium ist auch am Prozess der Entwicklung einer Digitalisierungsstrategie für die Friedrich-Schiller-Universität beteiligt. Digitalisierung wird dabei primär als ein mögliches Werkzeug verstanden, das bei der Bearbeitung von Herausforderungen hilfreich sein kann. Auf die Digitalisierung in der Lehre wird im vorliegenden Strategiepapier deshalb nicht gesondert eingegangen.

Prinzipien guter Lehre

Für die Lehre an der Friedrich-Schiller-Universität gelten die folgenden Prinzipien. Sie fußen auf gesellschaftlich geteilten Normen und Werten und wurden in einem iterativen universitätsweiten Verständigungsprozess erarbeitet. Das changierende „wir“ in diesen Prinzipien bezieht sich auf alle diejenigen, die in unterschiedlichen Rollen – z. B. als Lehrende, Studierende, Gremienmitglieder – in und für Studium und Lehre Verantwortung tragen.

Wir bekennen uns zur Einheit von Forschung und Lehre. Inhalt einblenden

Die Friedrich-Schiller-Universität versteht Forschung und Lehre als gleichwertige und interdependente Bestandteile von Wissenschaft. Forschungsorientierung ist das Spezifikum universitärer Lehre. D. h. gute Lehre vermittelt den aktuellen Erkenntnisstand der Forschung sowie das Bewusstsein, dass Wissen dynamisch ist. Lehrende können dabei aus angeregten Diskussionen mit Studierenden wichtige Impulse für ihre Forschung gewinnen.

Wir tragen als Lehrende und Studierende kooperativ und in wechselseitigem Respekt zum Gelingen von Lehren und Lernen bei. Inhalt einblenden

Gute Lehre lebt vom Engagement der Lehrenden wie Studierenden gleichermaßen und bewirkt idealerweise einen beiderseitigen Erkenntniszuwachs. Die Lehrenden sind gefordert, fachlich und hochschuldidaktisch hochwertige Lernangebote bereitzustellen, den Erfolg ihrer Lehre zu reflektieren und ihre Veranstaltungen stetig weiterzuentwickeln. Die Studierenden tragen ihrerseits zum Gelingen der Lehre bei, indem sie das Lehrangebot verantwortlich und aktiv wahrnehmen, engagiert studieren und konstruktives Feedback zu Lehrangeboten geben.

Wir zielen mit unserer Lehre auf sachkundige und kritische Reflexion innerhalb und außer-halb der Wissenschaft. Inhalt einblenden

Gute akademische Lehre vermittelt nicht nur fundierte Kenntnisse, sondern bildet eine kritisch-reflexive Grundhaltung bei den Studierenden aus. Sie leitet die Studierenden an, wissenschaftliche Befunde zu bewerten sowie selbst fachliche Fragen zu stellen und zu klären. Sie befähigt Studierende, Zusammenhänge zwischen Forschungsergebnissen und beruflichen Problemstellungen herzustellen. Die Studierenden erlernen wissenschaftsethische Standards und berücksichtigen diese im Studium und in künftigen beruflichen Positionen.

Wir behalten in unserer Lehre den ganzheitlichen Bildungsauftrag der Universität im Blick. Inhalt einblenden

Es greift zu kurz, den Studienerfolg allein an erworbenem Wissen und erbrachten Prüfungsleistungen zu messen. Vielmehr zählen auch die Persönlichkeitsentwicklung der Studierenden, motivationale, emotionale und soziale Kompetenzfacetten sowie der verantwortungsvolle Einsatz erreichter Kenntnisse und Fähigkeiten zu den zentralen Zielen des Studiums an der Friedrich-Schiller-Universität. Gute Lehre zielt auf die aktive Teilhabe an demokratischen Gesellschaften ebenso wie auf die Fähigkeit und Bereitschaft, sich angesichts ständig wandelnder Herausforderungen selbstständig immer neu zu orientieren.

Wir stellen uns in unserer Lehre dem Umgang mit Vielfalt. Inhalt einblenden

Ein diskriminierungsfreier, von Akzeptanz geprägter Umgang unter sowie zwischen Studierenden und Lehrenden ist unabdingbare Voraussetzung für gelingendes Lernen. Wir betonen die Chancen, die mit der Vielfalt unter Studierenden und Lehrenden verbunden sind. Für daraus resultierende Herausforderungen in der Lehre entwickeln wir Lösungen. Die diversen Lernvoraussetzungen der Studierenden berücksichtigen wir bei der Entwicklung von Studienprogrammen und Lehrkonzepten.

Wir tragen in der Lehre der Verschiedenartigkeit der Forschungskulturen Rechnung. Inhalt einblenden

Unsere Forschungskulturen werden durch zahlreiche Faktoren sehr unterschiedlich geprägt. Daraus resultieren nicht nur unterschiedliche Forschungsmethoden und verschiedenartige Blickwinkel auf die Welt, sondern auch die Notwendigkeit, in der Lehre fachspezifisch passende Konzepte, Arbeitsformen und Formate zu entwickeln. Wir respektieren diese Verschiedenheit von Zugängen zu fachlichen Fragen in der Lehre und setzen uns für die dafür erforderlichen Rahmenbedingungen ein.

Wir bieten in unserer Lehre interdisziplinäre Perspektiven. Inhalt einblenden

Viele wissenschaftliche und gesellschaftlich relevante Fragestellungen sind nur im Rahmen interdisziplinärer Kooperationen zu lösen. Voraussetzung hierfür sind Offenheit und Respekt für andere Fachkulturen sowie das Bewusstsein für Grenzen der eigenen fachlichen Perspektiven. In unserer Lehre leben wir diese Haltung vor. Auf verschiedenen Ebenen und in verschiedenen Formaten unterbreiten die Lehrenden den Studierenden interdisziplinär angelegte Lernangebote.

Wir würdigen und unterstützen Engagement in der Lehre. Inhalt einblenden

Wir setzen uns für Rahmenbedingungen ein, in denen Lehre in der Breite auf hohem Niveau realisiert werden kann. Besonderes Engagement, Ideenreichtum und herausragende Leistungen in der Lehre werden an der Friedrich-Schiller-Universität gefördert, sichtbar gemacht und ausgezeichnet. Wir bieten Lehrenden die nötigen Gestaltungsräume für die Entwicklung und Umsetzung neuer Ideen und Konzepte. Bei der Beurteilung wissenschaftlicher Leistungen berücksichtigen wir als Leistungsdimensionen sowohl Forschung als auch Lehre.

Wir entwickeln die Lehre an unserer Universität kontinuierlich weiter. Inhalt einblenden

Lehre kann nur dann immer besser werden, wenn sie am Erreichen ihrer Ziele gemessen wird. Dies erfordert geeignete Instrumente, um Lernergebnisse und Desiderata nachvollziehbar zu machen. Entsprechende Befunde werden von den Fächern in eigener Verantwortung für die Weiterentwicklung der Lehre genutzt. Die Friedrich-Schiller-Universität stellt daher Unterstützungsstrukturen zur Lehrevaluation und zur hochschuldidaktischen Qualifizierung bereit und entwickelt diese stetig weiter.

Wir pflegen den Diskurs über unsere lehrbezogenen Werte. Inhalt einblenden

Die Weiterentwicklung der Lehre berührt ganz wesentlich auch normative Aspekte. Dazu zählen die Fragen, was unter guter Lehre zu verstehen ist, welche Mindeststandards wir in der Lehre nicht unterschreiten wollen und welche übergeordneten Werte für die Friedrich-Schiller-Universität in der Lehre leitend sein sollen. Der Diskurs über diese und ähnliche Fragen gehört für uns zur Qualitätsentwicklung. Lehrende und Studierende führen ihn regelmäßig und universitätsöffentlich in verschiedenen Formaten.

Herausforderungen, Ziele und Maßnahmen für die Lehre bis 2025

Die Prinzipien guter Lehre (Abschnitt 2) bilden einen Rahmen, an dem sich Ziele und Maßnahmen für Studium und Lehre orientieren. Die in diesem Abschnitt aufgeführten Ziele berücksichtigen die Prinzipien. Sie adressieren zugleich aktuelle Herausforderungen der universitären Lehre, indem sie Resultate einer Fakultätsbefragung durch das Expertenkollegium aus dem Jahr 2018 aufgreifen. Die Auswertung der Rückmeldungen aus den Fakultäten ergab, dass an der Friedrich-Schiller-Universität Jena aktuell drei vordringliche Herausforderungen in Studium und Lehre gesehen werden, und zwar

  • der Umgang mit Heterogenität,
  • die Förderung der wissenschaftlichen Selbstständigkeit Studierender und
  • die Stärkung didaktischer Kompetenzen von Lehrenden.

Das Expertenkollegium hat – unter Berücksichtigung dieses Befundes und der Prinzipien guter Lehre – mittelfristige Ziele für die Lehre an der Friedrich-Schiller-Universität bis 2025 formuliert und diese mit Maßnahmen untersetzt. Die identifizierten Herausforderungen und damit zusammenhängende Vorannahmen werden im Folgenden kurz erläutert, bevor sich abgeleitete Ziele und Maßnahmen anschließen.

Einzelne Maßnahmen können dabei auch der Erreichung verschiedener anderer Ziele dienen. Ziele und Maßnahmen stellen keine abgeschlossene Auflistung dar, sondern sind je nach Fortschritt der Zielerreichung dynamisch anpassbar (hierzu auch Die Lehrstrategie als dymnamisches Konzept).

Herausforderung "Umgang mit Heterogenität" — ​Ziele und Maßnahmen

Die Zahl der Studienanfänger und Studienanfängerinnen ist in den vergangenen zehn Jahren, insbesondere infolge einer höheren Studierwilligkeit sowie der weiteren Öffnung des Zugangs zum Studium, um mehr als 40 Prozent angewachsen. Die damit einhergehende Unterschiedlichkeit in den Studienvoraussetzungen stellt auch die Friedrich-Schiller-Universität vor besondere Herausforderungen. Dies betrifft vorwiegend, jedoch nicht allein die Studieneingangsphase. Besondere Betonung in den Rückmeldungen der Fakultäten haben in diesem Zusammenhang die Unterschiedlichkeit der Studierenden im Vorwissen, der Leistungsfähigkeit sowie der Leistungsbereitschaft und Motivation erfahren.

Um der größeren Vielfalt der Studierenden gerecht zu werden und den individuellen Studienerfolg zu fördern, bedarf es der strukturierten Weiter- und Neuentwicklung von Lehrangeboten, die auf die Erreichung des im Studium angestrebten Kompetenzniveaus zielen und dabei auf den persönlichen Stärken der Studierenden aufbauen. Dabei sind insbesondere auch die spezifischen Bedarfe leistungsstarker Studierender in den Blick zu nehmen. Die Lehrangebote müssen dazu inhaltlich, didaktisch und organisatorisch stimmig in das Curriculum integriert werden.

 Ziele

  • Die Förderung des Studienerfolgs berücksichtigt die individuellen Lernvoraussetzungen.
  • Das im Studium angestrebten Kompetenzniveaus wird von möglichst vielen Studierenden erreicht.

Maßnahmen

  • Die Entwicklung, Adaption und Implementation von Modellen zur Beratung und/oder Lernbegleitung in der Studieneingangsphase werden gefördert.
  • Die Verstetigung erfolgreicher Konzepte zum Umgang mit Heterogenität in der Studieneingangsphase wird unterstützt.
  • Bei der Studiengangentwicklung werden Differenzierungsmöglichkeiten, die das unterschiedliche Vorwissen der Studierenden berücksichtigen, ins Curriculum eingeplant.
  • Es werden Programme für die Förderung leistungsstarker Studierender im Rahmen forschungsorientierter Lernangebote aufgelegt.

Herausforderung "Förderung der wissenschaftlichen Selbstständigkeit bei Studierenden" — ​Ziele und Maßnahmen

Eine Herausforderung in der Lehre und zugleich ein wichtiges Ziel des Studiums ist es, die Studierenden zur selbstständigen Lösung von fachlichen Problemstellungen zu befähigen. Zu Selbstständigkeit beim wissenschaftlichen Arbeiten gehört: Sich selbst relevante Ziele setzen und Fragen stellen; geeignete Methoden zur Bearbeitung wählen und anwenden; trotz Anstrengung durchhalten; Prozess und Ergebnisse der eigenen Arbeit überprüfen und ggf. korrigieren. Diese Selbstständigkeit kann man bei Studierenden zu Beginn des Studiums nicht voraussetzen, und sie ist im Studium schrittweise zu erwerben.

Als problematisch bei der Hinführung zur wissenschaftlichen Selbstständigkeit von Studierenden wird mit Blick auf die Bologna-Reformen immer wieder die erhöhte ‚Verschulung‘ des Studiums gesehen, da sie der Entwicklung von Selbstständigkeit entgegenstehe. Andererseits kann die Betonung studentischer Selbstständigkeit dazu führen, dass wichtige Aspekte gemeinschaftlichen Lernens und Forschens auf der Strecke bleiben.

Zur Stärkung wissenschaftlicher Selbstständigkeit braucht es in der Lehre also Lernangebote, die den Erwerb von Selbstständigkeit ermöglichen, ihn abgestimmt auf den Lernstand der Studierenden unterstützen sowie in soziale Zusammenhänge einbetten. Strukturen müssen hinreichend flexibel ausgestaltet sein, um Raum für die Schaffung entsprechender Lerngelegenheiten zu bieten.

Ziel

  • Die Studierenden arbeiten wissenschaftlich selbstständig.

Maßnahmen

  • Die Förderung wissenschaftlicher Selbstständigkeit wird bei der Konzeption von Lernangeboten und Prüfungsformaten im Rahmen der Studiengangentwicklung berücksichtigt.
  • Studentische Eigeninitiativen zur Schaffung und Weiterentwicklung von Lerngelegenheiten werden unterstützt.
  • Die Entwicklung innovativer Lernangebote, die auf die wissenschaftliche Selbständigkeit der Studierenden abzielen, wird gefördert.
  • Es werden Programme für die Förderung leistungsstarker Studierender im Rahmen forschungsorientierter Lernangebote aufgelegt.

Herausforderung "Stärkung didaktischer Kompetenzen von Lehrenden" — ​ Ziele und Maßnahmen

Einen wesentlichen Einfluss auf die Steigerung der Lehrqualität haben die Lehrenden selbst. Mit ihren Haltungen und Kompetenzen bringen sie sich in das Lehrgeschehen ein und schaffen Lernangebote, die es den Studierenden ermöglichen sollen, relevante Kenntnisse und Fähigkeiten zu erwerben. Gleichwohl geht der Lehrtätigkeit an Universitäten in aller Regel keine lehrbezogene Qualifizierung voraus. Lehrende bleiben oft auf sich allein gestellt und sehen sich dabei mit einer Vielzahl von Herausforderungen – beispielsweise heterogenen Studierendengruppen, großen Stoffmengen – konfrontiert, für die sie individuell Lösungsstrategien entwickeln (müssen).

Studierenden exzellente Lernangebote zur Verfügung zu stellen, setzt didaktisch reflektierte Lehrkonzepte voraus. Dies erfordert, Rahmenbedingungen zu schaffen, die Lehrenden Freiräume für Lehrentwicklungen und -qualifizierung gewähren und unter denen universitäre Lehre als eigenständige Leistungsdimension anerkannt wird. Darüber hinaus gilt es, Gesprächsräume zu eröffnen, in denen Lehrende aller Statusgruppen partizipieren, um gemeinsam Strategien im Umgang mit Herausforderungen universitärer Lehre zu entwickeln und damit Lehre in ihrer Qualität zu stärken.

Ziele

  • Mehr Lehrende werden mit hochschuldidaktischen Qualifizierungsangeboten
    erreicht.
  • Die Qualität hochschuldidaktischer Qualifizierung wird weiter verbessert.
  • Der strategische Austausch über Fragen der Lehre auf allen Ebenen der
    Friedrich-Schiller-Universität wird erhöht.

Maßnahmen

  • Leistungen in der Lehre werden in Berufungsverfahren, Berufungs- und Bleibeverhandlungen sowie bei der Vergabe besonderer Leistungsbezüge berücksichtigt.
  • Die Servicestelle LehreLernen wird gestärkt.
  • Veranstaltungsformate zum Austausch über gute Lehre werden gefördert.
  • Bestehende Anerkennungs- und Anreizsysteme für Engagement in der Lehre werden im Hinblick auf ihre Reichweite und ihre Wirkungen evaluiert.

Die Lehrstrategie als dynamisches Konzept

Die vorliegende Lehrstrategie ist als dynamisches Konzept zu verstehen: Bei ihrer Umsetzung greifen top down- und bottom up-Prozesse ineinander. Ziele und Maßnahmen interagieren auf vielfältige Weise und können zudem an veränderte Gegebenheiten angepasst werden. 

Zielführende Maßnahmen werden und können nicht ausschließlich zentral initiiert werden. In der Breite und auf allen Ebenen der Friedrich-Schiller-Universität werden aktuell und auch künftig eigeninitiativ zahlreiche Ideen zur Lehrentwicklung umgesetzt. Diese bottom up-Initiativen sind überaus wünschenswert; denn Lehrqualität steht und fällt mit der Kreativität und dem Engagement vieler einzelner Akteure. Sie korrespondieren oft – mehr oder weniger absichtlich – mit den Zielstellungen in diesem Strategiepapier.

Die Aufgabe der Akteure auf zentraler Ebene (Expertenkollegium der ALe, Präsidium der Universität) besteht im Strategieprozess darin, den Fächern gezielte Anregungen und Unterstützungsangebote zu geben, Bestehendes sichtbar zu machen, Parallelstrukturen zu vermeiden und ggf. Maßnahmen zu koordinieren und zu bündeln. Top down geht es also darum, Impulse zu abgestimmtem Vorgehen und zum Bearbeiten bislang vernachlässigter Aspekte zu setzen sowie nach Möglichkeit Unterstützungsangebote zu machen.

Was die Zuordnung von Maßnahmen zu Zielen betrifft, zeigt sich, dass strategische Prozesse nicht formal und unidirektional gedacht werden können. Beispielsweise adressieren Maßnahmen, die primär mit Blick auf ein ganz bestimmtes Ziel ergriffen werden, bestenfalls auch andere Zielstellungen.

Um die skizzierten Wechselbeziehungen zu verdeutlichen und zu veranschaulichen, wie strategische Steuerung einerseits und konkrete Belange von Lehrenden und Studierenden andererseits ineinandergreifen, werden im Folgenden vier bereits bestehende Maßnahmen exemplarisch vorgestellt.

  • ProMINT-Projekt zum Umgang mit Heterogenität im MINT-Bereich
  • Honours Programme zur frühzeitigen Forschungseinbindung von Studierenden
  • Hochschuldidaktische Professionalisierung durch individuelle Videobegleitung
  • Förderlinien der ALe

ProMINT-Projekt zum Umgang mit Heterogenität im MINT-Bereich

Besonderer Handlungsbedarf mit Blick auf die Heterogenität der Studierenden (vgl. Abschnitt 3.1) in der Studieneingangsphase wird in den MINT-Fächern gesehen.

Finanziert durch das Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft widmet sich das Programm ProMINT an der Friedrich-Schiller-Universität der Weiterentwicklung der Studieneingangsphase im MINT-Bereich. Ausgangspunkt des Programms ist eine systematische Erfassung der aktuell bereits etablierten Studieneingangsmaßnahmen, wie die Begleitung und Beratung im Studieneingangsprozess (z. B. Studieneinführungstage, Tutoring und Mentoring durch Studierende) oder die Vermittlung fachlicher und überfachlicher Kompetenzen (z. B. im Rahmen von Vorkursen). Ziel des Projektes ist es, erfolgreiche Konzepte zu identifizieren, diese bedarfsgerecht weiterzuentwickeln oder Konzepte neu einzuführen.

Das ProMINT-Programm greift eine der zentralen strategischen Herausforderungen im Bereich der universitären Lehre auf. Wenngleich die Fakultäten die zentrale Anlaufstelle für die inhaltliche Ausgestaltung der Studieneingangsphase sind, erfordert die proaktive Gestaltung eine enge Kooperation auch mit der Universitätsleitung und der ALe. Nur so können die Maßnahmen in die Gesamtstrategie der Universität eingebunden, koordiniert und evaluiert werden, Spielräume in der Gestaltung von Rahmenbedingungen ausgelotet und die Ressourcenbereitstellung sichergestellt werden. Damit werden die Ziele verfolgt, den Studienerfolg zu erhöhen und die Abbrecherquoten zu reduzieren.

Honours Programme zur frühzeitigen Forschungseinbindung von Studierenden

Die Diskussion um die Leistungsheterogenität unter Studierenden konzentriert sich oft auf Probleme, die aus mangelnder Leistungsfähigkeit oder -bereitschaft resultieren. Die Bedürfnisse und Potenziale besonders leistungsstarker Studierender geraten dabei leicht aus dem Blick. Im Rahmen der Beteiligung der Friedrich-Schiller-Universität an der Exzellenzstrategie ist Handlungsbedarf bei der Begabtenförderung deutlich geworden, braucht exzellente Forschung doch auch exzellenten wissenschaftlichen Nachwuchs vor Ort.

Finanziert durch die Universitätspauschale im Rahmen der Exzellenzstrategie, wurde zentral ein Honours Programme für forschungsaffine Studierende aller Fachrichtungen aufgesetzt. Es zielt darauf, die besten Studierenden der Friedrich-Schiller-Universität über das reguläre Lehrangebot hinaus zu fördern. Ab dem 4. Bachelorsemester bzw. ab dem 2. Mastersemester ist die Bewerbung für verschiedene Förderformate im Rahmen des Honours Programmes möglich. Im Rahmen des „Honours Mentoring“ werden die ausgewählten Studierenden durch eine/n Professor/in fachlich betreut und mit einer eigenen Forschungsidee in bestehende Strukturen (Arbeitsgruppe, Graduiertenprogramm etc.) eingebunden.

Das Honours Programme greift das Ziel der frühen Förderung wissenschaftlicher Selbstständigkeit auf. Es bietet aber zugleich auch ein Konzept für den Umgang mit Herausforderungen und Chancen der Leistungsheterogenität unter Studierenden. Das Honours Programme stärkt die Einheit von Forschung und Lehre, bietet den Studierenden interdisziplinäre Perspektiven und Anregungen zur wissenschaftlichen Reflexion.

Hochschuldidaktische Professionalisierung durch individuelle Videobegleitung

In den Workshops der Servicestelle LehreLernen setzen sich Lehrende mit hochschuldidaktischen Konzepten sowie Lösungsansätzen für Problemstellungen in der Lehre auseinander. Die eigentliche Arbeit beginnt jedoch in der Regel erst im Anschluss, wenn die gewonnenen Erkenntnisse auf den eigenen Lehrkontext zu übertragen sind.

Um den Transfer hochschuldidaktischen Wissens auf Lehrsituationen zu unterstützen, bietet die Servicestelle LehreLernen im Rahmen von drei Zertifikatsprogrammen Videobegleitungen an. Lehrende haben die Möglichkeit, Lehrveranstaltungssitzungen videographieren zu lassen und so ihre eigene Lehre handlungsentlastet aus einer neuen Perspektive zu reflektieren. Die Aufzeichnung wird außerdem von zwei Personen des Teams der Servicestelle analysiert. Diese Analyse und die von der Lehrperson selbst herausgearbeiteten Aspekte bilden die Grundlage für das Videogespräch zwischen der Lehrperson und einer Mitarbeiterin/einem Mitarbeiter von LehreLernen. Ziel dieses Gesprächs ist die gemeinsame Reflexion und Weiterentwicklung des Lehrhandelns. Die Fachexpertise der Lehrperson und die hochschuldidaktische Expertise greifen dabei ineinander.

Die Videobegleitung zielt auf die Stärkung hochschuldidaktischer Kompetenzen. Sie kann zusätzlich den Umgang mit heterogenen Studierendengruppen und das Austarieren des Spannungsverhältnisses von Anleitung Studierender und Schaffung von Freiräumen zum selbstständigen Arbeiten zum Gegenstand haben.

Förderlinien der ALe

Innovative Projekte zur Weiterentwicklung der Lehre erfordern oftmals zusätzliche zeitliche und finanzielle Ressourcen, ohne die eine Realisierung nur schwer oder nicht möglich ist.

Die ALe unterstreicht die Bedeutung der Lehre für die Friedrich-Schiller-Universität, indem sie entsprechende Ressourcen zusätzlich zur Verfügung stellt. Aktuell werden jährlich die folgenden Förderlinien ausgeschrieben:

  • „Freiraum für die Lehrentwicklung“: zeitlicher Freiraum für die Weiterentwicklung der universitären Lehre, z. B. für die Erarbeitung neuer Lehr- und Lernkonzepte oder die Konzeption von Studiengängen.
  • „Innovation in der Lehre“: finanzielle Förderung für die Umsetzung guter Ideen, z. B. die erstmalige Durchführung innovativer Lehrkonzepte oder die Ausweitung erfolgreicher bereichsspezifischer Lehrkonzepte auf andere Fachbereiche.
  • „Entwicklungsdialog in den Fakultäten“: finanzielle Förderung des fachbezogenen Austauschs über das Lehren und Lernen innerhalb der Fakultäten in verschiedenen Veranstaltungsformaten.
  • „Studentische Initiativen“: finanzielle Förderung studentischer Projekte, die dem Austausch über Fragen der Lehre dienen bzw. welche die Förderung des universitären Lehrens und Lernens fokussieren.

Durch die Förderung von Projekten setzt die ALe Impulse für die Weiterentwicklung hochschuldidaktischer Konzepte. Innovationsgehalt und Übertragbarkeit der Projekte als maßgebliche Förderkriterien stellen sicher, dass die finanzielle Förderungen zur nachhaltigen Verbesserung der Lehre an der Friedrich-Schiller-Universität beitragen. Im Rahmen der Lehrstrategie ist die gezielte Setzung inhaltlicher Schwerpunkte in den Ausschreibungen möglich.

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